Samstag, 1. September 2012

Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 5, RaumZeit



Laubach Blog in Folgen

zur Ausstellung

„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012


Fünfter Teil

RaumZeit



Foto: A.B. Saal "Im Löwen", Laubach 4.1.12




26 Jahre war ich nicht mehr in den Räumen meines ehemaligen Ateliers. Sie schlummerten und staubten vor sich hin. 
Die Spinnen woben ungestört ihre kunstvollen Netze. Meterlang. 

Ist die Zeit darin stehengeblieben. 
Kann die Zeit stehenbleiben? 

Ich öffne die großen Fenster und die Sonne schreibt ihr Licht auf den Holzboden, der seinen warmen Grundton in den Raum abstrahlt. Es duftet nach erfrischtem Alter.


Foto: A.B. "Im Löwen" Laubach 25.8.12

Raum und Zeit sind fühlbar präsent, nicht vergangen. 

Das Vergangene kommt frisch geputzt und jung als Zukunft wieder auf dich zu und tanzt in der Gegenwart den Reigen von Kommen und Gehen im immer währenden Sein.

Konkret wird hier an der Zukunft der „Laubacher Phase von 1971-86“ gebaut. 
Es wird aufgebaut im Abbruchhaus. Nächstes Jahr wird es abgerissen. 

„Aufbau im Abbruchhaus“. Wer denkt das schon an den Euro und an Europa?

Ist das nicht eine der spezifischen Kräfte und Fähigkeiten des Menschen, speziell der Kunst, aufzubauen und Gestalt zu schaffen wo sich Entropie und Auflösung ereignen. Das ist zugleich natürlich, denn jeder Apfel trägt, wenn er fällt, die Gewissheit seiner Zukunft in den Kernen mit hinab.

In diesen leeren Räumen suche, erwarte, nein! erahne ich eine neue Figur, die sich aus den gegenwärtig anwesenden Arbeiten, Räumen, Gedanken, Ideen und Sichtweisen ergibt. Mal sehn.



Foto: A.B. 11.7.12 Laubach, Atelier "Im Löwen"


Nachdem wir, Bernhard und ich, sorgfältig gekehrt und die Wände und Decken vom Spinnenwerk entwoben haben blieben die Flecken an den Wänden und die Risse. Einen Raum wischte ich nass und bohnerte den Boden mit Wachs, wie ich das in den Jahren meines Wirkens hier immer tat, denn der Grund, die Grundierung war wichtig.

In diesem Raum putzten wir auch die Scheiben, im andern Raum ließ ich den Staub von 26 Jahren an den Fenstern.
Schritt für Schritt machte ich mich mit der Situation vertraut. Schon der leergeräumte Saal hatte eine Kraft und seltene Stimmung.

All das was ein heutiges Haus ausmacht ist hier nicht mehr vorhanden, außer der bloße Raum, die Luft darin und das Licht das sich durch die großen Scheiben einspeiste. 

Alles ist ausgezogen. Meine Kunst zieht ein. Ich hänge sie nicht an leere Wände, sondern an die Wände der Leere.


Foto: A.B. "ZEIT LOS", Laubach, "Im Löwen" 25.8.12

RaumZeit. 

Wände, Böden und Decken erzeugen zusammen eine durchsichtige Raumskulptur. 
Einen Luftkörper dünner ist als der Stoffkörper. So dünn, dass er das Licht durchlässt das auf die dichteren Körper trifft und sie als getrennte Objekte zur Sichtbarkeit bringt. 

Ein Raumkörper ergibt sich, sinnlich erfahrbar, durch die Umgrenzungen.

Mein KörperSein ist Teil davon, nimmt daran teil, bewegt sich darin. Geschichtlich und unmittelbar.

Der Luft-Raum ist ein feinerer Körper in dem die dichteren Körper sich bewegen wie Fische im Wasser, und stehen können, gehalten von dem Sog der Schwerkraft aus dem Erdkern.

Der Raum nimmt auf und gibt frei. Du kannst kommen und gehen, er bleibt mit sich identisch.

Doch Raum ist nicht nur das was die Mauern umgrenzen, er ist auch Erinnerungsraum.
Nächstes Jahr ist er nur noch Erinnerungsraum.
Was wird frei wenn sich dieser Raum im Unbegrenzten auflöst?

