Samstag, 29. Mai 2010

zu den Bildern von Neo Rauch, an Pfingsten in Leipzig

...ein langer Text über Bilder

überhaupt nicht internetgängig und dazu noch ... ohne Fotos!

Vor einigen Jahren begegnete ich erstmals einem seiner Werke in der Staatsgalerie in Stuttgart.
Es hat mich unmittelbar beeindruckt. Kein Kontext, sondern das Bild selbst.
Solches Erlebnis ist selten in der zeitgenössischen Kunst, und für mich immer ein Zeichen von Qualität, weil die Bildsprache unmittelbar wirkt, wie es seit je ihre Stärke ist.

Deshalb nahm ich gerne eine Einladung über den Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder am Pfingstsamstag an, an der Ausstellungsführung durch Neo Rauch und Dr. Hans Werner Schmidt, dem Museumsleiter und Mitorganisator der Ausstellung, teilzunehmen. Ich war noch nie zuvor in Leipzig und „opferte“ zwei Tage.

An diesem Pfingstwochenende war die Stadt voll von "Gothik-Menschen".
Geoutetes Verdrängungs- und Schockpotenzial in allen Variationen.
Manches davon hat sich bald mit bestimmten Regionen seiner Bilder überlagert.

Ruhm hat seine eigene Magie. Die Begegnung mit einem weltberühmten Künstler stellte für einen viel weniger bekannten Kollegen eine subtile psychische Herausforderung dar.

Über das gefährliche Minenfeld des Vergleichs, an den saugenden, sorgfältig getarnten Magnetfeldern des Neids vorbei, gelangte ich schließlich bei seinem Werk und seiner Präsenz an.

Seine offene, selbstreflektierte wache Haltung, der sympathische Herr des Hauses, anwesende Freunde, und die interessierte Gruppe erzeugten eine gute Atmosphäre. Seine Art über die Arbeiten zu sprechen ergänzte, eröffnete, ohne etwas durch die Worte zu verstellen.
Es vermied alles was träge Erwartung bedienen würde. Es war für mich, und, das kann ich sicher hinzufügen, für die ganze interessierte Gruppe, sehr wertvoll. 

Am Sonntagmittag war ich nochmals in der Ausstellung mit dem Titel: "Begleiter". Die Bilder wirkten, ohne seine persönliche Präsenz, fast noch stärker als am Abend zuvor. Das hat mich überrascht.
Sie schlüpften, entwischten aus dem biografischen, persönlichen Kontext, lösten sich ab vom Autor, und füllten frei und vehement die Räume mit einer intensiven visuellen Musik.
Jedes trat auf seine Weise in Beziehung mit den andern Bildern und mit jedem Besucher. Dabei, so schien es, hatten die Besucher ein unsichtbares „Headphone“ auf, und reagierten auf die bildnerischen Signale, wie in einem interaktiven Spiel. Sie traten in die Räume ein, in die Figuren und deren Handlungen und damit bei sich selbst. Selten hab ich so viele Menschen in einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst gesehen, die derart konzentriert die Bilder betrachteten, und von den Bildern betrachtet wurden. Auch die "Gothiks" waren zahlreich anwesend. "Cool", das Mantram der Abgründigen, war öfter zu hören.

Die Risse und verschiedene Ebenen in seinen Bildern trennen und verbinden zugleich. Auch die Risse und Ebenen im Betrachter.
Wenn ein Raum oder Gegenstand sich in eine malerischen Geste ergießt, oder eine Figur sich in farbiger Fläche löst, ist das nicht nur ein virtuoses Surfen mit den bildnerischen Möglichkeiten, sondern diese werden zugleich neu kodiert.

So wie im Gehirn bekannte Muster sich durch eine Intuition zu neuem Zusammenhang verbinden können, der die vertrauten Muster rückwirkend als Zeichen einer unbegreiflichen Botschaft ahnen lässt und rätselhaft anreichert.

Die Bilder wurden nicht nur von den Betrachtern ergänzt, sondern ergänzten die Betrachter ebenso.  


