Donnerstag, 26. Januar 2012

Seminar "Wachstum"


Seminar „WACHSTUM“


Experiment: „Mobiles Denken - EIN GANZER TAG FÜR EIN WORT“

Veranstalterin und Konzept:

Marion Alemeier


Referent (Experte): Alfred Bast


Sonntag 5. Februar

Im Lichtturm in Solingen



Infos und Kontakt:

Marion Alemeier

www.im-wesentlichen-haare.de

www.lichtturm-solingen.de

Dienstag, 10. Januar 2012

Wintersonnwende 2011-2012 siebzehter Tag/Nacht

Mutter der Farben.


Technik: Ölfarbe, Holzkohle auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm


6.1.2012

16 Uhr


Letzter Tag des Projektes.

Drei König. Die drei Könige aus dem Morgenlande besuchen das Jesuskind. Ende der Rauhnächte, der Heiligen Nächte. Jetzt hat die Sonne, das leuchtende Himmelsschiff, seinen Kurs wieder aufgenommen. Es läuft langsam aus dem Winter -Hafen Richtung Sommer. Es hat in der Nacht geschneit. Alles ist weiß. Der gestrige Sturm hat Schnee gebracht. Schnee. Nochmals Feuer im Ofen. Zünde in dieser dunklen Morgenstunde die Honigwachskerze an. Finale.


Später: Ja. Finale.

Der heutige Malprozess hatte es in sich. Manchmal sagen Besuche,r dass es bei mir nicht aussieht wie bei einem Künstler. Es sei so „ordentlich“. Künstler sind nicht „ordentlich“. Stimmt, sage ich, Ordnung ist nur die schönste Form von meinem Chaos.

Heut sah mein Atelier aus wie bei einem Künstler. Farbentuben offen. Farben ausgedrückt auf Glasscheiben. Ölfarben. Bin im Atelier, im „Kreativreaktor“ hochsensibel. Bilder kann ich mir vorstellen. Doch was mich interessiert ist, auf der Basis dieser Vorstellungen in die Realisation zu gehen und dann für die Impulse gegenwärtig zu sein, die unmittelbar ins Material, in die Materialisation hinein kommen. Nicht vorstellbar, nicht ausdenkbar: spontan. Das ist wie eine Treppe. Eine Stufe nach der andern.


Die Vorstellung: das Bild von gestern verdichten. Farbige Schichten. Passt gut. Also los. Doch dann der Sprung auf die nächste Treppe. Ich wählte spontan Ölfarben, oder sie mich, statt wie bisher Acryl. Große Tuben. Drückte dicke Farbenwürste auf die Glasplatte. Das ist hochappetitlich und die Lust zu malen wiehert im Stall. Der beratende Programmierer, der jede veränderte Situation hochelastisch einzubauen sucht, hat gleich Vorschläge wie ich vorgehen könnte. Ich nehme mit breiter Spachtel verschiedenen Farben auf. Dann eine rasche Bewegung über den Karton. Es ist nicht kontrollierbar, die Bewegung soll rascher sein als die Kontrolle, aber nicht blind und hektisch, sondern inspiriert. Doch da kannst Du nur bereit sein. Inspiration kannst du nicht programmieren. So entsteht das erste Bild. Bin nach langem Ringen frustriert vom Ergebnis. Mache weitere Versuche. Der Programmierer liefert neue Vorgehensmethoden, auch Ideen. Die sind nicht schlecht. Ich will aber keine Idee malen, sondern ein Bild. Ich möchte, an diesem letzten Tag nicht nur eine Idee, sondern auch einen Körper, ich möchte ein Bild das sich verkörpert!

Ein Ganzes, in dem Geist, Herz und Körper atmen.


So male ich mich die Treppe hoch. Sie wird immer steiler. Male 6 Bilder und keines ist es. Das letzte allerdings wurde annähernd ein farbiger Uterus, ein saftiges Farb-Chaos. Ich malte mit der Spachtel und den Grundfarben. Also gut. Damit bin ich aus Erschöpfung einverstanden. Dann musste ich raus. Spazieren in der einsamen Schneelandschaft. „Mal doch eine Landschaft - Schneelandschaft, das passt zum letzten Tag, damit gehst du von der Innerlichkeit wieder nach außen“ schlug der Programmierer vor, der auch langsam heiß läuft. Nicht ganz schlecht dieser Vorschlag. Es tauchen noch zwei andere Ideen auf. Und dann jene Idee mit dem erhoffen Bild im Rucksack. Ich weiß sofort: das ist es. Es ist ganz einfach. Ich drehe das letzte Bild, den Farbuterus, um! Die Rückseite, die leere Fläche ist vorn. Offen für alles was kommen möchte. Der Grund ist bereit. Doch es ist kein Bild, sondern eine gute Idee.

In die farbigen Bilder davor malte ich immer wieder ein stilles Gesicht in die Farbmassen. Christus? Bloß keine flache Illustration des Unfasslichen, warnt zurecht das Tribunal! Aber ein stilles Gesicht stimmt. Ein stilles Gesicht auf die Rückseite des Farbuterus! Das wars. Die Idee rief das Bild hervor. Das geht. Das ist es.

