Montag, 30. Dezember 2013

happy new year from India


EIN KREATIVES UND GLÜCKENDES ZWEITAUSENDVIERZEHN! 2014


Fünf Wunschblumen für 2014


Pondicherry, Indien Heute ist der 30. Dezember 2013


Die Fensterpanele sind offen. Zwei Krähen auf einem Baum unterhalten sich lautstark. Zusammen mit den hupenden Fahrzeugen erzeugen sie einen variantenreichen Lärm, der einem Rockkonzert mit elektronischen Dissonanzen und Zusatzverstärkern entspricht. 
Nicht nur die gelben Reclam- Notiz-Büchlein, auch die beiden gelben Lärmschützer in den Ohren tun gute Dienste. Dank RR!

Das schreibe ich um keine falsche Romantik aufkommen zu lassen ... von wegen Indien ist toll, oder auch das Gegenteil. 

Die Realität hier ist kontrastreich und vielschichtig. 

Rosa Zuckerwatte und orangefarbener (mehr oder weniger) heiliger Swami sind hier kein Widerspruch. Der weisse Porsche und der bunte Müll in dem ein stolzer Hahn und drei Hennen nach Futter suchen, auch nicht. Einheimische Moskitos mögen auch den Deutschen der hier schreibt. Sie sind ausgesprochen fremdenfreundlich und begrüßen ihn schwärmerisch.

Ich bin nun in Golconde in Pondicherry angekommen. Das ist ein besonderes Gästehaus des Ashrams. Klösterlich. „Smoking, drinking, drugs and sex are not permitted“ in Golconde, steht in dem kleinen Büchlein mit den Regeln. (Ich spreche es gerne „GoldGrund“ aus....mein englisch ist nur vergleichbar mit dem Zustand der meisten Straßen hier: holprig und voller Schlaglöcher).

Ein KunstKloster art research retread ... wie es im Büchlein steht. Das wird mein erster Ort sein an dem ich das tun werde was ich immer tue: schreiben und malen. Einen Monat hier, dann zwei weitere voraussichtlich in Auroville.

Neben dem Lärm macht mich auch ein Backenzahn darauf aufmerksam, dass das Paradies entweder Zahnschmerz und Lärm kennt und integriert, oder dass es doch eher in der Ostalb liegt :-).

Trotz des akustischen Lärms von der Straße ist Golconde ein Ort der Konzentration. 
Gestalterisch ein Wurf, ein international ausgezeichnetes architektonisches Meisterwerk. Großartig! Man kommt hier nur mit Referenzen rein. 

Es liegt nah dem Samadhi, Sri Aurobindos und „Mothers“ Grabstätte, dem Ort von Aurobindos Wirken, wo er auch „Savitri“ schrieb. Für Kenner einer der erstaunlichsten Orte überhaupt. Tausende von Menschen finden an diesem Platz täglich Stille und Seelennahrung.  Noch immer ohne übertriebene Securtiy wie sonst überall hier.  
Aus diesem „indische Gral“ strömt eine herzstärkende Quellkraft die einen seligen Frieden und eine unerschütterliche Zuversicht schenkt. Und alles wirkt pur und frisch, wie der bezaubernde täglich erneuerte Blumenschmuck auf der großen marmornen Grabplatte.

Außerhalb dieses stillen und doch so lebendigen Ortes ist ein chaotisch anmutendes Gewusel, dem nur mit stoischer Gelassenheit sinnvoll begegnet werden kann. 

Ich verspreche mir von diesem dreimonatigen Aufenthalt eine Zusammenfassung der letzten 40 Jahre künstlerischen Forschens und Denkens, das mit einem Stipendium 1974 hierher nach Auroville begann. Mal sehen was sich daraus ergibt.

Doch zunächst habe ich das naheliegendere Ziel, und das ist nicht ganz einfach zu erreichen, einen Neujahresgruß zu verfassen und diesen auch zu versenden.

Dafür muss ich in ein Internetcafe und auf klapprigen Tasten irgendwie navigieren um mich einzuloggen. Muss über den Stick diesen Text als Anhang in die offene Mailadresse bugsieren und auf „senden“ drücken. Das ging schon mehrmals schief. Mit Sendungsbewußtsein allein geht es bei den Computern noch nicht. 
Wobei das „Inner-Net“ ununterbrochen sendet und empfängt.


Pondichery Promeande, Swami mit Zuckerwatteverkäufern

So jedenfalls plante ich es heute Morgen. Am Nachmittag besorgte ich dann mit viel Geduld und Wartekraft einen  UNTS Stick mit dem ich dirket einloggen kann. Noch traue ich dem Geschehen nicht so ganz und bevor ich jetzt viele Mails ins elektronsiche Nirwana absende versuche ich es zuerst mit dem Blog. Doch genug vom Prozedere.

Jetzt wird es ernst mit den guten Wünschen - und mittelachsig!

Vorsicht esoterisch! 

Wer dagegen allergisch ist bitte gleich nach unten weiterlesen, da kommt noch was.:-)



Fünfsternblüte in Kodai



Wünsche sich nicht nur schöne Worte, sondern auch wirksame Kräfte die angewendet werden können. 

5 von 500 möchte ich auswählen und verbalisieren zum Gebrauch fürs Jahresgepäck für 2014.
 Die 495 wirken im Verborgenen mit.

FREUDE 
... zu entdecken auch dort wie sie nicht zu sein scheint

KRAFT 
... zu erinnern inmitten von Schwäche.

LIEBE 
... (auf dieses Wort lässt sich einfach nicht verzichten) zu schenken, auch wenn die Taschen leer sind. Es ist gewiss: dann füllen sie sich wieder.