Nach der Ausstellung, erlebte ich deren Fortsetzung in der Stadt.
Das Vor-Höllische, Mephistos weitläufige Verwandtschaft, pilgerte im aufwendigsten Design, in der teuersten Kostümierung, gelassen durch Leipzig.
Das Schöne kam als Hässliches daher. Das Hässliche als Schönes. Ein höllisches Paradies. Das war nicht ohne Humor.

Das Schöne und das Böse

Die Hölle verweist, unfreiwillig, immer auf einen Himmel, denn sie ist nie das Primäre. Hölle ist immer Sekundär, Folge, Reaktion, Imitation. Die Hölle hasst das Primäre, aus sich selber Lebende, hasst das zweckfreie Schöne, raubt den Schein und ahmt das Schöne nach. Spannt es intelligent, grell leuchtend und grinsend vor düstere Absicht.

In fast allen Beschreibungen und Bildern sind die Höllen weit phantasievoller und attraktiver als "die Himmel".
Wenn sich der Mensch nach „oben“ projiziert, vergrößert er in der Regel nur seine Begrenztheit und bläst seine Enge zu Konzernen und Palästen auf.
Dann strandet er in opulenten Illusionen und badet im Kitsch.
Oder löst sich in monochromer Leere auf.
Oder wirbelt in ironischen Distanzen um seine Hohlheit.
Jedenfalls in der Neuzeit.

Alte, spirituell ausgerichtetet Kulturen, wie etwa die ägyptische, die griechische, oder die östlichen, hatten dieses Problem nicht. Für sie waren "die Himmel" noch offen und durch Kunst zu erreichen. Kunst war noch viel mehr die Empfangsstation für göttliche Frequenzen. Und in viel geringerem Maße ausschlachtbare Ressource für partielle Macht- und Prachtrepräsentanz. Ausnahmen finden sich freilich damals und heute.

Es gibt nur wenige Bilder in der westlichen Kunst, bei denen die gemalte Schönheit "Himmel“ auch enthält. Das bekannteste Beispiel ist wohl der auferstandene Christus des Isenheimer Altars von Grünewald.

Dem Himmel gehört die Schönheit zu. Doch wird ihre Zaubermacht als Folie, Schein, Köder, Lockvogel, benutzt und oft genug missbraucht.

Es gibt dann die Diktaturen die sich mit ihr schmücken und die Schönheit selbst zur Diktatur erheben.


So wurde und wird sie

...ins blasse Ideal entkörpert,

...von brauner Dumpfheit zur geistlosen Götzin erniedrigt,

...als Galionsfigur auf die Galeeren uniformierter Kollektive gespannt,

... im Scheinwerfergrill anheizender Werbung, von Markenheroen und
entpersonalisierten Puppen, an hypnotisierte Endverbraucher verbraten,

...oder - Hybris der Machbarkeit - als Schönheitnormierung in reifende Gesichter implantiert, die zu ent-falteten Masken und Karikaturen gerinnen.

MODERN modern

Doch erscheint sie auch pur, unkorrumpiert und unverhofft, etwa in einem Kinderblick, auf einer Blumenwiese, auf einer Ruine im Sonnenlicht, im Winken eines Freundes.


Die moderne Kunst hat das Schöne weitgehend aus ihrem Repertoire verbannt. Es der Werbung überlassen. Von dort schwappt es vehement in die Kunsttempel zurück.
Als gekrönte Barbiepuppen, auf glitzernden Teppichen aus teuer gewebten Kunstkontexten, im Blitz- und Schweinwerferlich einherschreitend. Scheinbar ironisch gebrochener Kitsch.

Die mit dem Kitsch arbeitenden Künstler Jeff Koons oder Murakami etwa, lösen hier nichts auf, sondern okkupieren Tabus und verbinden sie mit einer intelligenten Strategie und berechneter Produktion, die den nervenhungrigen und spekulativen Bereich des Kunstmarktes, der von Skandalen, frischen Sensationen und gewinnträchtigen Investitionen lebt wie Kühe vom Gras, erfolgreich bedient.
Insofern ist dies für mich reaktive, und damit sekundäre Kunst, wie teuer sie auch gehandelt werden mag, keine primäre, wie die von Neo Rauch. Weder zu Koons noch Murakami wäre ich angereist.