Ich zeichnete mit Kohle das Gesicht. War unter Strom und wollte die Stille zeichnen. Es gelang nicht. Doch ich machte weiter. Dadurch wurde ich langsam still. Es war ein zeichnerischer Weg den ich lange nicht ging. Der Weg war mühsam und dornig und steil. Ich wollte schon aufgeben, und doch den Farbuterus als letztes Bild akzeptieren, das stille Gesicht dann auf dessen Rückseite lassen. Doch ich könnte es nur auf der Rückseite lassen, wenn ich damit einverstanden wäre. So zeichnete ich weiter. Mit Finger und Kohle. Es kam mir das Gesicht entgegen und ich mochte es so lassen. War ruhig. Froh. Da sah ich auf der linken Seite des Portraits kleine gelbe Farbflecke. Sie wirkten wie Gold. Sie störten nicht. Im Gegenteil. Wieder inspirierte mich ein spontaner Impuls. Nahm Farbe mit einer durchsichtigen Folie von den misslungen Bildern ab und tupfte sie behutsam neben das Portrait, ohne zu wissen worauf das hinausläuft. Ich schaute es an und schrie innerlich! „Jetzt ist es kaputt!!“ Etwas brach zusammen. Ich konnte nicht mehr! Das Bild stimmte dem aber nicht zu. So malte ich behutsam weiter und weiter, mit feinem Pinsel. Nahm die Farben von andern Bilder ab, die sich später dem Feuer gab, sodass auch diese Impulse integriert wurden, und wusste: jetzt bist du da wo du hinwolltest,die Treppe ist zu Ende. Du bist angekommen. Das malen geschah leicht und mit Freude. Die Farben reihten sich um ein Oval, ein Ei, die Form eines Schädels von oben. Was der Programmierer vorschlug erfüllte sich, jedoch überraschend anders. Ich malte nicht mehr auf ein Bild zu, sondern von diesem her . Was für ein Gesicht ist das? Meine Mutter!? Die Mutter der Farben.

Wintersonnwende 2011-2012 sechzehnter Tag/Nacht

Freigesetzt.

Frei Gesetz.



Technik: Acrylfarbe, Tusche, auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm

5.1.2012

22 Uhr


Sturm heute. Orkan.


Die Bilder tauchen auf. Sie tauchen auf wie Boten, und ich folge ihnen, indem ich sie realisiere. Auf dem Weg dorthin zeigt sich vieles was unbekannt und ungekannt ist, doch zeigen sich auch bekannte, vertraute Aspekte aus früheren Arbeitsepochen.


In meinem ersten Bericht für die Studienstiftung, 1974, schrieb ich, dass es mir darum ginge an einer neuen Bildsprache zu arbeiten, in der gegensätzliche Stilmittel wie verschiedenen Instrumente zusammenwirken, die zugleich Ausdruck der Komplexität des Menschen sind, und dadurch ebenfalls wieder in vielschichtige, anregende Resonanz und Wechselwirkung zu treten vermögen.

„Komplexität“ ist ein Begriff, der auf eine Einheit, auf ein Ganzes verweist. Etwas das aus vielen Elementen und Kräften besteht, und doch mehr ist wie die Summe seiner Teile. Ja die Teile erhalten erst durch das Ganze ihren Sinn, ihre Funktion und ihre Form.

Komplexität erscheint solange kompliziert, wirr, oder chaotisch, solange die Ordnung darin nicht entdeckt ist.


Komplexe Ausdrucksweisen in meiner Kunst, und speziell in dieser Reihe, basieren deshalb auf der Gewissheit eines noch ungesehenen Ganzen, das als treibende und ziehende Zielkraft sich in diesem Falle in 17 verschiedenen Tafeln entfaltet. Das heißt: diese 17 Tafeln sind eine. Sie gehören zusammen wie die Ziffern auf einer Uhr.

Fast Tafel ist ein Prototyp geworden, von dem wiederum neue Reihungen und Serien ausgehen können.


Es ist wohl zu erwarten, dass fast alle die die Bilder anschauen werden rasch ihre Favoriten wählen, um mit der Komplexität „fertig“ zu werden. Das ist normal. Ich erwarte nur von wenigen, dass sie die ganze Reihe aufnehmen wollen und können, weil sie den Impuls dahinter erkennen.



In der heutigen Arbeit, im Anschluss an den dunklen Schwanensee, ergab sich eine neue Arbeitsweise. Die Farbe in ihrer freigesetzten Offenheit brauchte ein größeres Format. Freie Bewegung nach der exakten Bildformel am gestrigen Tag. Der Schwan fliegt ins Offene?!

Ich fand einen langen Kartonstreifen in meinem Abstellraum (langsam geht mir das Material aus!) auf das 5 meiner Formate passten und malte mit Spachtel, Rolle, Pinsel, Spritzflasche drauflos. Drauf und Los. Sogar umgekehrt: erst los und dann drauf, mit den Spritzflaschen, die aus alten Materialbeständen zu jugem frischem Einsatz kamen.

Drauf-los und Los-drauf , denn ich wollte keine gesteuerte Bewegung ausführen, sondern wollte, dass „es“ auf neue Weise geschieht.

Das ist natürlich immer so eine Sache: „Ich-will-dass-ich-nicht-will“.

Es ist eben der Zustand im Atelier.

Das Gelingen von Gestern ist das Hindernis von Heute.


Ein schmaler Grad, ein Seiltanz,

zwischen dem Wind der Euphorie freien Malens

und dem Hohngelächter des inneren Tribunals,

das kommentierend alle bekannten Künstler der Geschichte ins Geschehen ruft, die das vor mir und viel besser gemacht hätten.

Ruhig bleiben. Nicht reagieren, den Schreiern nicht das Maul stopfen und rufen: Eure Stars haben ihr Licht auch von ihren Vorgängern gestohlen, außerdem bilde ich mir ja nicht ein hier das Rad neu zu erfinden, ich rolle damit lediglich in eine Richtung die ihr noch nicht kennt...ruhig bleiben...nicht reagieren...runterschlucken die Worte...Sammlung...Konzentration auf die Luft....die Luft ist das Medium...Schritt für Schritt weitergehen. Balance halten.


Dann erst: der Flug.

Nach dem Malvorgang der mit vielen Pausen und Schichten verlief, riss ich die fünf Quadrate zurecht und nahm das erste Beste. Der Zufall durfte heute Regie führen.

Das Bild: ein Ausschnitt einer großen Bewegung, deren andere Teile nicht sichtbar, aber existent sind.