LICHT
... zu ahnen auch wenn es dunkel ist.

HUMOR
...zu üben im Alltag und im Spielgel mit sich selbst.



Rasur in Kodeikanal



Auf ein Wiedersehen freue ich mich!

Alfred
KUNSTKLOSTER art research








P.S. noch etwas zu meiner Arbeit:



Wintersonnwende 2012- 2013 - das Jahresprojekt

Das größte Projekt im kleinen Format, das ich vom 21.12. 2012 bis 21.12.2013 täglich durchführte hat über 365 Seiten und ist schon teilweise auf einer Reclam online-side veröffentlicht. Hier ist die Adresse ... wer mal reinschauen möchte.


Winter-Sonnwend-Buch Nr. 6 zu Füssen der Tänzerin Anjali Sriam in Kodaikanal


KUNST, GEHT NICHT VON PROBLEMEN AUS DIE ES ZU LÖSEN GILT, SONDERN VON LÖSUNGEN DIE ZU ENTDECKEN SIND.







Sonntag, 17. November 2013

Einladung ins Atelier





Einladung ins Atelier


Erster und zweiter Advent-Sonntag
1. und 8. Dezember

10 bis 16 Uhr

Kunstraum Hohenstadt
73453 Abtsgmünd, Abtsgmünder Straße 5


jeweils um 14 Uhr 
„Bild-Besprechung“ 
... das neue Quittentryptichon...


Ich würde mich sehr freuen Dich, auch gerne mit Begleitung 
  begrüßen zu dürfen.



 Alfred Bast

KUNSTKLOSTER art research



Donnerstag, 14. November 2013

Quitten Bild 2013

"Verkörpetes Licht"


Wie jedes Jahr, so malte ich auch 2013 ein Quittenbild. 

Als ich 1998 das Bäumchen vor dem Atelier pflanzte gab es diese Vereinbarung mit der Quittenkönigin. Das Bäumchen wurde als Malbäumchen gepflanzt. 



Quittenblüte 2013

Quittenblüten 2013
 Und es trug auch in diesem Jahr, nach einer reichen Blüte, über 50 seiner gold-gelben Verdichtungen von Licht und einem schönen Sommer.


Arbeitsplatz mit Werkbuch WSW 7 Nr. 4
Wenn die Früchte, behutsam behandelt damit der weiche Flaum nicht zu rasch abgeht der ihre Haltbarkeit verlängert,  den kurzen Weg vom Bäumchen auf den Ateliertisch wechseln, verwandeln sie sich von einem biologischen Erzeugnis zu einem Rätsel. Warum? 
Wer Quitten auf einem Baum sieht, wenn sie überhaupt gesehen werden, assoziiert meist Marmelade oder Quittenbrot. 

Mein Auftrag von der Quittenkönigin lautet: zeige sie als Wunder. Mache sie zur Kunst. Marmelade kann es dann immer noch geben. 

Doch lasse ich die Früchte oft so lange liegen bis sie völlig braun oder manche auch schwarz geworden sind. Von diesen habe ich gelernt, dass sie nicht "verkommen", sondern dass sie Kernspeicher sind und die Schönheit vom Sichtbaren ins Zukünfte übertragen wurde, während die Frucht selbst den Kräften des Entformens gehört, die sie langsam wieder in das verwandeln was sie auch ist: Biomasse. Substanz. Humus.



Nein, über "Biomasse" schreibe ich jetzt nicht, denn dann würde ich nicht schreiben, sondern schreien, so schmerzlich ist mir dieser Begriff, wenn er für Pflanzen verwendet wird, die, kaum sind sie in ihre Gestalt gekommen, zerhackt und zerfetzt werden, um in riesige Bottiche gekippt zu werden, deren einziger Zweck es ist zu gären, zu blähen, zu stinken. Was als gute Idee begann, die Biogasanlage, wurde durch kurzfristiges Zweckdenken zu einer enormen Gefahr für Mensch und Natur, zu einem rational perfekt organisierten Wahn.

Jetzt habe ich doch auf diese bitteren "Fortschritt" gebissen und zu schreien begonnen.

So will ich dem noch eine andere Torheit hinzufügen. Weit weg wurde sie im großen Stil umgesetzt. In China. 

Als dem "großen Vorsitzenden" Mao vorgetragen wurde, dass die Ernte der kommunistischen Arbeitsheroen von Vögeln dezimiert wurde, überlegte er sich wie er der Plage Herr werden könnte. 
Ganz einfach: Vögel vertragen keinen ständigen Lärm. 
Drei Tage lang wurde in China Lärm gemacht in allen Provinzen überall, bis alle Vögel tot vom Himmel fielen. 

Was für ein Erfolg. Der "große VorsitzendeW hat mal wieder das Problem gelöst. 
Dass dann die Insekten zur Plage wurden, nun ja, das war dann eben ein erneutes Problem das der "große Vorsitzende" lösen konnte indem er versuchte Vögel aus der Sowjetunion zu improtieren. 
Es gibt noch immer sehr wenig Vögel in China, sagte mir der Chinese der mir am Montag diese Geschichte erzählte.

Ist es mit "Biomasse" anders? 
Wenn wir Menschen die Natur nicht mehr achten und wahrnehmen, sondern sie nur noch zweckdienlich missbrauchen, werden auch in uns alle Vögel vom Himmel fallen. Oder gibt es schon keine mehr, sondern schon ein Übermaß an Insekten, möglicherweise schon virtuell?

Ich wusste nicht dass mein Auftrag, Quitten zu malen, ein so alarmierender werden könnte.

Lichtmeditation

Doch genug.
Wut wird rasch zur Ablenkung vom Wesentlichen.


