Freitag, 16. November 2012

Natur - Wahrnehmung - Kunst



Vortragsperformance am 11.11. 2012, Sabine Widmann-Studios, Schwäbisch Gmünd



Anschauliches Denken


Vorbemerkung:
Ich weiß es hat etwas merkwürdiges, sich selbst in seinen Blog zu stellen, sich selbst zu präsentieren. Narzismus? Selbstbegeisterung? Das wären also zwei gute Gründe es sein zu lassen. Aber ich fürchte mich nicht davor mich im Spielgel anzuschauen. Meistens muss ich lachen. Doch erst hinter der Selbstbespiegelung wird es interessant. Deshalb muss ich da hindurch.

Der subjektive Künstlermensch ist eben jener durch den Gestalt und Gestaltung zur intersubjektiven Kommunikation gelangt. Jeder Mensch wendet diese schöpferische Fähigkeit an. Die meisten wohl unbewusst. 

Die Person ist eine zeitweilige Erscheinung. Ihr Ziel ist nicht sie selbst, sondern etwas hindurchwirken zu lassen. Persona eben: hindurchscheinen.
Und was? Jenes was überzeitlich gültig ist, was Bleibend ist in aller Veränderlichkeit: 
Zum Beispiel die großen Ordnungen, die keine Verordnungen kennen, 
Und die großen Gesetze auf denen alle Freiheit basiert. Diese durchwirken die Person und machen sie lebendig. Nicht sie selbst treibt sich an, sondern diese Kräfte. Alle schauen auf die Person, wie auf die sich drehenden Flügel eines Windrads. Niemand sieht den Wind, der ist unsichtbar. Das Belebende ist ebenfalls unsichtbar. Die Energie ist unsichtbar und wird in der Gestalt und der Handlung sichtbar. So klar das ist, es ist nicht wirklich bewusst, sowenig wie wir spüren, dass die Erde sich dreht, auch wenn wir es wissen.

Unsere Zeit wird, so es denn eine spätere Zeit geben wird, in die Geschichte eingehen als die "Knall-Zeit". Die Krach!!!-Bumm!!!-Päng!!!-Zeit. 
Alles Leben ein Kampf und ein Krimi!?

URKNALL ist das Wort auf das wir uns für den Beginn allen Seins geeinigt haben. 
URKNALL! Das muss man sich mal vorstellen: ein über alle Maßen grandioses Geschehen reduziert sich auf: URKNALL. 

Gott staunt und lacht über diese Wortschöpfung. Auf die Idee wär er nicht gekommen. 
Dazu brauchte es den modernen Menschen nach langen langen Stufen der Evolution. Toll!

Doch was ich sagen will: 
Zwischen der Materie und der Energie ereignet sich etwas das weder Materie noch Energie ist und doch beide miteinander verbindet: GESTALT!
Gestalt, Gestaltung - Kunst - und Spiel im Sinne Schillers: 
"der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und 
ER IST NUR DA GANZ MENSCH WO ER SPIELT. 

Darum ging es bei dieser Performance, NATUR - WAHRNEHMUNG - KUNST, nicht um mich, sondern um die Kunst. Die Kunst als eine Kraft- Sinn- und Erkenntnisquelle. 















P R E S S E I N F O R M A T I O N
12. November 2012


3. Soroptimistischer Salon 
Künstler Alfred Bast performt seine Sicht der Natur

Er malt mit einer glühenden Astgabel, trommelt auf einer hölzernen Box und bringt metallene Zeichen zum Schwingen. Der Maler und Künstler Alfred Bast macht die Natur auf seine ganz eigene Art erlebbar. Wer an diesem Sonntagnachmittag seine dreiteilige Vortrags-Performance, wie er es nennt, besucht hat, der wird seine Umgebung künftig mit anderen Augen sehen. Denn die Natur hat ihre eigene Sprache, die der Betrachter mit Distanz wahrnimmt. Der Maler jedoch, muss die Natur dechiffrieren, eins mit ihr werden, die Distanz überbrücken und den Zwischenraum mit Leben füllen, ihm Gestalt geben, eine Form. Und in ihr gewinnt dann auch der Betrachter eine neue Erkenntnis auf die Dinge, die so selbstverständlich da und doch so rätselhaft sind. So wie beispielsweise das Ei. Für Bast die perfekte Form. Entsteht es doch aus einem Kreis, der impulsiv in eine Richtung drängt und zur richtigen Zeit aufbrechen wird. Schutz und gleichzeitig Preisgabe neuen Lebens, damit vereint das Ei zwei Gegensätze und demonstriert doch die Kraft der Ordnung, die die Natur besitzt. Und so ordnet sich die Vortrags-Performance „Natur – Wahrnehmung – Kunst“ auch ein in ein ganzes Ausstellungskonzept, das Sabine Widmann, die Gründungspräsidentin des Club Soroptimist Schwäbisch Gmünd, initiiert hat: „Rhythmische Basis“, so der Titel der Ausstellung, läuft noch bis zum 1. Dezember.