Wintersonnwende 2011-2012 fünfzehnter Tag/Nacht

Schwanensee.

Schwarz.

Die dunkle Seite des Lichts.

Sechs

Stern gibt den Würfel frei.


Technik: Acryl- Aquarell, Farbstifte, Blattgold, Lack, auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm



4.1.2012

21 Uhr


Ich las „zufällig“ (oder auch nicht zufällig, sondern von „Suchern“ entdeckt die beauftragt sind im Unbewussten auf Pirsch gehen, nach gültigen Lösungen) gestern in einem Buch von Margarete Bruns „ Das Rätsel Farbe - Materie und Mythos“, und schlug den hochinteressanten Beitrat zum „Schwarz“ auf. Das traf ins Schwarze und ich wusste dass das nächste Bild Schwarz sein müsste.

Nur noch nicht wie.

Schwarz.

Natürlich.

Nochmals die erweiternde Entfaltung des Themas des 13. Bildes mit seinem schwarz-weißen Postulat. Erweitert um den Formaspekt der nun wieder auftritt. Freigegeben durch den Sechs-Stern, den Zwölf-Stern, den Zeit-Ryhthmiker, die Lebensblume, dieses offenbare Wunder, bekannt seit alters her, immer schon von einer Intelligenz und lebensspendenden Ordnung zeugend die überragend ist und den Menschen lehrt und erinnert nicht mit seinem Wachstum aufzuhören, in dem auch der Tod eine Stufe ist, bis möglicherweise auch der Tod selber stirbt.


Schwarze Materie. Die dunkle Seite des Lichts und der Kreis der sich mit sich selber zu teilen weiß und Leben hervorbringt in Blumengestalt.


Der Fünfstern an Weihnachten wird hier zum Sechsstern, der damit einen neunen Zyklus eröffnet. Der Fünfstern hat die Proportionen des Goldenen Schnittes in sich, der Sechsstern die der Symmetrie. Aus diesen beiden Proportionen und aus dem dem Kreis und der Geraden die sich durch die Teilungen ergibt, ist alles Sichtbare gebildet. Wirklich alles.


In der Mitte des Sechssterns taucht der Würfel auf. Er ist darin enthalten, geboren, er tritt als dritte Dimension heraus aus der Fläche. Form entsteht, begleitet von den 12 Punkten des schöpferischen Kreises, der sich als Farbkreis gestaltet.


Die Geburt der Materie, der dritten Dimension aus der Fläche. Transformiert, da sie durch den Tod ging.


Es war auch folgerichtig dass dann der Grund, der braune erdfarbene Grund, zum ersten Mal in der Bilder-Reihe als konkrete Figur auf schwarzem Grund erscheint. Er war nun nicht mehr nur Träger-Grund sondern Beginn.

Die zwölf Punkte sind Einstiche die durch den ganzen Karton gehen. Sind Tore für die Farben, sind mit 12 Farben ausgefüllt und zeigen den Farbkreis an. Den großen Kreis der Stimmungen. Dass der einfach gemalte Schwan dann noch kommen musste - auch eine Überraschung.

Eine erfreuliche, auch wenn er die Symmetrie stört, oder grade deshalb.

Es ist ein Pärchen. Den schwarzen Schwan siehst du nicht, deshalb muss ich es sagen.


Der Würfel ist bei den platonischen Körper der dritte und er steht für: Erde.


In der indischen Plastik gilt der Würfel als die Urform auf die alles zurückgeht. Alles Skulpturen beginnen mit der Einteilung in Würfel.

Das Universum ist ein Würfel in dessen Mitte die Göttin tanzt.


Jetzt gebe ich doch noch einen Würfelzucker in den Tee.

Wintersonnwende 2011-2012 vierzehnter Tag/Nacht

Tanzender Plan.


Technik: Acryl- und Spachtelmasse auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm




3.1.2012


18 Uhr


Aus der Substanz aufgelöster Formen

Aus reiner Energie und Bewegung

Schreiben sich neue Rhythmen und Muster

Aus tanzenden Ordnungen

Auf den leeren Grund.


Frei ist von Eigenschaften und Erinnerung.



Freude - willkommen.

Wintersonnwende 2011-2012 dreizehnter Tag/Nacht

Seit dem 9. Tag zeigen die Bilder zunehmend ihre innere Choreografie.


Technik: Silberstift, Bleistift, Aquarell, Acryl, Blattgold auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm


2.1.2012


17 Uhr


Das Kommende geht aus dem vorhergegangenen hervor.

Es bezieht sich darauf, schreibt es fort und stellt die davor entstanden Bilder in einen inneren Zusammenhang. Als gäbe es eine klare, mir noch unerkannte Logik im Ablauf, die erst durch die nächsten Schritte erkennbar wird.


Die Träume der Nacht sind zwar noch stark, doch das Bildgeschehen hat seitdem eine noch stärke Wirkung. Die Gedanken laufen nicht mehr parallel zum Bildprozess, sondern klinken sich sein, koppeln sich an, wirken unmittelbar zurück, als neue Bildimpulse und Findungen.

Ich war sehr gespannt was nach dem Gold-Kreuz-Bild noch kommen könnte.

War am Ende. Wollte auch nicht um jeden Preis das Projekt fortsetzen, nur damit der Konsequenz Genüge getan wäre. Der Anfang ist auf der Rückseite des Endes.

Es erschien, aus manchen vorangehenden Erlebnissen mit meinem Sohn, der letzten Tage einfließend, in der morgendlichen Stille vor dem Feuer, in der ich nach dem richtigen Bild im inneren Bildersee angelte, das Weiß und der Tod als Paar. Der Totenkopf mit schwarzem Schatten auf rein weißem Grund über dem Kartongrund. Weiß-schwarz. Nach dem Gold. Reinheit/Tod. Auflösung der Form in Energie. Substanz-Feuer-Asche-freigesetzte Gefühls- und Erinnerungsenergie. Anfang und Ende zusammen.