In Rauchs tritt das Schöne nicht vordergründig auf, doch ist es anwesend.
Vielleicht auch dadurch, dass sie mich als Betrachter nicht zum Voyeur grausamer Szenen reduzieren, sondern zwischen die Sensationen des Gefährlichen so etwas wie eine optische Atempause einlegen, die einen unbesetzten Raum frei gibt. Eine kurze Stockung vor dem Schrei - oder der lösenden Antwort. Dieses Stocken erlaubt einem Nichtfassbaren, und das könnte eben der Himmel sein, seine Anwesenheit.

Doch wahrscheinlich ist das was ich hier schreibe, nur Projektion und spiegelt viel mehr den Betrachter als die Wirklichkeit seiner Bilder. Mag sein. Doch die Bilder wirkten in die reale Wahrnehmung hinein, und beeinflussten die Sehweise.

Gelungene Bildern wirken bildend auf die Welt zurück aus der sie stammen.  

Auf der Rückfahrt mit dem Zug am Sonntagabend, von Leipzig nach Aalen, sah ich zum Beispiel den nächtlichen Wagon mit seinen Neonlampen und Schildern, Spiegelungen und den vereinzelten Fahrgästen „mit den Augen seiner Bilder“.

Ich fand in Neo Rauch, an diesem Abend, keinen Zombie des Markes vor, auch keinen der mit dessen Mechanismen geschickt jongliert, keinen vom Ruhm angeknabberten, vom Geld hypnotisierten Vertreter der zeitgenössischen Kunst, keinen Star der primär vom Schein-Werfer-Licht der Projektionen anderer leuchtet, sondern einen erfreulicherweise weltberühmten und authentischen Künstler, der aus eigener Kraft wirkt. Doch auch im Wissen, dass diese von tiefen Schichten gespeist wird, die nicht allein dem Willen und Zugriff gehorchen. Und einen Menschen dem die Augenhöhe, bei aller Differenzierung und notwendigen Unterscheidung, das Höchste und Liebste zu sein scheint. So jedenfalls erlebte ich ihn.

Seine Bildern sind grandios und noch bis August in München in der Pinakothek der Moderne, und in Leipzig im Musum für bildende Kunst zu sehen.

Sonntag, 9. Mai 2010

Die Kunst der Deutung, oder: der DeutungsKünstler

Die Kunst der Deutung

...mal wieder durfte ich einer suggestiven Kunst-Führung beiwohnen.
Ein KunstDeuter "briefte" bzw. "impfte" seine Zuhörerinnen und Zuhörer.
Ich "musste" sehen was er mir sage. Denn man sieht was man weiß, und das was man wissen soll, das sagte er.

Das hat mich tief beeindruckt und ich denke: heut ist Sonntag, probier das mal aus.
Falls das mit dem Malen mal kunsthistorisch verboten wird. Wer weiß.
Statt sonntags malen, mal sonntags deuten. Das hat vielleicht Zukunft: Kunstprediger.

Ich fotografiere also, ohne groß zu überlegen, spontan, "aus-dem-Bauch-raus", drei Bilder. Sozusagen als optisches Futter für mögliches Deutungspotenzial.
Mal sehen was da rauskommt, was sich da denkend erspielen lasst.

...hier nun das Ergebnis sonntäglicher, muttertäglicher Mußestunden.



Ein-Führung:

drei aktuelle Postionen des Künstlers  Th. We. Zett


Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kunstfreunde..
Was ich Ihnen heute präsentieren darf ist etwas einmaliges. Es handelt sich um eine Trilogie des Künstlers Th. We Zett. Er ist ein international unbekannter Meister, (die Welt ist sein Atelier) der sich ständig auf Reisen befindet und in zahlreichen großen Ausstellungen, wie etwa in der Documenta 8 und der Bienale Venedig 2009, mit großformatigen, unsichtbaren und ergreifenden Werken vertreten war. Niemand hat sie gesehen, doch alle waren davon ergriffen.