Doch jetzt erleben diese alten Mauern noch einmal einen entstehenden Erwartungsraum. 
Sie freuen sich rissig.

Foto: A.B. 11.7.12 Laubach, Atelier "Im Löwen"

Das Licht wirkt, wie immer: frisch. Wir wissen ja: im Licht gibt es nichts Vergangenes, nichts Zukünftiges. Licht ist die pure Gegenwart. 

Licht ist die Grenze der Zeit. Und hinter der Grenze tanzt das große pulsierende Nichts im Festsaal des Löwen all die Tänze weiter die hier erträumt wurden.

Nein die Zeit ist nicht stehengeblieben, das ist so eine Redensart. Oder doch? 
Vielleicht ist sie doch stehengeblieben. 

Steht still und schaut sich aufmerksam um. 
Betrachtet alles genau, den Reigen der Dinge, die Äpfel und die Knospen, die Nacht und den Wind, die Kinder und die Alten. Das Glatte und das Gefurchte. 

Es würde mich nicht wundern, wenn die Zeit dann zu zeichnen anfinge, denn um zu zeichnen musst du stehen bleiben, ruhig sein, bevor sich die Bewegung durch dir ereignet. 


Foto: A.B. "Novalis-Buch" 1973, Laubach

Merkwürdig, dass dieses „Stehen-bleiben“ so einen schlechten Ruf hat, „Stand-Punkt“ aber wieder einen guten. 
Ich frage dich: wie soll ich mir einen „fortschrittlichen Standpunkt“ denken?


Abbruchhaus Museum

Ich stelle mir vor diese Ausstellung fände in einem jener großartigen Museen statt in der alles was dort drin ist unmittelbar zu Kunst mutiert, allein schon durch die Magie des Ortes. 

Was wäre anders: Völlig klar, das ginge gar nicht. Es sei denn man könnte das ganze Haus so wie es ist, mit der Installation im Festsaal dort aufbauen. Und das braucht es nicht, denn es findet ja schon hier statt, im temporären Museum Laubach.

Foto: A.B. Atelier "Im Löwen", Laubach 1983

Hier findet eine Umkehrung statt. Das wurde mir nach und nach klar. Denn ich bin es ja auch gewohnt und hab es gern, wenn die Bilder auf perfekte Wände kommen in einer gepflegten und repräsentativen Umgebung. 
Hier ist etwas anderes wirksam, eine seltene Möglichkeit zu begreifen und zu ergreifen. Es hat gedauert bis ich es erkannt und verstanden habe.

Die Kunst tritt hier, in diesem Umfeld, das mit allen Rissen signalisiert dass es nicht weitergeht, in einen seltsamen Kotrast. 
Üblich ist es dass die Kunst von der Umgebung geschützt wird, dass diese ihr Sicherheit gibt und ihr bestmögliche Entfaltung anstrebt.  Hier ist es anders. Hier spricht die Kunst in leiser Präsenz, unaufdringlich von der Kraft ihrer Dauer.

Ich habe den Eindruck, und das gibt mir die Kraft und Lust zu all dem Aufwand, dass sich die Kunst hier völlig frei entfaltet, in aller Sensibilität, Zartheit und Zerstörbarkeit. 
Dass sie sich als stabile sichere Kraft spüren lässt, so machtvoll, zuverlässig, gefährdet und zu zart, wie ein Löwenzahn auf dem Mittelstreifen der Autobahn. 





Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen", Laubach, 24.8.12


Die Kunst ist hier kein zu schützendes Biotop, sie ist der Ausdruck einer universellen schöpferischen Kraft durch den Menschen, die ihn zum Menschen macht.  

Die Kunst ist ein machtvolles Inneres, dessen Schale aufzubrechen beginnt, wie beim einem Ei.


Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen" 25.8.12 Laubach

Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen" 25.8.12 Laubach

Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 4, Ernst, oder: wies kam


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„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012




Foto: Roland Bauer, Ernst und Alfred mit Wenzel in Laubach 12. 7. 2012

Teil 4



Ernst



oder: wies kam



Vor drei Jahren erweiterte ich das KUNSTKLOSTER art research um ein Atelier in Berlin.