Wenn die Früchte auf dem großen weißen Arbeit-Tisch liegen, meinem "Altar der achtsamen Wahrnehmung", entfalten sie ihre visuelle Sprache. 

Sie werden zu Symbolen einer Wirklichkeit die es im Universum wahrscheinlich nur einmal gibt. Sie zeigen sich als "Götterfrüchte". 

Jene Intelligenz die dieses schuf, ermöglichte, oder zufällig ins Rollen brauchte, geht über das vom Menschen gemachte weit hinaus. 

Deshalb interessiert mich die Natur, weil sie eine nichtmenschlichen Intelligenz offenbart von der wir lernen können, die uns inspirieren kann und zudem noch nährt mit ihrem verkörperten Sein.


Gelb-Rot-Blau, doppelte Tetraktis und Pfaumenreihe


 Atelier KUNSTKLOSTER im Frauenhof, Oktober 2013

Die Bildidee zu dem diesjährigen Triptychon ist eine Fortsetzung der Quittenbilder von 2007. Im Unterschied dazu malte ich die verkörperte Form auf die linke Tafel und das gelbe Energiefeld verdichtet sich nach rechts.

Das ergibt eine andere Aussage und Dyamaik. Warum ich diese Idee noch einmal aufnahm wurde mir erst während des Malens klar. 



"Form und Formkraft" / Öl auf Leinwand / 8ß x 240 cm / 2013



...Körper-Seele-Geist....

Soll ich es hier noch weiter beschreiben? 
Ach nein, lass ich es heute einfach mal Gelb sein. 

Du kannst ja selber denken. 

Ich meine jenes Denken das zugleich ein Schauen ist. 

Oder?






Ausschnitte der Tafeln








Installation Kunstraum Hohenstadt 2013






Donnerstag, 12. September 2013

Sri Aurobindo und Rosenkreuz Symposium


„Mikrokosmos“, 150 x 150 cm, Farbstift auf grundierter Leinwand, 1989

Am Sonntag, den 22. September, findet im Uniclub Bonn in Zusammenarbeit mit der Stiftung Rosenkreuz zur Förderung hermetischen und gnostischen Gedankenguts ein gemeinsames Symposium unter dem Titel "Die Evolution des Göttlichen – Aufbruch ins Unerwartete. Sri Aurobindo und Rosenkreuz im Dialog" statt.

Es wird eine Broschüre geben mit den Vorträgen von Georg Stollenwerk (Sri Aurobindo)  und Andreas Packhäuser (Rosenkreuz), mit 10 Reproduktionen mit Bilder aus den 90 Jahren und einem Geleitwort, das ich hier zur Information und Anregung bei Interesse, in den Blog stelle.


„Impuls“, 80 x 150 cm, Farbstift auf grundierter Leinwand, 1989




Zum Geleit



Der Brunnen


Wenn wir an einem Sonnen-Tag auf die Wasseroberfläche eines plätschernden Brunnens blicken, sehen wir das EINE Licht sich in tausendfachen Brechungen spiegeln. Licht, Materie und Bewegung erzeugen zusammen ein verwirrend heiter glitzerndes Spiel. Die blendenden Reflexe erscheinen wie Chiffren einer unbekannten Schrift. Angeregt verweilt der Blick. Vielleicht in der Hoffnung, dass sich ihm etwas vom Sinn dieser rätselhaft lebendigen Licht-Zeichen entschlüsselt. Wenn sich die Augen von diesem bezaubernden Spiel weg nach oben wenden, sind sie überwältigt von dem vibrierenden strahlenden Lichtkörper, der machtvollen Majestät der EINEN Sonne.

Sprache und Form

Wir leben in einer Welt, in der sich aus Licht, Bewegung und Materie eine Vielfalt von Formen manifestiert hat. Formen, die genau wissen, dass sich das EINE Licht in ihnen ausdrückt. Zu Recht. Doch jede Welle erzeugt eine unterschiedliche Figur, die ebenfalls ganz aus dem EINEN Licht erklärbar ist, auch wenn sie im Vergleich zu andern widersprüchlich erscheint.
Was in dem Brunnenbeispiel als ein sinnbildliches Augenblicksgeschehen aufscheint, das ist in der Evolution von Raum und Zeit ein gewaltiges Wogen und Werden, Suchen und Finden, Verwerfen und Konstruieren, Trennen und Zusammenfügen. Also ein Kampf der Formen untereinander um den richtigen, gültigen Ausdruck. 
Sprachen, Traditionen und Kulturen existieren in eigenen Kontexten. Dieselben Begriffe sind mit unterschiedlichen Bedeutungen besetzt. Die einen wollen zum Beispiel das Ich überwinden, die andern bemühen sich, es zu kultivieren, die dritten behaupten, dass es dieses Ich sowieso nicht gibt. Und jeder hat auf seine Weise recht. Aber dann, wenn daraus der Schluss gezogen wird, die andern müssten, da ja die jeweils eigene Interpretation sich unmittelbar aus dem EINEN Licht ableitet, dann logischerweise im Irrtum sein, gedeihen und etablieren sich die bekannten Missverständnisse. 
Alle Schulen und spirituellen Gemeinschaften achten und pflegen ihre Formen mit denen sie anrufen, anbeten und sich verständigen. Sie sind beheimatet in den jeweiligen Sprachen und Deutungen, identifizieren sich damit und tun gut daran.
Doch sie neigen auch dazu, sie zu dogmatisieren und an ihnen hängen zu bleiben, statt durch sie weiterzugehen. Dann ist es hilfreich, das scheinbar Vertraute auf neue Weise zu beleben. Dabei können sich verschiedene Sichtweisen ergänzen.
Sprachen und Formen, die auf Erkenntnis zielen, schaffen zunächst freie Bedeutungsräume, die es einer höheren Intelligenz ermöglichen, die Führung zu übernehmen. Diese greift dann in die vorbereitete Anordnung gestaltend ein und spielt auf den begrenzt vorhandenen Bild- und Begriffsinstrumenten in überraschender und inspirierter Weise, sodass aus ihnen neuer Sinn und frische Kraft erklingt. Alle, die so inspiriert wurden und werden, etwa Jakob Böhme, Jan van Rijckenborgh und Sri Aurobindo, eröffnen und manifestieren damit reale Zugänge. Sie bauen Leitern zur göttlichen Ebene, zu der das lernende menschliche Bewusstsein hinauf- und die göttliche Inspiration herabsteigen kann. Im Nachvollzug dieser inspirierten Werke führt nicht nur die Analyse der einzelnen Töne zum Verstehen, sondern zunächst ein vorurteilsfreies waches Hinhören auf die Musik, die durch sie erklingt. 