Nun ist es uns, nach langen und schwierigen Wegen und Verhandlungen, und viel Glück!!! gelungen, drei Werke dieses scheuen Künstlers für unsere Präsentation als Originale zu bekommen. Sie, verehrte Anwesende, dürfen sich glücklich schätzen, die ersten zu sein, die sie zu sehen bekommen.

In diesen aktuellen Werken hat er drei hochspezielle Aspekte aus der Alltagswelt visualisiert, mit der er die Kluft zwischen Klassik und Pop, zwischen Exklusivem und Alltäglichem mit unwiderstehlicher Eleganz überbrückt.
Man ist ergriffen vor seinen Werken - ich kann Ihnen meine persönliche Begeisterung nicht vorenthalten - wie vor einem Leonardo. Freilich in ganz anderer, eben medialer und zeitgenössischer Form, die sich nicht so rasch erschließt und sich, selbstschützend, vor dem Banausenblick verbirgt.

Ich darf Sie nun, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer mit bescheidenen, ja kläglichen Worten, zu diesen Werken hinführen, und ich bin mir schmerzlich bewusst, wie wenig selbst die kühnsten Gedanken von der sprachüberschreitenden Dimension dieser Kunst zu erfassen vermögen.
Niemals, das sei vorausgeschickt, kann das Wort die Botschaft des Werkes ersetzen, denn sonst hätte der Künstler ja geschrieben.


Das erste Werk

ready made 

"MARKE"

In diesem Alltagsgegenstand sind Botschaften verschlüsselt, die uns der Künstler durch seine exklusive Präsentation bewusst macht. Der phallische Grundcharakter dieses Werkzeugs, der sofort die Assoziation von: Markieren, (denken sie aber bitte nicht an das was Hunde machen wenn sie Reviere markieren - das gehört nicht hierher), von: Marke und damit von: Merken weckt, vermittelt eine Potenz des schöpferisch-männlichen Prinzips, das sich durch den Name "BOSS" noch einmal steigert.
Während "STABILO" als FirmenMarke zugleich mütterliche Sicherheit und Haltbarkeit suggeriert.
"ORIGINAL", der dritte, schwarz auf orange gedruckter Begriff nun, sichert dem Produkt seine Individualität, und überträgt auf den Nutzer das Gefühl, hier etwas Hochwertiges in der Hand zu haben. Doch diese, mehr werbepsychologischen Hintergründe, sind noch nicht die Essenz des Kunstwerks selbst. Die Analyse ist lediglich ein vorbereitender Schritt, um ins Zentrum der transluzenten Alchemie des orangenen Behälters zu gelangen.

Denn was kann mit der leuchtenden Flüssigkeit nicht alles markiert werden?
Listen von Arbeitslosen, Preise von Kunstwerken, Namen von Terroristen, von Feinden aller Art? Oder von Freunden, die man auf eine Party einladen möchte?

Ihnen, liebe Gäste, ist es überlassen hier weiterzudenken, weiter zu spielen, Ihrer unbegrenzten Fantasie Raum zu geben. Nutzen sie die Begegnung mit diesem Werk, um ihre eigene schöpferische Fähigkeit zu entfalten.

Es soll, das darf ich noch einmal anmerken, mit diesen Worten nicht die Aussage des Kunstwerks verstellt werden. Nein! wir wollen Sie nur hinführen. Sie selber sind eingeladen interaktiv zu werden, denn ohne Sie, den Betrachter, die Betrachterin, ist jedes Werk unvollständig. Sie sind es der es "fertig" macht.


Kommen wir zum nächsten....bitte kommen sie....


Das zweite Werk

Installation

"EVOLUTION"

...Zu sehen sind zwei benutzte gepflegte Herrenschuhe ... ja Sie sehen recht ... und zwar mit hochwertigen Schuhspannern, die auf einer Eichentreppe im Paar nebeneinander stehen.