Überraschend und stimmig trat es auf dieses komplementärste der Paare. Schwarz-Weiß. Positiv-Negativ. Entweder-Oder. Ja-Nein.

Den schönen RaumKörper malte ich, in illusionistischer Malweise und nach oben ins Weiß hin offen. Der Schädel selbst formt ein Licht-Ei. Die Leere des Weiß bekommt hier eine neue Qualität und wandelt sich zum Licht. Illusionistische Malweise, das stimmt. Der Tod ist die realste Illusion die wir kennen. Mit dem Silberstift diese mondhafte Mysterium anzulegen stimmte ebenfalls.


Ich male hier den Tod als Teil des Lebens, nicht die grausame Erfindung der Menschen die mit diesem natürlichen Aspekt des Lebens fälschlicherweise gleichgesetzt wird: die Vernichtung. Die Nichtung aus begrenzter menschlicher Absicht und Einsicht. Ich male nicht den gewaltsamen Tod, der täglich über die Bildschirme aufgenommen wird wie eine unvermeidliche Selbstverständlichkeit, an die sie die Menschen gewöhnen als sei diese kollektiv trainierte und legitimierte Perversion, diese inszenierte Gewalt, etwas natürliches, oder evolutionär Unvermeidliches, ich meine hier jenen Tod, der Teil des Lebensprozesses ist. Der ein Übergang ist von Form in Energie, so wie die Geburt ein Übergang ist von Energie in Form. Ich meine den Tod der eine Geburt ist.


Wintersonnwende 2011-2012 zwölfter Tag/Nacht


Gold gebunden an der Grund

Gold-Grund.

Fünf und Zwölf.

Kreuz aus Quadraten


Technik: Blattgold auf gerissener Wellpappe, Einstiche / Format: 30 x 30 cm


1.1.2012


21 Uhr.

Der braune „billige“Grund des Kartons sollte sich mit dem Gold vollständig bedecken und zum Gold-Grund werden. Präsenz des Ewigen in der Zeit. Mein Trägermaterial ist billig, scheinbar ohne Wert, Verpackungsmaterial zum wegwerfen, und das 24 karätige reine Gold. Diese Spannung wollte ich erzeugen und installieren.


Das Gold sollte die umweltfreundliche braune Wellpappe, gewonnen aus Holz, in mehreren dünnen Schichten Papier, (durch hohe Ingenieurskunst zum stabilen Karton gefertigt), völlig überziehen mit Gold, eine Synthese bilden aus scheinbar wertlosen und höchstem Wert. Das versprach eine neue Basis. Einen Landeplatz für lichte Empfindungen des Herzens und, eine präparierte Projektionsfläche für Gedanken an der Schwelle zur Verwirklichung. Das könnte eine visuelle Qualität bekommen. Ein wirksames Placebo werden. Ritual.


Jedes Ritual lebt davon dasjenige innerlich real zu vollziehen was es symbolisch äußerlich ausführt. Malerische Handlung im KunstKloster ist offenes Spiel und präzises Ritual zugleich.

Dazu kleidete ich mich festlich.


Das Bindemittel, das das Blattgold aufnimmt, mit der Wirkung erotischer Anziehungskraft,das die Konsistenz und Farbe von Honig hat - den Mixton - musste ich dreimal auftragen mit jeweils mehren Stunden Trockenzeit, weil die Pappe die ersten Schichten absaugte. Dann aber war die erdbraune Fläche glänzend bereit zur Aufnahme des Edelsten.


Dann setzte ich in hoher Stimmung das erste Blättchen Gold, als würde ich einen Kandelaber in einer Gruppe meditierender Freunde anzünden. Nicht links oben beginnend, wie ich vorhatte, sondern überraschenderweise legte es die Hand in der Mitte.

Da ist ein Unterschied zum reinen Handwerk. Das reine Handwerk vollzieht möglichst präzise die überlegten Handlungen aus um ein bestimmtes Ziel damit zu erreichen. Wenn die Hand jedoch, im unmittelbaren Vollzug, freigegeben wird für das Unbestimmbare - die Intuition - wenn sie sozusagen im kleinen Finger immer einen wachen Sensor hat, der Ausschau hält noch musischer Anwesenheit im Moment des Tuns, dann geschieht so etwas.


Dann kann ich, in Abwandlung des Richterzitates sagen: „meine Hand-lung ist intelligenter als ich“. Gelingen kann das nur wenn du 100% bei der Sache bist. Lasche, halbherzige, oder spekulative Konzentration mögen oder können die hohen Musen nicht besuchen.

Das goldene Quadrat im Kartonquadrat machte sofort einen starken Eindruck. Ich unterbrach die vorbereitete Handlung und lies es lange wirken. Dann legte ich, immer noch auf dem Weg die gesamte Fläche mit Gold zu überkleiden, an die vier Seiten vier weitere Goldblättchen an. Fünf Quadrate, und das Kreuz trat machtvoll auf.

Es blieb dabei. Die ursprüngliche Vorstellung des Goldgrundes hatte nicht mehr die Kraft sich durchzusetzen und gab sich schließlich in die neue Figur. Es wäre eine reine Vollzugskonsequenz gewesen und kein aufnahmebereiter Prozess.

Ich entschloss mich, wieder nach längerem Abspüren, Punkte durch das Gold in den Grund zu stechen. Die 24 ersten bilden einen inneren Kreis. 2 x 12 ist in 2012. Und 2+0+1+2 sind 5. Zwölf und Fünf. Fünf die Zahl des Pentragramms, Zwölf die Zahl der Monate, der Jünger, der Tierkreiszeichen, des doppelten Sechsterns, der Stunden, der Uhr-Zeit. Fünf und Zwölf. Zusammen sind es 17. Eine Zahl die sich nicht teilen lässt.