  1. „Du im Ich“, 100 x 150 cm, Mischtechnik auf grundierter Leinwand, 1986

Dialog

Die Stiftung Rosenkreuz hat für dieses Hinhören durch die öffentliche Begegnung von unterschiedlichen Geistesrichtungen ein Forum geschaffen, das den Dialog und damit das Verständnis zwischen verschiedenen Sprach- und Ausdrucksformen fördert. Wohl auch mit dem Ziel, nach dem Streit der Formen untereinander den wunderbaren Reichtum göttlicher Offenbarung als vielfältigen Ausdruck des „EINEN OHNE FORM“ erahnen zu lassen.
In dem Symposion, dessen Vorträge hier abgedruckt sind, begegnen sich Sri Aurobindo und die Geistesschule des Rosenkreuzes durch die Referenten Georg Stollenwerk und Andreas Packhäuser.


„Transformation“, 80 x 80 cm, Mischtechnik auf grundierter Leinwand, 1989


Evolution 

Der Titel Aufbruch ins Unerwartete - Die Evolution des Göttlichen enthält den Schlüssel für eine konkrete Vision, die zu verwirklichen manche bereit sind, die die meisten aber noch für irreal halten oder kaum kennen. Der darwinistische Evolutionsbegriff, wie er üblicherweise gebraucht wird, geht von einer rein materiellen Evolution „von unten“ aus. Danach ist der Mensch eine Art Überaffe. Die Vorstellung, dass eine göttliche Involution „von oben“ vorausgegangen sein muss und wir, ja die ganze Schöpfung, Ausdruck eines gewaltigen göttlichen Geschehens sein könnten, hat die Schulbücher noch nicht erreicht. Dennoch spüren die Herzen vieler die höhere Dimension in sich, die auf Entfaltung wartet. Doch das ist kein automatischer Prozess. Er kann weder delegiert noch käuflich erworben werden. Auch gibt es kein spirituelles Beamtentum mit garantierter Höherentwicklung durch die Jahre. Es wird die ureigenste intelligente Einsicht und das immer wieder erneuerte, tiefe, hingebungsvolle Bejahen und Einverständnis der ganzen Persönlichkeit, mit allem was dazugehört, als Basis und Reisegepäck für den „Aufbruch ins Unerwartete“ notwendig sein.

Andreas Packhäuser und Georg Stollenwerk zeigen diese teilweise dramatischen und zugleich wunderbaren Zusammenhänge differenziert und anschaulich auf.



„Neues Denken“, 80 x 150 cm, Farbstift auf Papier, 1986



Begegnung


Der Mitbegründer der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes, Jan van Rijckenborgh, und Sri Aurobindo begegnen sich, nach meinem Verständnis, bereits in ihren jeweils umfassenden Schriften. Überraschend verwandt erscheint mir das Ziel, das in beiden Werken zentral formuliert wird, nämlich durch Transfiguration den gnostischen Menschen zu verwirklichen. Etwa bei Jan van Rijckenborgh in: Der kommende Neue Mensch, und bei Sri Aurobindo in: Das Göttliche Leben. Eine weitere Parallele sehe ich in Sri Aurobindos großem Poem Savitri und der Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz. Interessant ist auch, dass Jan van Rijckenborgh (1896-1968) und Sri Aurobindo (1872-1950) in ähnlichen Zeiträumen wirkten. Zudem hatten beide detaillierte Kenntnis von der jeweils anderen Kultur. Sri Aurobindo hatte das europäische Denken und Wissen als Schüler und Student in London und Cambridge in sich aufgenommen und in einem großartigen Zusammenhang mit der indischen spirituellen Literatur formuliert und verbunden.
Der universell ausgerichtete Jan van Rijckenborgh, der in der Geistesschule auch die alten hermetischen Quellen neu fasste, war andererseits bestens vertraut mit den östlich orientierten Lehren von Helena Blavatsky (1831-1891), der Begründerin der Theosophie, die einen großen Einfluss auf westliche Künstler, Forscher und Philosophen ausübte. 
Dass sich Adyar, der Ort in Indien, an dem die theosophische Bewegung ihren Hauptsitz hatte, in Chennai (Madras) befindet, unweit von Pondicherry, wo Sri Aurobindo lebte und wirkte und wo seit 1968 die internationale Stadt Auroville entsteht, deren ausdrückliches Ziel es ist, der „Evolution des Göttlichen - dem Aufbruch ins Unerwartete“, einen Ort zu schaffen, mag ein Zufall sein, doch wenn, dann ein sprechender. 
Das Zusammentreffen dieser beiden essenziellen, heute weltweit wirksamen Geistesrichtungen in diesem Symposion ist auch ein Impuls, die östliche und westliche Spiritualität neu zu justieren und willkommen zu heißen - in die sich, aus ihrer Entwicklung und den möglicherweise notwendigen Abspaltungen heraus, noch manche rivalisierende Muster und überholte Vorurteile einnisten können. 
Offen zu sein, ohne sich verunsichern zu lassen, das ist wohl ohnehin eine notwendige Leistung, die wir heute zu üben haben. Auf der lichtesten und innigsten Ebene begegnen sich dabei auch CHRISTUS und KRISHNA. Sie sind gewiss nachsichtig und nicht ohne Humor, wenn wir sie in unsere Ranglisten einzuordnen suchen. 