Für Birgit Heilig, die derzeitige Präsidentin des Clubs, ist die Performance die logische Fortführung der soroptimistischen Salonreihe: „Wir haben angefangen mit der Geschichte des Salons, bei der die anspruchsvolle Geselligkeit im Mittelpunkt stand und sind über die Perfektion jetzt bei der Natur gelandet. Und die ist Perfektion in Vollendung“, so Heilig. Deshalb legten die Soroptimistinnen bei der Auswahl ihrer Getränke und Snacks an diesem Nachmittag besonderen Wert auf hochwertige, regionale Qualität und die thematische Verbundenheit. Natürlich auch beim Charity-Projekt: Der Erlös der Veranstaltung kommt der Initiative „Sauberes Wasser für alle“ von SOLWODI zugute. Die Organisation engagiert sich für Frauen und Mädchen in Not – vor allem in Kenia und Ruanda, aber auch hier in Deutschland. „Es ist nicht für alle eine Selbstverständlichkeit, sauberes Trinkwasser zu haben“, erklärt Birgit Heilig „in Kenia müssen die Frauen dafür weite Wege in Kauf nehmen und so kommt die Schulbildung oft zu kurz. Wir wollen mit unserer Spende einen kleinen Beitrag für bessere Perspektiven leisten.“ Mit den xxx Euro dürfte sich da auch ein bisschen was machen lassen. Der nächste soroptimistische Salon ist jedenfalls schon in Planung, mehr verrät die Präsidentin allerdings nicht. Warten wir also auf das nächste sicherlich wieder hochkarätige Event.  

Text: Sandra Dobelmann Fotos: Gregor Schäfer und Judith Bildhauer










Hinweis:

Am Mittwoch den 21. November gibt es eine Vortrag in der Ausstellung von Hartmut Warm: "Die Signatur der Sphären".
Hartmut Warm forscht im Bereich der Gestaltbildung und setzt die Traditonen von Kepler mit modernen Computerverfahren fort.
Er macht sichtbar was unsichtbar ist. Er zeigt, was für Spuren die Planten in ihrem Tanz miteinander und um die Sonne, in den kosmischen Raum schreiben. Würden Erde und Venus in den Sand zeichen was dabei herauskommt wenn sie umeinander kreisen, dann sähe das so aus:





Beginn 19 Uhr



Sabine Widmann Studios, Schwerzerallee 60, 73525 Schwäbisch Gmünd,




Sonntag, 11. November 2012

Vernissage: "rhythmische Basis"

Vernissage "rhythmische Basis" 






Bilder oben: Klassisches Ballett, Choreographie Liz Duddy

Musik und Einführung mit Ernst Mantel

Zeichen von den Tänzerinnen aufgestellt


Ernst Mantel, Sabine Widmann, A.B.

"Axis Mundi", Installation

Raumsituation mit Bild "tanzender Plan" und Zeichen

Raumsituation mit Spiegeln


Fotos: Judith Bildhaber und Alfred Bast

Freitag, 9. November 2012

"rhythmische Basis"


presseinfo: 
A.B. Werkgruppe Naturikonen "Quittenmal" Ausschnitt, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm

Alfred Bast lässt tanzen

"Rhythmische Basis" ist zugleich Ausstellungstitel, Schaffensgrundlage und Intention des Künstlers Alfred Bast. Zudem beschreibt der Titel die Philosophie der Gastgeberin Sabine Widmann und ihrer Studios in Schwäbisch Gmünd. Am 10. November wird die Ausstellung eröffnet und bis zum 1. Dezember durch Bewegungen in Körper und Geist begleitet.

"Rhythmen" nennt Alfred Bast die freien Formen in seinen Bildern und Skulpturen. Formen, die sich aus spontanen Bewegungen zu rhythmischen Mustern verdichten. Die voller Energie und Ausdruckskraft sind. Die tanzenden Zeichen harmonieren miteinander und geben sich einer natürlichen Ordnung hin.