Siebzehn Tage vom 21.12. Bis 6.1. 2012. Siebzehn Bilder/Texte werden entstanden sein.

Zahlenspiel. Deutungsoffen. Orakeltrunken. Das neue Jahr, was wird es bringen? Das ist die Zeit dafür. Für I Ging und Tarot. In einer großen Zeitung war auf der ersten Seite das Foto des Maya-Kalenders zu sehen, der mit dem 21. 12. 2012 endet und manche zur Weltuntergangslust stimuliert. Der Kommentator meinte dumm-arrogant und geschmacklos dazu: „wie sollte diese Volk, das nicht mal seinen eignen Untergang (Völkermord durch die Spanier) vorhersagen konnte, in der Lage sein das Ende der Welt zu wissen?“ Billiger Trost. Doch ich bin auch kein „Weltunergangsgläubiger“, auch wenn ich die Zeitrechnungen der Mayas faszinierend und bewundernswert finde.

Als Kinder sangen wir: „am 30sten Mai ist der Weltuntergang...“, den hatte eine religiöse Sekte prophezeit.

Geht nicht jeden Tag die Welt unter und wieder auf? Ist sie nicht mit dem Tode jedes Menschen, einer jeden lebenden Kreatur, ganz und gar untergegangen? Und ist nicht in allem Ende ein Anfang schon entworfen? Es sind doch jetzt schon die Knospenansätze an den Bäumen zu sehen. Endzeit ist die erste Stufe vor dem Anfang. Damit kann ich was anfangen.


Die reine Oberfläche des Goldes bekam durch die Einstich Poren durch die der Grund „atmen“ kann. In einem dritten Schritt, ebenfalls mit langen Wirkungspausen (das entspricht auch den drei Wartezeiten durch die Lagen des Mixtons), streute ich Goldstaub außerhalb aller geometrischen Berechenbarkeit über die noch griffige und aufnahmefähige Mixtonfläche.


Wie es nach diesem Bild weitergehen sollte ist mir ein Rätsel.

Wintersonnwende 2011-2012 elfter Tag/Nacht


Sylvester.

Nicht krachbunt.

Farbe verklingt einsam.


Technik: Acryl- Ölfarbe, Kreide, Blattgold auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm




31.12.2011



21 Uhr


Der braune Grund. Erdbraun. Tragend. Schwer.

Karton aus Holz gemacht. Flach.

Trägt nun den Apfel auf reichen Illusionsbaum der Fläche.

Der Apfel mit langem Schatten und Licht von links, (Vergangenheit). Reste von Karminrot darin.

Nein, ich sehe ihn nicht als Symbol für das Alte Jahr.

Er ist das alte Jahr. Und er hat die Kerne des neuen in sich.

Rhythmische Goldzeichen rechts unten.

Flächige Elemente auf der Fläche. Sie beziehen ihre Form aus dem Apfel.

Sind so verbunden.


Diese Goldzeichen, sind sie die Träume der Schrumpelformen im alten Apfels?

Träumt sich`s im gereiften Alter so nach dort darüber hinaus? Mit all den Kernen im Bauch des gelebten Lebens?

Wenn das so ist, dann passt das ja zu diesem Jahreswechseltag. Oder ist es dieser Tag der diesen Zusammenhang erzeugt?


Ein Gesicht erscheint unter dem Apfel in fast unsichtbare Spiegelung.

Noch eine Illusionsebene die mit der Fläche und dem Mal-Grund spielt. Die Fläche als Projektionsschirm.


Offene Illusionen die als solche betrachtet werden können sind keine. Sind keine Täuschungen, sondern wahrhaft Illusion. Spiel mit der Erscheinung, offen dem Unscheinbaren.


Jedes Bild entwickelt sich aus sich selbst.

Spult sich auf, blüht auf und reift bis zum Begriff, bis zum Begreifen,

das sich dann in Worte fügt.

Nicht die Worte sind zuerst, auch wenn du sie

zuerst liest und sie vergleichst mit dem was du siehst, bevor du das Bild selber länger betrachtet hast, sondern das Bild.


Doch wenn es stimmige Worte sind, dann stellen sie das Bild nicht „fest“,

Machen aus ihm keine Verkehrszeichen mit festgelegter und bei Strafe einzuhaltender Bedeutung,

sondern sie öffnen den Blick wieder zurück zum Bild.


Wintersonnwende 2011-2012 zehnter Tag/Nacht

Vertikales Türkis.

66 Einschläge in den Grund.

Gold.

Sonnenwirksamkeit im Herzen.


Technik: Acrylfarbe, Blattgold, 66 Einschläge, auf gerissener Wellpappe Format: 30 x 30 cm




30.12.2011


5.30 Traum


Zwei Männer. Attraktiv. Ich bin in einer Gruppe. Die beiden ließen Dinge schweben. Steine, Zuccinis. Sie sagten, dass man nur an seinen Engel glauben müsse, dann würde es klappen. Einige versuchten es vergeblich. Bei einer hat es halbwegs gelungen.

Dann fragten sie mich ob ich es nicht versuchen wollte. Ich suchte in mir nach dem Engel, und fand eine zuverlässige Kraft, dachte, wenn ich an diese glaubte dann wird es gelingen. Dennoch war ich noch vorsichtig distanziert. Ich nahm die Zuccinis. Da sah ich aus dem Augenwinkel, dass die beiden Zauberer sich abwandten und hämisch miteinander lachten, weil ich ihnen auf den Leim ging. Ich reagierte sofort, sagte ab, dass ich es doch nicht mache und gab die Zuccinis zurück. Dann zeichnete ich auf dunkles Papier eine gelbe Sonne. Einer der beiden kam mir sehr nah, er roch schlecht und nuschelte. Er meinte dass das wohl eine tolle Sache sei so zu zeichnen. Ja, das fand ich auch. Dann wandte er sich wieder ab. Je weiter er Abstand nahm, desto deutlicher sprach er und desto attraktiver wurde er auch wieder.