  1. „Feuer Zeichen“, 80 x 60 cm, Farbstift auf grundierter Leinwand, 1986



Herausforderung

Das immer dichtere Ineinanderwirken von Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Sprachformen durch die neuen technischen Kommunikationsmedien ist eine Herausforderung an uns, der wir uns stellen müssen. Kein Lehrer aus früherer Zeit nimmt uns das ab. Und das ist gut so. Wir können beispielsweise versuchen, aus den zahlreichen unterschiedlichen Aspekten eine fröhliche, unverbindliche Patchwork-Spiritualität zu basteln, ein variables interaktives Puzzle, je nach Notwendigkeit modellierbar. Wir können auch lernen, elegant auf allen spirituellen Wellen zu surfen. Wir können uns aber auch die weitergehende Aufgabe stellen, auf der Basis einer stabil verwurzelten geistigen Ausrichtung, durch die verschiedenen Sprach-Formen und Manifestationen hindurch, in das EINE pulsierende kosmische Herz einzutauchen, uns davon noch tiefer durchdringen zu lassen, um neu motiviert und wirklich begeistert die Entwicklung zum gnostischen Menschen zu wagen. 
Dann betreten wir möglicherweise einen prachtvollen, ringförmig angelegten Garten, der um das EINE herum angeordnet ist und der sich durch verschiedenartige Tore zur Mitte hin öffnet. Diese Mitte erscheint, von dem vielgestaltigen, harmonisch sich ergänzenden Gartenring aus, als wirksamer leerer Raum, als „sprudelnde Leere“, die selber keine stoffliche Manifestation besitzt oder zu besitzen scheint - und doch zugleich alle Formen hervorbringt, belebt und beseelt. 

So wünsche ich diesen Texten, dass sie offene Herzen erreichen und ein waches, differenziertes Verstehen hervorrufen. Mögen viele das EINE Licht durch die unterschiedlichen Begriffe hindurch erkennen, davon berührt und inspiriert werden. Wie von Lichtzeichen auf der Wasseroberfläche eines bewegten Brunnens an einem Sonnen-Tag. 

A.B. KUNSTKLOSTER art research



  1. „Die Leichtkraft der Dinge“, 200 x 300 cm, Kreide auf grundierter Leinwand, 1989

http://stiftung-rosenkreuz.org/veranstaltungen/alle/



Samstag, 31. August 2013

WSW 7 Buch 4 / 26. Juni bis 27. August




Stand des 365-Tage-Projekts:

Wintersonnwende Nr. 7







Zwischenbericht.

Buch Nr. 4, vom 26. Juni bis 27. August ist abgeschlossen.

Noch wird es von Hund und Katze bewacht.

Möglichkeiten der Veröffentlichung gedeihen.

Buch Nr. 5 ist bereits begonnen.

Heute ist der 254ste Tag nach Wintersonnwende.








Donnerstag, 22. August 2013

GlasBerg ... Malerei auf Glas





GLASBERG - MALEREI AUF GLAS


Seltene Nächte                                     
erster August: 23:00 Uhr

Grillen zirpen. Die Fledermäuse huschen pfeilschnell als lautlose Schatten im nachtblauen Himmel im dem die ersten Sterne leuchten. Sterne? 
Was wir gewohnt sind Sterne zu nennen, sind es nicht doch letztlich Löcher im Mantel der Nacht, durch den ein unvorstellbarer immerwährender, sich ständig erneuernder Lichtkörper strahlt? Oder etwa nicht?

Eine Kerze auf dem Tisch und die Helle des Bildschirm belichten dazu meine nahe Umgebung. 
Warum sollte mich das feine Sirren der Moskitos stören, ihre feine Berührung auf der bloßen Haut bevor der Ton verstummt und noch kein Sticht zu fühlen ist. Piersing natural? Sie mögen mich. 
Für sie bin ich Nahrung. So wie die Erde für uns. Wir Moskitos. 
Das ist nicht immer so, machmal nerven sie mich wie alle andern auch, doch heute hab ich was anderes zu tun, als mich von ihnen stören zu lassen.

Ich will notieren wozu ich seit Wochen, seit Monaten nicht gekommen bin. Vielleicht stelle ich das dann in meinen Blog. Den dürfte ich auch mal wieder mit einen Beitrag gießen. 
Wobei „gießen“ hier eher meint, heißes flüssiges Erleben in bestehende Sprachmodule zu gießen und wortsprachlich abkühlen zu lassen. Nur so wird das Nichtsagbare transparent. Wenn´s gelingt wird das Geschriebene durchsichtig, licht, farbig, stabil und bleibt zugleich fragil. Wie das Glas über das ich jetzt schreiben werde.

Mal sehen was sich fassen lässt.


Entwurf

Glas

Seit einigen Monaten ist Glasmalerei zentrales Thema im Atelier. Großes Format: 1,80 x 280 cm. Türen werden es sein für das neue Haus von Freunden. Türen? Ja auch, doch es sollten „leuchtende Pforten“ werden. Das ist mein Anspruch. Bescheidenheit kann ich dann später üben. 