"Axis Mundi", die Weltachse, ist daher zentrales Kunstwerk der Ausstellung "Rhythmische Basis" in den Sabine Widmann Studios in Schwäbisch Gmünd. Ebenso wie die Körper von der Wirbelsäule gehalten werden, wie Bäume einen Stamm ausbilden, aus dem heraus sich Blätter und Blüten entfalten. Für Bast ist Natur Vertrautes, das ihn bereichert. Daher will er nichts überzeichnen und die Stimmung der Natur aufnehmen. Seine "Naturikonen" wollen daher nicht überheblich sein, sondern den Blick schärfen und die Faszination für Natur vermitteln.

Auch für Sabine Widmann geht das Körperbewusstsein aus dem Bewusstsein für das Natürliche hervor. In ihren Studios in Schwäbisch Gmünd hat sie dieses Zusammenspiel von Körper und Geist zu ihrer Philosophie gemacht. "Rhythmische Basis" bedeutet für die Gastgeberin, dass Sport, Wellness und Gesundheit nur im Einklang mit dem Kopf funktionieren. Seit über 20 Jahren motiviert sie dazu, sich gehen bzw. sich nicht gehen zu lassen. Dass die Studios allein auf Frauen ausgerichtet sind, die hier abschalten und ohne Männer trainieren können, bedeutet für viele Kundinnen, sich in einem geschützten Raum natürlich und mutig bewegen zu können. Diese Offenheit erhofft sich Sabine Widmann auch in der Begegnung mit der ausgestellten Kunst. In den letzten Jahren hatte sie bereits mehrere bekannte Künstler aus der Region in ihren Studios zu Gast, unter anderem Eckhard Dietz aus Schwäbisch Gmünd.

Die Ausstellung mit Alfred Bast soll nun eine Einladung zur Begegnung und Selbstwahrnehmung sein – nicht nur für Frauen. Auch Männer und Kinder sind herzlich Willkommen. Ebenso wie bei der Bewegung und beim Tanz kann in der Kunst das Eigene aktiviert und innere Blockaden gelöst werden. "Kunst ist ein innerer Arbeitsplatz des Menschwerdens, eine Basisstation des Geistes, eine Nahrungsquelle der Seele... das schöpferische Herz der Menschheit.", schreibt Alfred Bast in seinem Blog.

Sie sind herzlich eingeladen!
Vernissage, 
Samstag, 10.11.2012, 15 Uhr Einführung:
Alfred Bast und Ernst Mantel 
Klassisches Ballett, Choreographie: Liz Duddy

Salon Club Soroptimist Schwäbisch Gmünd, 
Sonntag, 11.11.2012, 16 Uhr 
"Natur – Wahrnehmung – Kunst"  Vortrags-Performance mit Alfred Bast

Midissage, 
Mittwoch, 21.11.2012, 19 Uhr 
"Die Signatur der Sphären" Vortrag Hartmut Warm, Forscher für planetarische Bewegungsstrukturen und Naturästhetik, Hamburg

Finissage, 
Samstag, 01.12.2012, 16 Uhr 
"Wem gehört dein Leben?" Vortrag Florian Goldberg, Philosoph, Berlin


Öffnungszeiten der Ausstellung:
Samstag 12 – 16 Uhr, Sonntag 9 – 13 Uhr, Montag – Freitag 9 – 21 Uhr

Sabine Widmann Studios, Fitness für die Frau und Klassisches Ballett, 
Schwerzerallee 60, 
73525 Schwäbisch Gmünd
Tel. 07171-38351
www.sabine-widmann-studios.de

Samstag, 6. Oktober 2012

Ausstellung Sprachen des Lichts, Des langues de la lumière



Ausstellung in Antibes / Südfrankreich

Galerie Les Bain Douches, Antibes

6. Oktober bis 4. November 2012



Aufbau





Raum 1
Licht und Pflanzen




Raum 2
Licht und Rhythmus




Raum 3
Licht und Inspiration




Raum 3
Fensterinstallation





Sonntag, 30. September 2012

Ausstellung Antibes Oktober bis Nov. 2012




Der "frischen Leere" in den Laubacher Räumen, steht nur die "verpackte Fülle"im Kunstraum Hohenstadt gegenüber.

Kunstraum Hohenstadt 30.9.2012

Am 1. Oktober werden 35, teils großformatige Arbeiten von 2002-2012 hier abgeholt und nach Antibes transportiert.

Wir reisen am 2. Okt. nach und bauen die Ausstellung dort auf.