Der Künstler hat die Schuhe - bitte beachten Sie das, es wird leicht übersehen - nicht versetzt.
Er hat also nicht einen Schuh unten und den andern auf die nächste Treppe gestellt, was einen Schritt und damit Fortschritt suggerieren würde, sondern er hat wohl den Stillstand, die Stagnation auf
einer gepflegten Ebene im Auge gehabt. Oder auch die Harmonie eines Paares?
Kein Kunstwerk ist eindeutig! Es schenkt uns, ja fordert von uns, es mit unserer Deutung zu füllen, ohne dass wir es je erschöpfen könnten. Es bleibt Rätsel, und das ist die Größe aller großen und deshalb auch teuren Kunst. Doch das nur am Rande.

Th. We Zett, bringt hier den Titel "Evolution" in ein filigranes Spannungsverhältnis zur visuellen Botschaft. Zugleich wird deutlich, dass der Träger abwesend ist. Wo ist er? Ist er barfuß unterwegs, hat er andere Schuhe an? Wo ist das Weibliche?

Mit dieser eindeutigen Positionierung der männlichen Schuhe ruft der Künstler das Weibliche, den weiblichen Fuß und Schuh, mit all seinen zahllosen Variationen eben durch deren Abwesenheit zwingend ins Gedächtnis. Was will er uns damit sagen? Hier schweige ich lieber!

Faszinierend auch, dass es eine Eichentreppe ist, und dass die Schuhe nicht in der Mitte, sondern etwas nach rechts versetzt platziert sind....
...weiter...
Wenn ich Sie nun im Anschluss bitten darf das letzte der drei Werke noch in Augenschein zu nehmen...Sie werden sicher später noch zu den beiden eben gewürdigten Arbeiten zurückgehen um ihren eignen Bezug, ihr eigenes Spannungs- und Deutungsfeld aufzubauen.



das dritte Werk

Natural Objekt

"SCHWELLE"


In einem direkten Kontext zum Werk "Evolution" steht das "natrual objekt", eine anscheinend profane Fußmatte, in deren Strukturen Sie mäandernde Bewegungen erkennen können, die allerdings schon an manchen Stellen aufgebrochen und aufgelöst sind.

Dieses subtile Bild unbewusster Bewegungskräfte korrespondiert mit dem zweiten Werk "Evolution"
durch die unmittelbare Bezugsaufnahme der Schuhe, und weist auf das Thema der Abnutzung, der Entropie, der Vergänglichkeit hin und zugleich auf den Akt der Reinigung der seinerseits selbst zur Abnutzung führt.

Die Schwelle ist ein Kult.
Eine Matte auf einer Schwelle ist ein Schwellenelement.
Tritt. Treten. Auftreten. Abtreten. Eintreten. Austreten.
All das symbolisiert dieses so alltäglich anmutende Objekt. Es manifestiert jenen magischen Ort, in dem sich Draußen und Drinnen verbinden, worin zwei getrennte und gegensätzliche Räume ineinander übergehen. Eine Schwelle ist ein Brückenort.

Schauen wir auf die Struktur: die äußeren Energien mäandern von außen nach innen und umgekehrt, und sie lösen sich in freien chaotischen Faserbewegungen wieder auf.
Hier wird auch die Zeit thematisiert. Und wir fragen uns bang: Wer stand schon auf der Schwelle und wann? Wer wird noch darauf stehen, sie achtlos überschreiten, oder seine Schuhe respektvoll abtreten; um seinen unbewussten, an der untersten Stelle des Körpers haftenden Dreck, nicht ist Haus zu tragen. Und überschreiten wird nicht Schwellen? Ständig? Vielleicht auch ich mit diesen Worten? Treten wir nicht gemeinsam, über die Schwelle der Worte jetzt in das Geheimnis dieses Werkes ein, in sein innerestes Haus, um nicht zu sagen: seinen Tempel?

Der Künstler zeigt hier entschieden und bewusst den Zustand zwischen Form und Auflösung.
Möglicherweise bezieht er sich damit - er selbst schweigt beharrlich zu seinem Werk - auf die aktuelle Weltsituation. Etwa: die Natur in mäandernder, vom Menschen geordneten Form, die durch den Fortschritt und die Benutzung ("Schuhe") sich wieder in ihren ursprünglichen chaotischen Zustand zurückverwandelt?