Seit zwei Wochen nun bin ich, nach langer Vorbereitung mit der Ausführung beschäftigt. 




Ich arbeite in einer Produktionshalle der Glasfirma Bischoff in Bretten. Die Halle ist so groß, dass darin Fussball gespielt werden könnte, wäre sie nicht vollgestellt mit Glas, mit Glas und mit Glas. Flache Platten. Formate gegen die meines zu den kleineren gehört.  Tonnenweise auf rollenden Wagen gestapelt. Hart und schwer. Kostbar. Geschliffen. Empfindlich und gefährlich. Wenn 10 oder 20 solche Scheiben übereinander liegen ergibt sich eine seltsame optische Tiefe, wie ein Traum, als würde man in einen See blicken. Glas ist fast vollkommen transparentes Material.




Gerhard Richter hat das ausgelotet in einigen Glasarbeiten. Er hat in dieser Firma seine Arbeit für den Bundestag, riesige vertikale Schwarz-Rot-Gold Gläser gemacht. Der rollende Tisch auf dem diese Arbeit entstand sei extra dafür gefertigt worden. Stolz erzählte mir´s der Leiter des Siebdrucks, Herr G. Das ist jetzt mein Arbeitstisch.  Künstler sind in der Firma angesehen. 




Herr G. brachte mich auch auf die Idee die Tafeln doch direkt zu bemalen und nicht über Foto und Siebdruck zu realisieren. Er führte mich damit gewissermaßen aufs Glattglas. Und ich wollte nichts lieber als das. Vielleicht auch weil mein Vater Kunstglaser war und ich als Kind immer gern in seine Werkstatt, die nach Zigarre und Lösungsmittel roch eintauchte. Bleiverglasungen aber waren nichts für mich. Meine Finger konnten das Blei nicht vertragen. Auch mein verehrter Lehrer Gottfried von Stockhausen an der Akademie in Stuttgart leitete die Glasklasse. Transparenz interessiert mich auf allen Ebenen (die Transparenz des Sichtbaren). Nun also, mit neuer Technik Malerei auf Glas. Mein Vater Georg und mein Lehrer Gottfried sind präsent und lächeln mir ermutigend ins Blut. 



Proben


... proben, probieren, Erfahrungen sammeln ...
... Malerei über Folien, mehrfach zwischengetrocknet ...
... warten am Trockner ...
... getrocknetes Zwischenergebnis ...
... "Vorspannen" der Proben ...
.
... rotglühend laufen die Scheiben bei 680 Grad durch den Brenner... 

 ... "gebrannte Ergebnisse" ...




Malen auf Glas


Mit Walzen trage ich die wasserlösliche Glasfarbe auf. Das sind Pigmente, die, mikroskopisch fein, selbst mit Glas ummantelt sind. Später, wenn die Scheibe „vorgespannt“ wird, das heißt, auf 680 Grad zum glühen gebracht wird, schmelzen diese Pigmente völlig in die Glasoberfläche ein. 

Die gemalten Farbschichten müssen zwischengetrocknet werden, sonst schmieren sie zusammen. Die getrocknete Oberfläche erscheint matt und porös. Sie haftet nur leicht auf dem Glas. Ein Kratzer mit dem Finger, und die Farbe ist weg. 

Die gesamte Umsetzung fordert eine körperliche Achtsamkeit.  Ich sehe mich als Bergsteiger in der Steilwand des Glasbergs der flach vor mir liegt. Ein flacher Berg? Dimensionsverschiebungen, oder Erweiterungen. 

Das Material zwingt mich zur Konzentration. Es ist mein Zen-Meister. Wenn ich nicht wach und aufmerksam bin bekomme ich eins unsanft mit dem Stock übergezogen.

Bei den Proben sind kleine Scheiben an den Kanten durch meine unvorsichtigen Bewegungen leicht aneinander gestoßen. Die Ecken wurden beschädigt. 
Solche kleinsten Verletzungen im Glas werden später, wenn es erhitzt wird, zu Ursachen für Totalschäden.


Das Erste was ich tat war also die Ecken der großen Glasfläche auf dem Tisch zu schützen. Vor allem gegen mich selbst, denn eine zu rasche Bewegung aus Euphorie oder Nachlässigkeit hätte die Ecken verletzten können und die Scheibe und mit ihr alles was gemalt wurde wäre kaputt. Vorsichtshalber hat Herr G. Je zusätzliche Scheiben herstellen lassen. Für alle Fälle. 

Dass genau diese Ersatzscheiben später von einem Gabelstabler gerammt und an den Ecken zerstört wurden steigerte meine Vorsicht und Umsicht.  nochmals diese Verletzlichkeit und Gefährlichkeit dieses sensiblen kristallinen Materials.  Der Mann den Schanden nicht gemeldet. Er beginn Fahrerflucht. Anonym. Die kaputte Eckstelle hat er kaschiert. Wir bemerkten sie erst als ich sie bemalten wollte. Zwangspause. Es mussten neue Scheiben produziert werden. Ein langer Weg in der Produktionslinie.


...Palette mit ausgewählten Farben.

Werkhalle = Kunsthalle

Eine etwas abseits gelegene Werk- und Produktions-Halle wurde meine Kunst-Halle. 

Dort zischen, stöhnen, brüllen Maschinen. Sie beißen, fräßen und schleifen Glas. 
Ab und zu ein scharfkantiges Krachen, wenn eine Ausschusscheibe in den Recyclingkontainer geworfen wird. Hört sich tatsächlich nach Schuss an, Ausschuss!
Manchmal, in den Produktionspausen, ist es völlig still.