Einladung Antibes


Eine Ausstellung "jagt" die andere, könnte man meinen? Ich erlebe das jedoch nicht so. Vielmehr geht eine aus der andern hervor. 

Die Ausstellungen sind in ihrer Gegensätzlichkeit und ihren so verschiedenen Räumlichkeiten und Umgebungen von besonderem Reiz, doch auch spannende Herausforderungen.

Die letzte Ausstellung "Rhythmische Basis" in diesem Jahr - außerhalb der Ateliers - wird in den "Sabine-Widmann-Studios" in Schwäbisch Gmünd am 10. 11. eröffnet.

Einladungen und nähere Infos folgen.



Frische Leere nach der Laubacher Phase



Foto: Matin Ertle, Vernissage am 6.9. 2012 im "Löwen"

Sonntagmorgen, 7 Uhr.

Ein dichter Bodennebel lag über der Landschaft als ich heute Morgen von Frauenhof ins Hohenstadter Atelier fuhr, um von hier aus Mails zu verschicken, und einen kurzen abschließenden Beitrag über Laubach in den Blog zu stellen.

Der Vollmond stand über der Landschaft. Kein Auto auf der Straße, kein Mensch zu sehen.
Weite Offenheit an diesem letzten Septembertag. Eine Stille in der der Kosmos spricht.
Innerliches lauschen und innehalten.
Kurz wie ein Blitz, doch ebenso geladen mit einer Kraft die in der überwältigen Schönheit dieses Morgens wahrgenommen, und aufgenommen sein will.


Foto: Matin Ertle, Vernissage am 6.9. 2012 im "Löwen"

Die Ausstellung in Laubach und das Zusammenwirken mit Ernst und Irene Mantel, war ein großer Erfolg. Das darf ich so schreiben, das ist bei aller kritischer Überprüfung eine Tatsache.
Viele interessierte Menschen kamen, blieben lange, und tauchten über die Ausstellung (Bilder von 1971-1986) auch in ihre eigene Geschichte ein.


Foto: Ursula Maier, mit Susanne Granzer "eine mögliche Geschichte des Herzens, am 22. 9.2012 in "Käsers Stall".

Vergehen (im Sinne von Vergänglichkeit) als Gehen. Gehen als Ziel auf etwas zu das im Verborgenen liegt. Während das Gewordene als sichtbare Spur auf einen Beginn hin verweist der ebenso im Verborgenen liegt.

Je offener etwas gezeigt wird, je klarer es in Erscheinung tritt, desto mehr verweist es auf das Geheimnis das allem Werden und Vergehen, aller Gestalt und allem Sein den Inhalt  und das Leben gibt.

Foto: "Selbst-Auslöser", mit Ernst Mantel nach dem Abbau am 28.9.2012

Die "Kunst zwischen Kuhmist und Milchstraße" in nun den alten Räumen des Löwen als frische Leere, einverleibt.





wieter Info:
http://www.abtsgmuend.de/data/kulturNews.php?id=282098



Samstag, 1. September 2012

Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 6, Das EI, Innenbilder


Laubach Blog in Folgen

zur Ausstellung

„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012



Teil 6

Das Ei
Innenbilder

A.B. "Aufbruch", 110 x 130 cm, Ausschnitt, Eitempera auf Leinwand, 1975


Ein weiteres Schlüsselerlebnis.

„Zeichnen Sie ein Ei“, schlug Prof. Grau mir vor. Ich mochte diese biedere Fleißaufgabe nicht. 
War im zweiten Semester und schon 68-revolutionär infiziert.
Dann aber zeichnete ich. 

Ein weißes Ei auf weißes Papier. Mit winzigen Strichen. Der weichste Bleistift den ich verwendete war 4 H. 

Ich lernte in dieser Woche in der ich dieses große Ei zeichnete so viel über Zeichnen, Hell-Dunkel-Wirkung und Papierstruktur. Lernte so viel über Licht, Verdichtung, Form, und Gestaltkraft, dass ich dem Ei, diesem unübertrefflichen kosmischen Design in dem sich Schutz und Aufbruch, Fragilität und Stabilität, Schönheit und Zerstörung, Perfektion und Chaos so innig verbinden, weiterhin von Neuen begegnete.

Es wurde daraus eines meiner zentralen Projekte in der Laubacher Zeit. 

Ich war in einer schweren Krise und hatte eine starkes Traumbild. Aus einer leeren stacheligen eisernen Ritterrüstung kletterte unbeschwert und munter ein kleines Kind.