Und vielleicht bezieht er ja in seinem dreiteiligen Werk den Marker in eine fulminante, von ihm verschwiegene, und für uns noch zu ergründende Aussage mit ein?

Doch dies ist eben Ihnen, den Betrachtern, freigegeben.

Sehr verehrte Anwesende, Sie erlebten es selbst: die Werke sprechen für sich! Es ist nicht einmal nötig sie in üblicher akademischer Manier kunstgeschichtlich zu verorten und mit berühmten Namen zu stabilisieren. Mit vehementer Sicherheit tritt uns hier ein epochales Oeuvre entgegen, das jeden Bezug und Vergleich außer Kraft setzt, und das uns zur Freiheit zwingt, in völlig neuen Kategorien zu denken.

Glücklicherweise sind wir inzwischen frei von engen Kunstbergriffen, wo noch handwerkliche Fähigkeit und Können den Geist beengten und in Grenzen bannten.

Dies hier ist ein offenes Werk, nichts wird vorgeschrieben, oder vorweggenommen. Der Künstler gibt uns allen Spielraum, weil er ein Rätsel schafft.

Wir sind außerordendlich stolz, ja glücklich diese Werke von Th. We Zett bei uns zu haben.


... Ich danke Ihnen sehr!


.....übrigens: alle Werke sind käuflich.

Freitag, 7. Mai 2010

Die KunstWelt und der ApfelZweig

Werkgruppe  NaturIkonen     6.5.2010    30x30 cm  Aquarell und Öl auf Leinwand

Die KunstWelt und der ApfelZweig

... Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Dabei ist es sehr kalt.

Momentan arbeite ich, nach der gelungenen Ausstellung in Eggenfelden, wieder intensiv an den NaturIkonen.

Die Kunstwelt
... Das lesenswerte Buch über den Kunstbetrieb:
"Sieben Tage in der Kunstwelt" von Sarah Thornton,
hat mir deutlich gezeigt, dass ich in dieser Konsum-Kunst-Glitzer-Mode-Welt nichts verloren habe, und deshalb dort auch nichts finden werde.
Das schließt interessierte Besuche nicht aus. Doch bin ich fast darüber hinaus, mich über diesen euphorisierten-hysterischen Betrieb noch aufzuregen.
Deutlicher kann sich eine Epoche selbst nicht dar- und bloßstellen.

Doch es ist nicht meine Welt und sie lockt mich nicht.

... Ich möchte weder Geschichte schreiben noch in eine solche eingehen, noch auf irgendeiner rancing Liste hochklettern und Erfolge feiern.

Ich sehe mein Ziel nicht darin auf Titelseiten erscheinen zu sollen, oder meine KunstPerson im Gedächtnis der Welt verankern zu müssen.
Noch möchte ich Zweiter, Dritter oder Letzter sein.
Ich möchte mich weder selber platzieren, noch platzieren lassen.
Denn da gibt es nur den kurzen Blick nach Oben und Unten. Nicht in die Weite. Nicht auf das Ganze.

... Die Kunstwelt mit ihrem "alles ist möglich" erzeugt zugleich eine kuriose Mischung an frischen Tabus, die in elitären Zirkeln, codiert mit Markensymbolen und Modeattributen, gepflegt werden. Ebenfalls zugleich wird ein wirksamer Skandal dort als mediale Großleistung gefeiert und bestens bezahlt.
(Paradoxerweise produzieren demokratische Systeme fast notorisch Hierarchien.
Als müssten die formale Gleichheit vor dem Gesetz, (und vor Gott), doch mit einer klaren evolutionären Hackordnung kompatibel sein - survival of the fittest - 
Der Fitteste, der Überleber, der Alpha-Mensch, der die andern dominiert, ist in den westlichen Ländern selbstverständlich ein Demokrat.)

Es geht im KunstBetrieb zu viel um Kaufen und Verkaufen (dieses merkwürdige Talent der "Worholianer"), und zu wenig um Denken, Gestalten und Bilden. Es wird ohnehin zu viel ver-Äußert, und zu wenig er-Innert. Nun auch in der Kunst.