Ich habe von John Cage gelernt den Alltag als Musik zu hören. 
Das ist eine Frage der bewussten Ausrichtung. Es gelang mir fast immer. ich höre die Geräusche als Werkhallenmusik und arbeitete in der Nähe eines maschinellen „Organs“ im Fabrikationskörper, das Aufträge verarbeitet, manchmal auch verdaut.

Die wortkargen Arbeiter, die mit schwerer Mine ihren „Job machen“ sind mir sympathisch. Männer die schichtenlang kaum sprechen. Schöne Männer darunter. Verschlossen wie Systeme die nur mit Passwort zu öffnen sind. Sie hantierten mit den Glasspinnen die riesige schwere Scheiben sanft auf die meterbreiten Trockner legten, wie Astronauten. Elegant und geübt. Das Material erzieht den Mann.

Meine Arbeit ist einsam. Alles mache ich selber. Ich? Das Ich blättert sich auf in: Lehrjunge, Geselle, Meister, Künstler, Kritiker, Forscher, Fotograf, Hilfsarbeiter, Manager und Organisator. Ich bin selber eine ganze Fabrik mit verschiedensten Bereichen und Abteilungen. Alle werden vom zentralen Impuls dieser Malerei bestimmt und belebt.

Ich brauche diese Einsamkeit auch, um in der Inspiration zu bleiben, in Balance auf dem Hochseil über dem Glaseis. Um den Tanz zu wagen, mit großen freien Bewegungen über die Glasflächen zu schwingen und der kristallenen Struktur Rhythmus und Bewegung zu geben und später einzubrennen. Lichtspuren. 

Farbiges Glas, um dem Licht einen Freund zu schaffen, mit dem es sich Augenblicklich unterhalten kann? 

Was zu tun ist findet mich. Die Stufen folgen logisch aufeinander. Die Hauptarbeit ist die Ordnung im fließenden Tun zu erkennen. Das pulsierende Gesetz, das Herz eines Ablaufs zu entdecken und aus ihm zu wirken. Ja, anders geht es nicht. 

Ich gehe in der Kunst von Lösungen aus die ich noch nicht kenne und nicht von Problemen die zu lösen sind. 








Die sieben Stufen des flachen Glasbergs


Stufe 1
Den Entwurf in Originalgröße im Atelier zeichnen.
Dabei wird der Entwurf präzisiert und die Linien endgültig entschieden.




Stufe 2

Die Zeichnung auf dünne Schaumstoffplatten wir mit einem Skalpell in fließenden Bewegungen ausschneiden. Damit ist die Schablone geschaffen, die später auf dem Glas präzise Linien ermöglicht. Die Überlegung dieses handwerklich aufwendigen Prozess durch eine Vektordatei zu ersetzen, was nötig ist, wenn die Zeichen etwa in Metall geschnitten werden, habe ich zugunsten der präzisen Handarbeit entschieden. Das Schneiden verlangt eine Körperkonzentration die wohl jedem Chirurgen und Drachenflieger vertraut sind. Von wegen "bloß Handarbeit". All diese Energie fließen in die Arbeit ein.




Stufe 3

Das vorbereitete Glas noch einmal vermessen, die "Zinnseite" prüfen und ganzflächig, zu dritt, mit Schneidefolie bekleben, die Blasen aufstechen und glattrakeln. Dabei ist der Körper über die Glasscheibe gebeugt.











Stufe 4

Die Schablone aufzulegen, die Figuren mit Filzstift auf die Folie zu zeichnen. 
Diese mit dem Skalpell ausschneiden und von der Glasfläche abzuziehen. Teilweise musste ich mit der linken Hand schneiden, weil es keine andere Möglichkeit gab den Winkel zu bekommen. Meine Armlänge reichte bis in die Mitte der Glasscheibe. Sie hätte nicht viel größer sein dürfen. Sie hat menschliches Maß.














Stufe 5

Malerei mit Walzen in etwa 12 Schichtungen mit Trockenphasen dazwischen.
Die großen Farbenbewegungen des Anfangs verdichten sich mehr und mehr. Es ist dabei notwenig zu beachten, dass es eine Malerei mit zwei Seiten ist. das was als erstes gemalt wurde, erscheint auch auf der Rückseite als Vorderstes. Die Wirkung der Malerei ist nach zwei Seiten hin zu bedenken. Ich lege mich manchmal auf den Boden und prüfe die Dichtigkeit der Farbe, verdichtet nach und nach. Dabei sind die Walzenlinien immer auf einen Schwung bezogen, auf einen Tanz der sich beim malen einstellt. Ich musste aus dem Körperschwung heraus malen, sozusagen immer vom Ganzen her.





Ich wählte die drei Grundfarben, ein zusätzliches Purpurviolett und ein Grau und orientierte mich an den Erfahrungen die ich durch die Proben hatte.






Die Walzen sind mir als Malwerkzeug lange schon vertraut. Ich malte mit ihnen auch die große Decke im Theater in Heilbronn, mag ihren Schwung und die Möglichkeit durch Druck und seitliche Verstärkung Linien mit hoher Präzison aus dem Schwung heraus zu bekommen. Ich arbeite mit langstieligen Haltern und Teleskopstange.


Der Malprozess wird, nach langer Vorbereitung zu einem Tanz auf den Glaseis.





















Nach mehrtägiger Malerei das Finale mit zwei Walzen.
Die Teilausschnitte sind von hohem Reiz. Parallel schreibe und fotografiere ich Zwischenstufen wie besondere Ausblicke in die Farblandschaft beim Aufstieg des Glasberges.