Eine Woche nach der Finssage meiner zweiten Ausstellung in Berlin „Strömende Ordnungen“ wird die Laubacher Ausstellung „Kunscht zwischen Kuhmist und Milchstraße“ eröffnet. Radikal ländlich. Weltprovinzmäßig. 

Seit ich in Berlin bin weiß ich sicher: Provinz ist heute kein Ort auf der Landkarte mehr, sondern ein Zustand im Kopf. 



Zudem: wo gibt es Neues das nicht aus dem Alten käme? Schau doch nur die alten Apfelbäume im Frühling an. 
Fortschritt heißt nicht nur weggehen, sondern auch, bereichert mit neuer Einsichten, wieder hinzuschreiten. 
Zu diese erneuten Hin-wendung inspirierte mich Ernst Mantel. 
Seit 14 Jahren lebt er mit seiner Familie in Laubach und unterhält mit seiner Frau Irene sein intelligentes Kabarett „Schwäbisch International“ in „Käsers Stall“. 
Er ist für mich das Neue an Laubach, denn damals war ich der einzige Künstler weit und breit. 

Seit einiger Zeit treffen wir uns zu Spaziergängen und nehmen Hund Wenzel mit. Da entsteht manche Idee und diese hier, eine Ausstellung zu machen nach 41 Jahren, wird nun realisiert.  Erst hatten wir nur vor in „Käsers Stall“ Bilder zu zeigen, dann wurde das leerstehende Nachbarhaus, in dem mein Atelier war, mit einbezogen.  
Kulturamtsleiterin
Sigi und Hans Köngeter, die Eigentümer, waren gleich damit einverstanden. 
Dazu kam noch grünes Licht von der Gemeinde Abtsgmünd und die kompetente Unterstützung und Begleitung durch 
Judith Bildhauer. 



Foto: A.B. Ernst Mantel und Judith Bildhauer vor Bilderwand, 22.8.12, Laubach

So wurde aus einem kleinen Projekt ein großes, umfassendes und für mich hochspannendes. 

Es ist eine Herausforderung dort noch einmal so intensiv hin zu gehen, wovon mein künstlerisches Wirken und Werken ausging und dem, aus einer andern Sicht heraus zu begegnen was geworden ist: Geschichte. 


A.B. "Sehen" 1978, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm

Dass ich meine Kunst in einer weltpolitisch friedlichen Zeitzone so entfalten konnte ist mir dankbar als etwas selten Kostbares bewusst. Solche Chance hatte die Generation vor uns nicht. 
Auch verdanke ich diese Entwicklung der Unterstützung naher Freunde, die es mir erlauben meine Kunst nicht vorrangig als Ware produzieren zu müssen, deren Wert vom Marktgesetz: Angebot-Nachfrage bestimmt wird. 

Mein „Produkt“ ist wesentlich als Bewusstseins- und Wahrnehmungsarbeit zu verstehen, deren Wert ein atmosphärischer und energetischer ist. Er kann ebensowenig gemessen und statistisch erfasst werden kann wie ein verhindertes Unglück. 

Dass eine solche Arbeit als Luxus mit Sahnehäubchen verstanden wird ist ein Skandal! Oder wenigstens ein Skandälchen.



Foto: A.B "Gasthaus Löwen", 31.7.12. Laubach




Foto: A.B. Wegweiser vom Atelier aus, 31. 7. 12, Laubach



In „Käsers Stall“, werden 7 Bilder zu sehen sein. Ernst und ich werden zudem öffentlich zwei gefahrvolle Erkundungen in Deutungsdschungel der Kunst wagen. Middisage 16.9. 11 Uhr, und Finissage 23.9. 11 Uhr.

 Die Ausstellungsinstallation mit Werken aus eigenen Beständen und Leihgaben im abbruchbereiten Festsaal des Löwen ist direkt gegenüber.


Foto: Roland Bauer, A.B. und Ernst Mantel im leeren Saal des Löwen, Laubach, 12.7.12


Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 3


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„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012

Teil 3



A.B. "Blütenbaum" Aquarelle auf Packpapier, 1972, 40x50 cm

Aussenbilder

Zu den Schlüsselerlebnissen 1972 gehörte das Zeichnen des Blütenbaumes vor dem Häuschen. 
Ihn gibt es heute noch und ich habe einen Apfel mitgenommen und auf den Tisch gelegt.