Es tapste über das Schlachtfeld der kämpfenden Menschen ohne von ihnen in Gefahr zu sein. Sie machten ihm Platz, hielten kurz inne in ihrem Streit.

Dieses Innenbild war eine Initialzündung für mich. 
Ich macht mich daran diesen Traum als Trilogie zu malen. (Die Bilder werden auch in Laubach gezeigt.)
Daraus wurde ein jahrelanges Projekt und aus der Ritterrüstung ein gepanzertes Ei.

A.B. "Konflikt-Hoffnung-Lösung", Bild 4, 20 x 25 cm, Öl auf Holz, 1975, Laubach



Damals malte ich zu den Naturbildern auch an Innenbildern weiter. 
An Symbolen und Traumbildern, deren Bildsprache dem Surrealismus verwandt war. Doch nur was die Formebene betrifft. 

Im Surrealismus wurde dem Unbewussten die Kraft der Wahrheit zugeschrieben, die es ungeschminkt zu äußern galt, vorbei an den Kontrollmechanismen eines konditionierten und kontrollierenden Verstandes. Das suchte ich nicht. 

Mir ging es darum die unbewussten Traumbereiche zu erkunden um von dort Bewusstsein und Erkenntnis für die existenziellen Fragen zu gewinnen. 
Und darum dass die überbewusste intuitive Intelligenz, und die unterbewussten Instinkte und Kräfte sich im bildnerischen Prozesse begegnen wie das Licht dem Dunkel im Laubacher Schloss, wovon später zu erzählen sein wird.

A.B. "Landschaftsfrau", Aquarell, 30 x 50 cm, 1972, Laubach



Die Natur im Außen und die Natur Innen - als menschliches subjektives Erleben - wurden nach und nach als Grundgesetze von Leben erkennbar und als solche auch erfahren. 

Die Dualität von Licht und Dunkel, von Geist und Materie, von Urbild und Schein zeigten sich in ihrer überzeitlichen Gültigkeit. 

Jede Zeit hat ihr spezielles Kleid darüber gezogen, doch der Körper ist derselbe geblieben, seit je.



A.B. "Lebensschalen", Mischtechnik/ Papier, 25 x 30 cm, 1972, Laubach




Die große Gefühle haben alle Menschen gemeinsam, egal welche Sprache sie sprechen, ebenso die großen Gedanken. So wie auch der Apfel vor dem Häuschen in Laubach in Indien bekannt ist, so sind es auch Freude, Trauer, Angst, Hoffnung.  



A.B. "Vertikal-Horizontal", Öl auf Papier, 20 x 15 cm, 1972, Laubach



Das Naheliegende ist universell. Doch das Universelle erscheint banal wie das Gras (was es nicht ist)  da es gewohnt ist wie der Atem und der Herzschlag, wie die Gesundheit, bis dieses so Selbstverständliche plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. 

Mich interessierte das Universelle im jeweiligen Zeitkleid. Ich lernte auch all die Stile und Mittel um ein solches Kleid zu basten. Nein, das ist kein Schreibfehler, ich meine basten, nicht basteln.

Meine Frage, die ich mit künstlerischen Mitteln und und holzschnittartigen philosophischen Gedanken stellte, war: 

Gibt es eine Möglichkeit den immerwährenden Streit der Gegensätze aus der Feindschaft in die Ergänzung zu übertragen? 

Man muss schon naiv sein sich solchen großen Fragen ernsthaft zu stellen. Ich war naiv -  glücklicherweise.



A.B. Werkbuch 12, "Heilige Kuh im fortgeschrittenen Stadium", Studie, 1975, Laubach



Indien

Mit einem Stipendium der Studienstiftung konnte ich dieser Frage in Indien nachgehen. 
In dieser völlig anderen und älteren Kultur als der europäischen. 

Dort wurde das Gesetzt der Dualität nicht sofort in ein Freund-Feind-Schema gepresst, das den Menschen in gut und böse teilt und ihn so spaltet. 

Der höchste Gott, Vishnu ist auch schon mal als Ratte rumgeschlichen, oder erschien als Bettler. 
Also Vorsicht mit Vorurteilen! Die Ameise könnte ein Gott sein. Und niemand lacht dich aus, wenn du das ernst nimmst.

Das Göttliche ist außerhalb des Fassbaren doch innerhalb der Welt wirksam und so selbstverständlich anwesend wie die Sonne und die Moskitos.

Auch in Indien ist vom Weltenei die bildnerische Rede. Wie auch sollte man von Unfasslichen anders als in Mythen, Märchen, Paradoxen und Symbolen sprechen?