 









Der Arbeitsplatz, auch wenn er in einer Fabrikhalle aufgeschlagen wird, muss die Qualität eines geordneten Bereichs haben, damit sich die Dynamik entfalten kann. Diese Ordnungskraft muss proportional zur freien Dynamik des Malens aufrechterhalten werden. 
Wenn die Pferde mit einem durchgehen ist das nie ein Vergnügen. Und dass irgendwelche Säue beim Malen rauszulassen werden, das habe ich noch nie als sonderlich freiheitliches Vergnügen oder gar anstrebenswertes Ziel erlebt. Wer sperrt die auch immer ein, dass sie dann rausgelassen werden müssen. Ich verstehe diese Tierhaltung nicht.

Dagegen das Wagnis die edelsten Kräfte von Plan und Freiheit miteinander tanzen zu lassen, miteinander neue Figuren und Gestalten wirken zu lassen, das hat mich immer inspiriert.

Anstrengung und Disziplin sind hier selbstverständliche Voraussetzungen, doch keine Garantie des Gelingens. 

Anstrengung und Disziplin für sich reichen nie aus. Sie bilden lediglich die Bedingung in die die Inspiration, die Begeisterung, also die bereits vorhandene Lösung aus einer höheren Ebene, in die vorbereitete handelnde Psyche einzutreten und sich auszudrücken vermag. 

Das bewirk berauschende Klarheit und Freuderieseln auf dem Glasberg der schließlich erstiegen ist.

Glasberg eins. Es warten noch zwei weitere.














Mein Reclam-Universalnotizbuch ist immer dabei. Diese Glasbergbesteigung findet auch in diesem Jahresprojekt der Wintesonnwende 2012-2013, bei der ich jeden Tag Text und Bild auf je einer Doppelseite verbinde, seinen Niederschlag. Es korresponidert mit dem ersten Farbe: Gelb.





Stufe 6
Abziehen der Folie

Fingespitzengefühl. Das ist wenn sich alles Sein, alles Körperwissen, alle Vorsicht, alle Ängstlichkeit aus Erfahrnung, aller Mut, alle Notwendigkeit, alles Risiko auf eine einzige Bewegung hin verdichten. Das ist kein Mausklick und kein Knopf den es zu drücken gilt. Das ist das was mein Freund Manfred versteht, wenn er im 10tel Millimeterbereich freihand operiert. "Frei-Hand" ist übrigens ein ausdrucksvolles Wort. 

Die Zeichen sind jetzt pures Glas, an diesen Stellen geht Licht und Blick ungehindert durch. Möglicherweise jedoch rhythmisiert. 
Die Zeichen, das wurde ich immer wieder gefragt sind frei von jeder begrifflichen Anbindung. Es sind Frei-Zeichen, Seelen-Zeichen, Chiffren einer Schrift die der Herzverstand versteht. Die einzelnen Zeichen stehen miteinander in Zusammenhang und sind zugleich individuelle Figuren. Sie bilden zusammen ein größeres Ganzes auf der Basis ihre Eingeständigkeit. Dieses größere Ganze strömt durch sie hindurch und gibt ihnen Sinn und Bedeutung. Wenn ich jetzt sprachlich ganz wagemutig bin sage ich: das ist eine Entsprechung zum Atem der Engel.












Stufe 7

Gefahren und Vorbereiten zum Brennen.
 Vorspannen! hühhottgalopp, aber bitte mit Feinstgefühl!








GlasBerg 
2 und 3



Entwurf und dieselben Schritte wie bei GlasBerg 1.
Es gibt hier eine opake weiße Scheibe und davor die farbigen Zeichen, diesmals positiv. Diese beiden Türen sind sich im Haus gegenüber.












Weisse Tafel
sie wird mit denselben freien Schwüngen bemalte wie die farbige Schwester.










































Nach dem Brand diese drei Werksbilder per Mail vom kompetenten Herrn T. zugeschickt bekommen.







Epilog

Inzwischen ist es völlig dunkel. Lange war noch ein heller Schein im offenen Sommerraum.
Die Kerze leuchtet jetzt wie eine Privatsonne auf dem Tisch. Schon fliegen kleine Insekten hinein. Liegen drumherum. 
Ich werde sie löschen. 
Habe sie gelöscht.

Auf dem Bildschirm krabbeln sie jetzt, doch sie verbrennen nicht. 
Was lesen sie von dem was ich schreibe? Was lese ich von dem was sie schreiben? Was lese ich ab vom Bildschirm des Nachthimmels, wenn meine Augen wie geflügelte Ameisen darauf herumkrabbeln? 

Es werden immer mehr. Sterne und: geflügelte Ameisen. 

Wie weit weg sind die Zellen, die zum Beispiel meine Hand ausmachen von meinem bewussten Sein entfernt? Was wissen sie von den Worten die die Finger jetzt tippen?
Spüren sie meine Fragen? Und die Moleküle die die Zellen ausmachen und die Atome die die Moleküle bilden und die Elektronen und Photonen und die Qarks die das in Summe ergeben was hier am Tisch sitzt? Sind sie nicht ebenso weit entfernt wie die Sterne? Sind die Sterne nicht ebenso nah wie diese mein Leben erspielenden Teilchen?
Und sind die Wege die Ameisen  auf dem Bildschirm zeichnen nicht denen meiner Zeichen verwandt?

Was bin ich klein, was bin ich groß. 
Was ist schon Groß und was ist Klein? 

Groß und Klein = MITTESEIN







Dank

Familie Rapp,


Firma Bischoff:
Herr Porbst,
Herr Gessler,
Herr Bauer,
Herr Tokar,
Herr Lehmann
Herr Andre

Uta und Rainer Weisensee

und allen die mich bei diesem Projekt begleitet haben.