... Meine Arbeiten taugen wohl nicht zur „Monopolikunst“. Ich betrete mit dieser neuen Reihe den uralten stillen Bereich der Symbole und des Mysteriums von Sein und Werden den ich im Grunde ja nie verlassen habe und woher ich komme.



... Es scheint notwendig zu sein alle positiven Kräfte, alle weiterführenden Visionen und Vorstellungen die sowohl den Einzelnen als auch die Gesellschaft hilfreich fördern, in jedem Falle zu verwirklichen. Auch wenn diese Ziele scheinbar oder wirklich unerreichbar sind.

Warum?

Weil nur so die vorhandenen Waschstumskräfte in Menschen entfaltet werden können und zudem immer schon etwas von dem was werden könnte im ersten Schritt enthalten ist. Das Ziel ist schon im ersten Schritt glückhaft anwesend.


Wintersonnwende 2011-2012 neunter Tag/Nacht

Türkise Prinzessin.



Technik: Acrylfarbe und Kreide auf gerissener Wellpappe Format: 30 x 30 cm




29.12.2011



19 Uhr


Woher diese Prinzessin kommt weiß vielleicht Marie-Veronica, meine älteste Enkelin. Ich weiß es nicht.

Sie erschien, mit hoher Intensität in ihren Spiralaugen - pur - auf türkisem Grund. Sie wollte keine Farbe außer der weichen violetten Kreide, mit der ich sie portraitieren sollte.

Ein wenig weiß, minimal Gelb und am Schluss - wichtig! - den einen golden Punkt an der Spitze ihrer Krone, die ihre Welt, die sie mitbringt, mit Himmel und Vögeln,, herbeiführt ins Bild. Sie war nach meiner wirklich konzentrierten Arbeit nicht grade begeistert von ihrem Portrait und den viel zu geringen Andeutungen ihrer reichen Welt, lies es aber dann doch gelten.



Heute schrieb ich Seiten um Seiten. Alles Verdauungszeug. Wegwerftexte nenne ich das. Hier noch ein zusammengekehrter Rest.


...Lässig akzeptiertes Sulen im gesicherten Nichtwissen - in bester Gesellschaft. o.k.: Bodensatz, Sumpfgebiet. Das muss nicht an die Oberfläche dieses Blattes.

... bin heut verwirbelt, verstrubbelt, verwuschelt, verwickelt ... sehe nicht klar.


... gierig ausschweifende Lustlosigkeit,

... hektisch gestresste Langeweile,

... maßlos übersättigter Mangel,

das sind die Symptome meiner sinn- und geistlosen Existenz.


Ui, das sind ja saftige Worte! Es pumukelt offenbar in mir. Es koboldet. Es revoluzzert.

Lust auf Frust?

Gestern war ein disziplinierter Tag. Muss ich da nicht heute mal gegen den Strich bürsten?. Mal sehen was passiert. Aber ausgerechnet heute, wenn die Türkis-Prinzessin erscheint?


„Bau die Kathedrale!

Schimpft diese dann auch prompt ins wohlige Frustriertsein rein!

„ ... Lerne sprachgewandt zu schweigen!

Male! Malen ist eine schöne Form des mitteilsamen Schweigens...“


Diese Energie verblüffte mich bei ihrem kindlichen Anschein.

Ist sie eine nordische Verwandte von Kali?

Jedenfalls danke - für die Ehre der Zurechtweisung, und der rechten Weisung.


Wintersonnwende 2011-2012 achter Tag/Nacht


Kunstgeschichte häutet sich.

Märchen und Kinder leiten Wissenschaftler.


Technik: Acryl- und Ölfarbe, Kreide, auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm


Absichtlich absichtslos malen. Eine spezielle Übung.

Unkontrollierte Farbüberlagerungen planlos aus der Hand gemalt.

Im Vertrauen dass sie besser weiß was sie tut als ich es ihr planmäßig übermitteln könnte.

Wach der Blick, ob sich aus dem Chaos nicht neue Gestalt erhebt.


28.12.2011


4 Uhr morgens.

Bin vom Traum erwacht. Noch müde. Ich übe mich darin die Bilder zu behalten. Rufe sie mir immer wieder vor Augen. Ich weiß wie rasch sie verschwinden. Soll ich sie in mein Notizbuch schreiben? Ich entscheide mich aufzustehen und es gleich zu tippen.



Traum

Manches ging voraus.

Eine englische Landschaft. Ein Mann mit zwei Kindern, die Mutter war in einem kleinen Haus außerhalb des Dorfes. Der Mann führte etwas im Schilde, ich wußte nicht was. Dass er eine riesige Erdbeertorte machte wunderte mich. Mindestens 1,50 m im Durchmesser. Die ruhte dann rot und appetitlich in einer opulenten halb geschlossen Schüssel mit Rädern. Er meinte ich solle sie über die Straße befördern. Ich versuchte das, wußte aber dass das nicht meine Aufgabe war, dass der Mann mich benutzte. Für was? Oder ablenken wollte? Denn dann trat etwas völlig anderes ein, das mich ganz in Anspruch nahm. Ich sah in der Ferne einen großen straken Esel. Der war sehr schön und farbig und er galoppierte auf uns zu und kam in der Nähe zum Stehen, so als wollte er sich uns zeigen, doch nicht ängstigen. Er hatte eine Taube oder einen andern Vogel im Maul. Den fraß er. Dann richtete der Esel sich auf. Seine Gestalt wandelte sich. Er hatte nun selber Flügel, die waren angelegt. Und Arme, mit denen nahm er die Eselsmaske ab. Ein zeitloses Männergesicht erschien. „ER IST GEKOMMEN - ER IST GEKOMMEN - er ist da!!“ rief es, rief ich laut und euphorisch.