Foto: A.B. Atelier im Löwen 2012


Schlüsselerlebnis deshalb, weil mir die Natur erstmals nicht nur Motiv zum malen war, sondern Öffnung. 

Die Apfelblüten, allesamt Fünfsterne, summierten sich zu Sternenhaufen die auf dem dunklen Grund tanzten. 
In geordneten und zugleich freien Schwärmen kamen sie wie Zugvögel daher. Der Stamm und die Äste, in ihrer Architektur, ihrer Statik und Geometrie, ihrer Balance und Ausfaltung im Raum wurden zur Innenansicht des Gehirns der Natur das mit meinem unmittelbar Kontakt hatte. 

Ich sah die Natur erstmals von Innen. Nicht als Objekt, sondern als Wesen. 

Ein Wesen das kommuniziert, ein Wesen dem ich zugehöre. Was solche Erlebnisse bewirken lässt sich kaum sagen. Jedenfalls wurde diese schlichte Zeichnung auf altem Tonpapier zu einem Schlüssel zu einem völlig neuen Wahrnehmungsraum. 

Die sichtbare Natur zeigte sich als Manifestation des Lichtes und der Erde. 
Das hat sich seither noch gesteigert. 
Ich kann keinen Apfel mehr anschauen ohne in ihm die nährende Erde selbst zu sehen - als rote Fruchtgestalt. 

Außenbilder wurden Innenbilder. Die Natur wurde zum Symbol und Ausdruck des Unsichtbaren.



A.B. "Apfelbaum", Farbstift auf Papier, 1982, 100x150 cm




Dass eine solche Begeisterung von Natur als romantisch weltfremd eingestuft wurde, oder noch schärfer als braune nationalsozialistische Naturverklärung, oder doch wenigstens als kunstgeschichtlich anachronistisch, das habe ich verwundert alsbald von Kritikern um die Löffel bekommen. 

Dieser Blütenbaum hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Galerie "Amto" in Frankfurt wegen seiner Schönheit mache provoziert. Andere waren positiv berührt. Kitsch sei das und gefährlich idealisiert, wurde ich belehrt. Die Natur sei nicht schön, sondern grausam. Das sei schöner Schein, Augenwischerei, eine verkaufsstrategische Anmanche etc. 
So kann man das auch sehen, gewiss. Doch dann sieht man nicht das was ist.

Es dämmerte mir auch nach und nach, dass andere hohe Werte wie: Ideal, Natur, Schönheit missbraucht. und deshalb geächtet und sogar selbst verdächtigt wurden die Urheber der Verfehlung zu sein. 

Ein ziemlich altes und hochaktuelles Thema, der unschuldigen Erscheinung des Schönen die Zeichen des Teufels auf die Stirn zu tätowieren oder ihr eine Burka überzustülpen. 

Als eine Nebenwirkung ergab es sich dann, diesen nährenden, in unserem Kulturkontext missbrauchten Werte, von ihrer Fremdbeschmutzung  zu reinigen. Das war und ist manchmal so heikel wie Bomben entschärfen.

Auch das komplexe Thema von Verführung, Schein und Wirklichkeit öffnete sich hier. 

Um mich vor den externen und internen Tribunalen der Kunstgeschichte und der tradieren Vorurteile verständlich machen zu können, begann ich, parallel zum malen, intensiv zu schreiben. Das wurde mir wiederum anderherum vorgehalten, denn Bilder dürfe man nicht erklären! Maler haben das aus zudrücken was nicht in Worte gefasst werden könne. 
Als gäbe es keine Wortbilder, und als würden Bilder nicht Worte und Deutungen in Turbogeschwindigkeit erzeugen. Damit ist die Berufsgruppe der Kritiker und Kunstdeuter beschäftigt.


Maler haben dumm und geil zu sein, wurde mir gesagt. Das Wort (kein Bild!) stamme von dem großen Maler Lovis Corinth. Warum es allerdings so wenig gute Maler gibt bei dieser Dichte von Dummheit und Geilheit bleibt mir ein Rätsel. 



Doch letztlich wurde auch die entfernteste Kritik wertvoll, da sich mich zwang zwischen Beleidigtsein, Verhärtung und Anpassung einen Weg zu finden oder einen zu schaffen. 