A.B. "Jeder Einfluss ist ein Ausfluss", Öl auf Tuch, 40 x 60 cm, 1974-75, Berlin und Laubach

Die Natur zeigt, dass nicht der Streit, sondern ein dynamisch-harmonisches Zusammenwirken der Gegensätze das Leben bewirkt und erhält. 

Der Streit und der Kampf sind in der Natur ein partiell auftretendes Phänomen, doch nicht die treibende Kraft. 

In unserem menschlichen Zusammenleben sind die Gewichtungen falsch. Hier dominiert der Streit, und die Feindschaft maßt sich dummdreist an, einem evolutionär bedingten Naturgesetz, oder noch fataler: einem göttlichen Willen zu dienen. 

Dann gibt es nur ein Pendeln zwischen den zusammengehörenden Kräften die sich feindlich spalten und das mit Blut betriebene Riesenrad von Sieg und Niederlage drehen. 

Ein echter qualitativer Fortschritt ist so ausgeschlossen. 
Doch ist dieser möglich. Offenbar aber nicht käuflich erwerbbar, weder übertragbar noch delegierbar. 
Es führt  scheinbar nur ein einsamer Weg zur heiligen Stadt.


A.B. "Variation eines unendlichen Themas", 100 x 70 cm, 1975, München/Laubach

Das Ei ist ein Wunder an Synthese. Synthese auf kleinstem Nenner. Hier verbinden sich Urkreis und Urstrahl, weiblich und männlich zu dieser Form. Eine Form, die interessanterweise in der westlichen modernen Formensprache nicht zu den Grundformen, Kreis, Quadrat, Dreieck gezählt wird. Doch wo sich Kreis und Strahl auf bestimmte Weise ergänzend begegnen, entstehen die Spiralen. Insofern ist es keine Grundform, sondern eine Lebensform.

Deshalb bin ich nach Südindien gereist, weil dort eine neue Stadt gegründet wurde, die die Form einer Spirale haben sollte. Nein, heilig ist sie noch nicht, doch sie ist darauf ausgerichtet. Auroville. Gegründet von "der Mutter" mit den Nationen der Welt, auf der Basis des universellsten Menschen der mir je in Schriften begegnet ist: Sri Aurobindo.

"Heilig", das klingt bei uns oft wie Dreck, oder Kitsch. 
Ja, wir hatten schlimmstes, heilloses Heil hier. Unheil erzeugend.

So muss man da ein wenig sparsam und behutsam sein mit solchen Worten. Wenn auch nicht mehr feige. 
Die Schonzeit ist vorbei. 
Man muss das Schöne wieder wagen und beharrlich die lebenspendende Nabelschnur durch den braunen kollektiven vergifteten, verminten, verdorbenen Sumpf legen, bis sie wieder anschließt an die Kräfte und Geister deren Deutschsein keinen Größenwahn enthält, sondern die Größe freien Denkens. An Schiller und Goethe +*.  

In Indien aber konnte ich das Heilige ungebrochenen Herzens fühlen, schreiben, malen und sagen. Sogar jubeln.

Selbst durch den buntesten Kitsch konnte ich das Lachen der Götter vernehmen, oder es mir doch ungestraft einbilden und vergnüglich vorgaukeln. Kein Sittenwächter, kein "Du-darfst-deine-Schuld-nicht-vergessen-Agent" bewachte mich.
Die inneren Tribunale konnten sich in dem fremden Klima nicht halten. 

Doch bevor ich das erlebte machte ich eine Reise durch Europa zu den großen Meistern in den Museen.
Ich wollte die Kraft des Abendlandes aus diesen Werken trinken und mitnehmen. 
Das war auch gut so. Die Früchte davon gingen nach meiner Rückkehr auf. 

Vor meiner großen Fahrt, mitten in die existenziellen Fragen die das Leben in mir weckte, stellte 1973 Großmutter Köngeter eine Pappkiste mit roten Äpfeln auf die Treppe des Häuschens.
Ganz unten stellte sie die Kiste ab. Ich holte die Früchte hoch  auf meinen Arbeitstisch um sie zu malen.
Mit Pastell auf Packpapier.

Nur diese Apfelkiste, ohne surreale oder phantastische Verfremdung. Die Entsprechung zum blühenden Apfelbaum.
Reines Symbol in alltäglicher Gestalt. Immer wieder im in solchen Tagen das All anwesend. Beglückend, wenn die Anstrengung mühelos wird und gelingt was Bestand hat.