...Wenn der kommt, der einen Adler frisst dann ist es Zeit ...“ klang es mir im Ohr. Der Riese machte einen majestätischen Eindruck. Es sah uns wohl gar nicht. Hatte etwas Anderes, Großes im Blick. Eine andere Zeit und Dimension.

Es ging keine Gefahr von ihm aus. Nur dass mit ihm alles anders wurde.

„...ein Wesen das nur alle zwanzigtausend Jahre kommt, und das erwartet und vorhergesagt wurde...“ Das fiel mir jetzt wieder heiß ein. Von wem erwartet und vorhergesagt? „...Dem Meister!!...“ Ich ließ die Torte und den Bäcker der sie gemacht hatte und begann zu laufen. Ich hatte es sehr eilig, musste sehr rasch die Botschaft zu übermitteln, die der Meister - wer immer das war - erwartete.

Wintersonnwende 2011-2012 siebter Tag/Nacht

Sophia,.

Zauber auf violett-rosa Grund.


Technik: Acryl- und Ölfarbe, Kreide, auf gerissener Wellpappe / Format: 30 x 30 cm




27.12.2011


5. 45 Uhr Traumbild


Eine schmale Hängebrücke über steigenden Wasser.

Die Brücke hing teilweise schon im Wasser.

Ich ging nicht hinüber.


Lerne mir Traumbilder im Traum zu merken.



Später:


Bilder und die Texte koexistieren nebeneinander. Sie beziehen sich anfangs nicht unmittelbar aufeinander.

In welche Wechselwirkung sie schließlich treten ist offen.



... Der Junge in der Kinderschule bekam ein großes Blatt und sollte sich selber darauf malen. Er malte sich sehr klein in die Mitte.

Der Vater sagte: „...du hast Dich aber winzig gemalt...“ und spürte seinen eigenen Minderwertigkeiststachel.

Die Betreuerin sah das Bild an und rief spontan: „...toll...so viel Freiraum hast Du noch!...“!


Wintersonnwende 2011-2012 sechster Tag/Nacht

Verbreitet rasch

die neuen Spuren

im Purpurblut

reifer Geschichte.



Technik: Acrylfarbe auf gerissener Wellpappe, mit Fingernagel und Schabeisen geritzt / Rand blattvergolder / Format: 30 x 30 cm




26.12.2011


5.30 Uhr,


Traum


War mit einigen Menschen in der Bodenseelandschaft unterwegs.

Da entdeckte ich in der Ferne einen sehr hohen steilen Berg-Gipfel, der war voll mit weiß gekleideten Menschen, die sich aneinander hielten. Eine Gipfelhaut, ein Mantel aus Menschen wo sonst der Schnee liegt.

Der ganze Gipfel leuchtete und pulsierte.



Wintersonnwende 2011-2012 fünfter Tag/Nacht

Weihnachten.

Geweihte Nacht.

Licht-Geburt. Kind.

Das Neue im Alten.

Gott im Menschen.

Das uralte Mysterium: Konsumhysterium.


Technik: Acryl- und Ölfarbe auf gerissene Wellpappe mit Pentragamm und Durchstichen, hinterlegt mit Blattgold / Format: 30 x 30 cm



25.12.2011


21 Uhr. Wieder im Frauenhof am Werk.


Von machen Lehren hörte ich, dass sie die Gedanken kommen und gehen lassen, hindurchziehen lassen wie Wolken. Kann ich nachvollziehen.

Doch das was da in mir auftaucht würde ich eher als Spiegelungen und Echos beschreiben. Sie haben etwas mit mir zu tun auch wenn ich mich nicht damit identifiziere, einfach deshalb weil sie erscheinen auf meinem inneren Bildschirm, der im übrigen eine Bildkuppel ist.

Viele sind meine Kreationen. Es sind Gesprächspartner dabei, Plagegeister, Mit- und Mietbewohner mit Gewohnheitsrechten. Doch auch kollektive GroßInstanzen die unablässig PR in ihren Filialen in mir betreiben. Sie haben durchaus die Eigenschaft - wie Flaschengeister - eine überstülpende Macht, wenn sie freigelassen werden, auszuüben. Und sie versprechen dir dafür das Blaue vom Himmel. Doch kaum sind sie frei bist du es der blau ist und der Himmel ist futsch.

Diese Kunst mit dem Rohstoff morgendlicher Gedanken Heim-Suchung stimmig, das heißt auch: kunstvoll umzugehen, mündet, wenn es gelingt, in eine weite Stille.

Dann richtet sich der Sinn wie von selbst zur Sammlung auf, und ein Gebet strömt über den Rücken.


Nochmals, weil Weihnachten ist, mit mehr Lametta formuliert:

Alle Aktivitäten im Denkhaus hatten heute Morgen ihren Auftritt im lichten Saal bewusster Wahrnehmung. Jetzt sind sie, fast ein Wunder - still.

Das ganze Haus ist konzentriert und präsent, ausgerichtet auf diese vertikale Stille. Ohne Erwartung. Die Stille selbst ist schon die Erfüllung. Sie wirkt wie Speise. Nein, sie ist Speise. Doch dann passiert dennoch etwas.


In die hochgestimmte Stille kommt ein Engel hereingestiegen, und nimmt sein Morgenbad darin. Eine starke orientierende sinnstiftende Kraft und eine feine vibrierende Freude treten in das KörperHaus ein:

...Kling Glöckchen klingelingeling..


Wintersonnwende 2011-2012 vierter Tag/Nacht



Farbige Randerscheinungen.

Tief atmendes Grün.

Birg inneres Geschehen: Sehen.


Technik: Acrylfarbe und Kreide auf gerissene Wellpappe Format: 30 x 30 cm


24.12.2011


6 Uhr Morgens

Regen, milde Temperatur.

am Feuer sitzen-schauen-denken.

Denken?