Alles diente zugleich der Introspektion und warf Licht auf das  Dunkel der eigenen Strukturen.



Foto A.B. "Äplbaum", Laubach 2012


die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 2


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„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012

Teil 2

Das Sternenhäuschen


A.B. "im Weckglas" Aquarell und Pastell auf Papier, 1973, 30 x 21 cm


In Laubach malte und zeichnete ich im Häuschen von morgens bis nachts. Lauschend. 
Es gab kein Telefon, lediglich ein altes Radio mit Rauschempfang. 

Da hörte ich die Hühner gackern und scharren. Schaute auch hin. 
Immer dort wo eine Henne ein Korn zu entdecken meinte und laut gackernd ihr Geheimnis preisgab, flatterten alle panisch dahin um nichts zu versäumen.
 Schnäppchenjäger sollte solches später dann heißen. 
Der Hahn auf dem Misthaufen verkündete täglich mehrmals seine krähenden Ansprachen an die Welt. 
Seine Sprache ist international verständlich. 

Überhaupt: Natur ist universell. Der Grashalm vor der Tür hat nahe Verwandte auch in China. 

Das tiefe warme Muhen der Kühe, wenn sie von der Weide kamen oder dorthin getrieben wurden wirkte wie Milch mit Honig für die Ohren. Das klang später in Indien nicht viel anders. 

Zu den akustischen Anregungen beim malen gehörte auch der Dackel Peggy, ein Hahnverbeller.  
Auch die Gänse hassten ihn innig. Sie schlugen ihn gellend in die Flucht wenn er allzu aufdringlich wurde. 
Es war immer was los.

Bei offenem Fenster, an den Abenden der wärmenden Jahreszeiten, wenn die große Stille den Raum eroberte, hörte ich dem plätschernden Laubach zu und bei hohem Wasserstand seinem Rauschen.
In klaren Nächten, bei langen meist langsamen Spaziergängen im Leintal, blinkten die Sterne im Fluss. 

Da stand ich auf der Brücke, schaute nach unten ins Dunkelwasser der Lein und sah den strömenden Sternenhimmel fließen. 

Dann war die vertikale Verbindung hergestellt und bei der Rückkehr verwandelte sich das kleinräumige Häuschen mit seinem Arbeitsplatz in ein vasenähnliches Gefäß das sich in den unbegrenzten Sternenraum weitete und nach unten, wie ein Brunnen, in die Tiefen des Menschseins reichte. 

Daraus speisten sich die Anregungen und Inspirationen für das was ich dort tat und wofür es den Arbeits-Begriff „Kunst“ gibt. 

Oft genug auch verwirbelt von den Turbulenzen im Gefäß. Doch es ging immer ums Eingemachte.


"Häuschen", Modell Renate Bast, 1973

Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 1



Foto: A.B. Laubach 1971


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zur Ausstellung:

„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012 in Abtsgmünd-Laubach

Erster Teil

Wieder nach Laubach hin

In der Zeit zwischen 1971 und 1986 war Laubach Entwicklunglabor und Basisstation für mich. 
Künstlerisch, persönlich und orthographisch. 

Hier war mein Studienplatz als Student. Von hier aus unternahm ich Reisen in andere Städte, Länder und fremde Kulturen. Vor allem aber Reisen - vor Ort - nach Innen.
Von heute aus gesehen waren das Reisen durch die verwirrenden Labyrinthe vorgeprägter Denkmuster, durch den Urwald emotionaler Wildnis, und weiter hinab in die Stammzellen des grade noch Erkennbaren. 

Hinab - oder hinaus - der Innenraum weitete sich grenzenlos,  zu den unerforschlichen Gründen unbewusster Bereiche und Kräfte wohin etwas Wahrnehmung sickerte und von dort als Symbole wieder auftauchte, angereichert mit Bruchstücken universeller Gesetzmäßigkeiten, die Sein und Werden bestimmen. 

Begleitet von  Ahnungen mächtiger Archetypen, die das wahrnehmende Ich als winzigen schwimmenden Korken auf dem einem wilden und unergründlich tiefen Ozean erscheinen ließen. 

Hier studierte und zeichnete ich alte Weltbilder in Bücher. Welt- und Selbst-Bilder. Machte Entwürfe um das Fassungslose zu fassen. Immer wieder neu. Immer wieder gültig, doch nie endgültig.