Auf die Wand im Aussellungsraum "Im Löwen" schrieb ich letzte Woche einen Satz der in den Werkbüchern steht:

"Ständig im Wandel, das Bleibende treffend."

Das war vor der großen Reise mein letztes Bild.
Es gibt kein gutes Dia davon. Wahrscheinlich sollte ich sie gar nicht reproduzieren.
Doch ist die Apfelkiste in "Käsers Stall" bei Ernst Mantel ausgestellt.



A.B. "Konflikt-Hoffnung-Lösung", Bild 5, 20 x 25 cm, Öl auf Holz, 1975, Laubach, verschollen



A.B. "Evolution", Öl auf Tuch, 400 x 80 cm, 1974, Pondicherry










Die Laubacher Phase 1971-1986 Teil 5, RaumZeit



Laubach Blog in Folgen

zur Ausstellung

„Kunst zwischen Kuhmist und Milchstrasse“
Die Laubacher Phase
1971-1976

Vom 9.9. bis 23. 9. 2012


Fünfter Teil

RaumZeit



Foto: A.B. Saal "Im Löwen", Laubach 4.1.12




26 Jahre war ich nicht mehr in den Räumen meines ehemaligen Ateliers. Sie schlummerten und staubten vor sich hin. 
Die Spinnen woben ungestört ihre kunstvollen Netze. Meterlang. 

Ist die Zeit darin stehengeblieben. 
Kann die Zeit stehenbleiben? 

Ich öffne die großen Fenster und die Sonne schreibt ihr Licht auf den Holzboden, der seinen warmen Grundton in den Raum abstrahlt. Es duftet nach erfrischtem Alter.


Foto: A.B. "Im Löwen" Laubach 25.8.12

Raum und Zeit sind fühlbar präsent, nicht vergangen. 

Das Vergangene kommt frisch geputzt und jung als Zukunft wieder auf dich zu und tanzt in der Gegenwart den Reigen von Kommen und Gehen im immer währenden Sein.

Konkret wird hier an der Zukunft der „Laubacher Phase von 1971-86“ gebaut. 
Es wird aufgebaut im Abbruchhaus. Nächstes Jahr wird es abgerissen. 

„Aufbau im Abbruchhaus“. Wer denkt das schon an den Euro und an Europa?

Ist das nicht eine der spezifischen Kräfte und Fähigkeiten des Menschen, speziell der Kunst, aufzubauen und Gestalt zu schaffen wo sich Entropie und Auflösung ereignen. Das ist zugleich natürlich, denn jeder Apfel trägt, wenn er fällt, die Gewissheit seiner Zukunft in den Kernen mit hinab.

In diesen leeren Räumen suche, erwarte, nein! erahne ich eine neue Figur, die sich aus den gegenwärtig anwesenden Arbeiten, Räumen, Gedanken, Ideen und Sichtweisen ergibt. Mal sehn.



Foto: A.B. 11.7.12 Laubach, Atelier "Im Löwen"


Nachdem wir, Bernhard und ich, sorgfältig gekehrt und die Wände und Decken vom Spinnenwerk entwoben haben blieben die Flecken an den Wänden und die Risse. Einen Raum wischte ich nass und bohnerte den Boden mit Wachs, wie ich das in den Jahren meines Wirkens hier immer tat, denn der Grund, die Grundierung war wichtig.

In diesem Raum putzten wir auch die Scheiben, im andern Raum ließ ich den Staub von 26 Jahren an den Fenstern.
Schritt für Schritt machte ich mich mit der Situation vertraut. Schon der leergeräumte Saal hatte eine Kraft und seltene Stimmung.

All das was ein heutiges Haus ausmacht ist hier nicht mehr vorhanden, außer der bloße Raum, die Luft darin und das Licht das sich durch die großen Scheiben einspeiste. 

Alles ist ausgezogen. Meine Kunst zieht ein. Ich hänge sie nicht an leere Wände, sondern an die Wände der Leere.


Foto: A.B. "ZEIT LOS", Laubach, "Im Löwen" 25.8.12

RaumZeit. 

Wände, Böden und Decken erzeugen zusammen eine durchsichtige Raumskulptur. 
Einen Luftkörper dünner ist als der Stoffkörper. So dünn, dass er das Licht durchlässt das auf die dichteren Körper trifft und sie als getrennte Objekte zur Sichtbarkeit bringt. 

Ein Raumkörper ergibt sich, sinnlich erfahrbar, durch die Umgrenzungen.

Mein KörperSein ist Teil davon, nimmt daran teil, bewegt sich darin. Geschichtlich und unmittelbar.