Es gibt vieles was in diesem Haus des Denkens geschieht. Von außen betrachtet sitzt da ein Mann still vor einem Feuer. In der Innenwahrnehmung allerdings erschließt sich ein unsichtbarer hoch aktiver Raum.

Empfindungen, Erinnerungen an die Träume von heute Nacht, wecken bestimmte Gedanken auf, die dann ausgeschlafen und vital ins Zentrum stürmen und die gesamte Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Meine Haustiere im Kopf. Ich weise ihnen einen Platz am Ofen zu. Besonders feurige, Dranchenverwandte, finden das lustig und hüpfen durch die Scheibe ins Feuer. In einer wirbelnden Flamme sind sie verschwunden. Andere nisten sich in den den erst verkohlten nachtschwarzen Holzscheiten ein, die, mit ein wenig Fantasie, zu archaischen feuerspeienden Urzeitechsen werden, auf deren seidig schwarzer Haut uralte Kulturen in glimmenden Wellen aufleuchten, wie lichtbeschiene Städte von oben aus dem Flugzeug gesehen. Ich bin mir nicht sicher ob mich diese Fantasiewesen auch sehen. Es ist mir lieb, dass eine Glasscheibe dazwischen ist, und ich weiß das das Projektionen sind mit denen ich spiele.

Ich sehe dem Geschehen in mir zu. Warte was kommt, bin neugierig, überrascht, manchmal in Gefahr genervt zu sein. Das ist besonders brisant, weil ich dann, durch meine Abwehr, ein Vakuum erzeuge, und in genau den Gedanken hineingesogen werde, dem ich mich verweigere und der mich dann zu seinem Brennstoff macht, bis ich und in seiner Flamme verbrenne. Ich bin dann, hellwachen Sinnes unbewusst, verliere den lebendigen Blick und werde gelebt.


Kontrolle?

Will ich die Kontrolle nicht verlieren? Jeder Gedanke zieht einen Schweif von hinter sich her. Ein reiches Gefolge aus anziehenden und abstoßenden Assoziationen, Erinnerungen und Vorurteilen. Dass Gedanken lebende Wesen sind, wie ich das öfter schon gehört habe kann ich bestätigen. Sie haben Hunger und manche sind sehr gefährlich, intelligent und viel älter als das Ichhaus das sie heimsuchen.

Sie wollen Aufmerksamkeit. Das ist hochpotente wertvolle Energie. Was aufmerksam wahrgenommen wird gedeiht. Ob eine geniale Idee oder ein dummes Gerücht.


Kontrolle ist in diesem Bereich notwendig. Ein Imunsystem. Sie bestimmt, sie stimmt das Instrument meiner inneren und äußeren Wahrnehmung, und erzeugt die entsprechenden Hormone die meine Köerpzustand bestimmen.

Du kannst die Fähigkeit entwickeln die Aufmerksamkeit ausgerichtet zu halten für die große Melodie deines Lebens, die in deinem gestillten, stillen Herz-Raum zu empfangen und zu hören ist.

Wintersonnwende 2011-2012, dritter Tag/Nacht


Ankunft der Gegenwart.

Rückwärtsgewandt sehend.

Das Herz strömt im türkisfarbenem Meer seliger Gewissheit.

Zeitloser Augenblick: Immer.



23.12.2011


22 Uhr.

Unterbrechung oder Erweiterung?

Wir befinden uns im „SWR 3 Land“. Wir holen das Töchterchen ab. Sie hat eine Motorpanne auf der Autobahn.

Heimat Autobahn.

Spuren erahnten Glücks unter 6 spurigem Asphalt. Hören nicht die inneren Ohren Hufe von Pferden die übers Land galoppieren? PS PferdeStärken? Sehen nicht die inneren Augen schwimmende Märchenbilder, in strömenden Blutbahnen, auf Blütenboten dem Herzen zusteuern? Wo befindet sich die große frische Stille aus reiner Präsenz, dieser Raum der mitfährt, der sich in mir so deutlich auftut, warm wie die Mutter und groß wie das All? Da draußen? Dort wo wir Staumeldungen und Behinderungen aus weihnachtlich euphorisierter Redaktion hören?


Eilig parken Lastwagenfahrer übermüdet auf den Raststellen der Autobahn.

Ihre Laster rollen dann rückwärts in der Zeit. Zeitverlust, Zeitverzug. Zeit ist zu allem andern Transportgut auch mit aufgepfropft. Eilige Zeit, schnelle Zeit, schon verlorene Zeit, erinnerte Zeit, erwartete Zeit.

Wir warten auf Hilfe die spät kommt. Da Draußen ist niemand? Verloren? Niemand ist verloren da draußen! Denn da Draußen ist Innen. Das solltest du wissen.

Nichts fällt aus dem Sein - das ist gewiss. Nur dass wir es nicht erkennen,

weil es der Wahrnehmungsstation des „Ich“ aus dem Blick entschwindet.


Von weither reisen Kinder an, um in den überlieferten Erwartungs-Paradiesen Weihnachten auszupacken. Weihnachten wird wegen der Kinder gefeiert,

und wegen der Kinder in den den Alten. Genauer: wegen DES Kindes IM Alten! Weihnachten, morgen! Erwartet eilt er her - dieser Tag.

Nebel über dem Land auf der Rückfahrt mit zwei Autos. Doppellichter über dem glänzenden Asphalt. Du darfst diesen Lichtern nicht in die Augen blicken, das ist gefährlich. Du kommst aus Deiner Spur. Irrlichter. Merk es Dir!

Die Drosselklappe war defekt. Das sei bei Audi und VW eine Schwachstelle, sagte der Gelbe Engel der nach Motor riecht und positivem Antrieb.

Wir holen die Tochter sicher nach Haus.


Meine Mutter, wacht in mir auf, als ich am Krankenhaus, in dem sie gestorben ist, vorbeifahre. Weihnachten waren wir immer zusammen.


Immer ist eine Zeitbezeichnung des Ewigen. Immer.