Foto: A.B. Werkbuch Nr 3. 1972, Weltbilder

Samstag, 25. August 2012

Die Sprache der Dinge


Liebe Freunde und Interessenten von Kunst und Spiel,

statt draussen in Schwimmbädern, Seen und Meeren
können wir jetzt wieder mehr drinnen, an unseren Bildschirmen in Informationsfluten baden.

Hier mein aktueller Beitrag dazu.
Ein weiterer, Vorwarnung! (bzw. Vorankündigung) folgt in Kürze zur Ausstellung in Laubach.


Am  Sonntag, den 2. September 15 Uhr geht meine Ausstellung "Strömende Ordnungen" 
in der citè-galerie in Berlin mit einer nonverbalen Spielperformance zu Ende.


„Die Kunst der Wahrnehmung, oder Sprache der Dinge“ 

Jedes Ding, ob natürlich oder artifiziell, ist das Ergebnis von zahlreichen Entscheidungen und komplexen Prozessen.
In einem Schneckenhaus wirbelt die Galaxie mit Milliarden von Sternen und in einer Glühbirne steckt die Erfinderintelligenz von Generationen.
Wir erleben die Dinge in ihrem gewohnten Kontext eingebettet. Sie schlafen darin.
Isoliert davon werden sie plötzlich wach und beredt - wortlos dinglich.

zum Beispiel:

Legen wir neben das Ei eine Feder und betrachten auf unserem innern Assoziationsbildschirm welche Deutungen, welche Stimmungen dazu auftauchen ...






... dann, nach einer Weile tauschen wir die Feder mit dem Löffel, 




... und diesen dann mit dem Hammer aus.




Das Ei bleibt sich immer gleich und doch wird es durch den jeweils anderen Partner etwas völlig anders.

Sofort ergibt sich durch die Paarkonstellation ein Drittes das beide Elemente umhüllt und bestimmt.
Die einfachen Dinge auf dem Tisch werden zu Protagonisten eines hochkomplexen Kommunikationsgeschehens.

Diesen unsichtbaren Wirkungskräften und der intuitiven Wahrnehmung gilt, 
in diesem nonverbalen interaktiven Spiels, das zwischen 45 und 90 Minuten dauert, die Aufmerksamkeit. 




Du bist, Sie sind herzlich eingeladen.
Der Eintritt ist frei.

Mit herzlichen Grüßen

Alfred Bast
KUNST KLOSTER art research

Peter Voßwinkel
cité galerie

cité galerie 12103 Berlin Alt-Tempelhof 28

Sonntag 2. September 15 Uhr

Montag, 20. August 2012

Die Signatur der Sphären


Hartmut Warm, Venus-Erde-Sonne







Alfred Bast, "Variation eines unendlichen Themas, 1975





Hartmut Warm

Schönheit und Harmonie im Sonnensystem

Die Signatur der Sphären

Berlin



Hartmut Warm hielt am Sonntag, in Berlin in meiner Ausstellung "strömende Ordnungen", in der Cite Galerie, einen Vortrag über die "Signatur der Sphären".

Welche Spuren die Planten in der Raum zeichnen, wie sie miteinander in tanzender Beziehung und Wechselwirkung stehen und welche Figuren sie in ihre kosmischen Teppiche weben, das macht mich immer wieder sprachlos Staunen. Und zugleich lächeln die Blümchen an der Straße mir ihr offenbares Geheimnis ins Gesicht, denn sie sind augenscheinlich die materialsierten Antworten der Erde auf den Tanz der Planten.

Vielleicht gelingt es Hartmut Warm im November nach Schwäbisch Gmünd einzuladen. Dort werde ich eine Ausstellung in den Sabine Widmann Studios veranstalten.

Das erste Bild zeigt die Zeichnung die Venus-Erde-Sonne im kosmischen Raum erzeugen.
Das zweite Bild ist eine Arbeit aus den 70ern, die auch in der Ausstellung in Laubach
(Kunscht zwischen Kuhmist und Milchstraße, die Laubacher Phase 1971-86)  zu sehen sein wird, an der ich derzeit arbeite.

Näheres dazu in Kürze.

Geschrieben in Berlin bei Morgensonne und Müllabfuhrgeräuschen, Signaturen der Stadt.