Der Luft-Raum ist ein feinerer Körper in dem die dichteren Körper sich bewegen wie Fische im Wasser, und stehen können, gehalten von dem Sog der Schwerkraft aus dem Erdkern.

Der Raum nimmt auf und gibt frei. Du kannst kommen und gehen, er bleibt mit sich identisch.

Doch Raum ist nicht nur das was die Mauern umgrenzen, er ist auch Erinnerungsraum.
Nächstes Jahr ist er nur noch Erinnerungsraum.
Was wird frei wenn sich dieser Raum im Unbegrenzten auflöst?

Doch jetzt erleben diese alten Mauern noch einmal einen entstehenden Erwartungsraum
Sie freuen sich rissig.

Foto: A.B. 11.7.12 Laubach, Atelier "Im Löwen"

Das Licht wirkt, wie immer: frisch. Wir wissen ja: im Licht gibt es nichts Vergangenes, nichts Zukünftiges. Licht ist die pure Gegenwart. 

Licht ist die Grenze der Zeit. Und hinter der Grenze tanzt das große pulsierende Nichts im Festsaal des Löwen all die Tänze weiter die hier erträumt wurden.

Nein die Zeit ist nicht stehengeblieben, das ist so eine Redensart. Oder doch? 
Vielleicht ist sie doch stehengeblieben. 

Steht still und schaut sich aufmerksam um. 
Betrachtet alles genau, den Reigen der Dinge, die Äpfel und die Knospen, die Nacht und den Wind, die Kinder und die Alten. Das Glatte und das Gefurchte. 

Es würde mich nicht wundern, wenn die Zeit dann zu zeichnen anfinge, denn um zu zeichnen musst du stehen bleiben, ruhig sein, bevor sich die Bewegung durch dir ereignet. 


Foto: A.B. "Novalis-Buch" 1973, Laubach

Merkwürdig, dass dieses „Stehen-bleiben“ so einen schlechten Ruf hat, „Stand-Punkt“ aber wieder einen guten. 
Ich frage dich: wie soll ich mir einen „fortschrittlichen Standpunkt“ denken?


Abbruchhaus Museum

Ich stelle mir vor diese Ausstellung fände in einem jener großartigen Museen statt in der alles was dort drin ist unmittelbar zu Kunst mutiert, allein schon durch die Magie des Ortes. 

Was wäre anders: Völlig klar, das ginge gar nicht. Es sei denn man könnte das ganze Haus so wie es ist, mit der Installation im Festsaal dort aufbauen. Und das braucht es nicht, denn es findet ja schon hier statt, im temporären Museum Laubach.

Foto: A.B. Atelier "Im Löwen", Laubach 1983

Hier findet eine Umkehrung statt. Das wurde mir nach und nach klar. Denn ich bin es ja auch gewohnt und hab es gern, wenn die Bilder auf perfekte Wände kommen in einer gepflegten und repräsentativen Umgebung. 
Hier ist etwas anderes wirksam, eine seltene Möglichkeit zu begreifen und zu ergreifen. Es hat gedauert bis ich es erkannt und verstanden habe.

Die Kunst tritt hier, in diesem Umfeld, das mit allen Rissen signalisiert dass es nicht weitergeht, in einen seltsamen Kotrast. 
Üblich ist es dass die Kunst von der Umgebung geschützt wird, dass diese ihr Sicherheit gibt und ihr bestmögliche Entfaltung anstrebt.  Hier ist es anders. Hier spricht die Kunst in leiser Präsenz, unaufdringlich von der Kraft ihrer Dauer.

Ich habe den Eindruck, und das gibt mir die Kraft und Lust zu all dem Aufwand, dass sich die Kunst hier völlig frei entfaltet, in aller Sensibilität, Zartheit und Zerstörbarkeit. 
Dass sie sich als stabile sichere Kraft spüren lässt, so machtvoll, zuverlässig, gefährdet und zu zart, wie ein Löwenzahn auf dem Mittelstreifen der Autobahn. 





Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen", Laubach, 24.8.12


Die Kunst ist hier kein zu schützendes Biotop, sie ist der Ausdruck einer universellen schöpferischen Kraft durch den Menschen, die ihn zum Menschen macht.  

Die Kunst ist ein machtvolles Inneres, dessen Schale aufzubrechen beginnt, wie beim einem Ei.


Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen" 25.8.12 Laubach

Foto: A.B. Ausstellungsraum "Im Löwen" 25.8.12 Laubach