... Das Überholen und Überbieten ersetzt das Ziel, oder genügt als solches.

...Mir allerdings nicht...

...einmalig und einzigartig sein, verbunden mit vielen Einzigartigen und Einmaligen, (und jeder Mensch ist das hinter all seinen Fremdidentitäten) das gefällt mir.

Das KunstKloster ist ein guter Ort das zu erschließen. 
Der innere Mensch ist keine Metapher über die sich diskutieren lässt. Er kann hier sein, atmen und wirken.


Das innere Universum
... Jeder Mensch hat ein Universum unter der Schädeldecke. Jeder! Also auch ich.
Ein inneres Universum, das mit dem äußeren, über die Sinne, in schöpferischer Wechselwirkung steht.
Das mache ich mir klar, schaue hin, gehe rein.
Ja, da hab ich was verloren, da findet sich alles.

... Sich selber erleben, seine Authentizität herstellen durch Geistesgegenwart und emotionale Achtsamkeit.
Unaufgeregt.
Nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren. Angstfreies Dasein ist das "Produkt". DaSein ist alles.

... Dem Regen lauschen, dem Herzschlag, den Vögeln, dem Schnurren der Katze... 

... die Gedanken beobachten, wie sie entstehen, was für Gefühle sie erzeugen, und was die Gefühle für Gedanken kreieren...kommen und gehen lassen...

...in die Hand nehmen...behandeln...wahrnehmen...schreiben und malen... zum Beispiel den blühenden Apfelzweig.

...Aus einem starren verwinkelten dunklen und harten Holz-AstWinkel sprudelt ein grüner BlätterTanz.

Sieben weiß-rote Blüten krönen duftend dieses optische Lied.

Ein Wunder! schau her! Unglaublich!

Ach so: nur eine Apfelblüte...naja...

...ja dann... gibt's einen neuen Horrorfilm heute Abend im Fernsehen?

NaturIkonenAbereibstplatz      6.5.2010    30x30 cm       Aquarell und Öl auf Leinwand

Donnerstag, 29. April 2010

Im Flutlicht ertranken die Engel

Alfred Bast

„Im Flutlicht ertranken die Engel“
2 Tafeln, je 100X150 cm
Asche, Acryl/Öl über Zeitungscollagen die auf eine Leinwand aufgeklebt sind. ´
Mistelzweig und Bergkristallpulver

Kunstraum Hohenstadt 1996



 WERKBRIEF

„Im Flutlicht ertranken die Engel“

(k)eine Gebrauchsanleitung

... Ein Freund fragte, als er das Bild sah, wie es dazu kam. Ich erzählte es ihm. Dann bat er mich es aufzuschreiben. Ich tat es. Gerne auch, denn gedankliches Durchdringen malerischer Erkundungen ist für mich wie eine Reisebeschreibung, die ich, wieder zurückgekehrt, dann zu Hause mache. Ich geht noch einmal durch alles durch und oft vertieft sich das Erlebte. Und um eine Reise geht es in diesem Bild auch.

... Keinesfalls darf die Beschreibung eine Gebrauchsanleitung sein!, denke ich. Und ich bin mir auch des Problems bewusst, dass Verbalisierung von Bildern die Betrachtung lenkt und oft einschränkt. Bin mir bewusst, dass es heute üblich ist als Künstler den Betrachter, als den eigentlichen Creator ohne den das Bild gar nicht existieren würde, zu hofieren und mit einzubeziehen, und ihm die Deutungshoheit zu überlassen.

Doch mit der Deutungsfreiheit sind fast alle, bei dieser Fülle an unzugänglicher aber anspruchsvoller Kunst, überfordert. Die Betrachter haben den Schwarzen Peter und stehen nicht selten peilich hilflos und mit sich ziemlich allein vor den deutungssaugenden Kunst-Vorgaben. Und so greifen sie denn in Museen gerne zu Headphones und buchen Gides, Führungen durch den Interpretationsdschungel, um zu erfahren was sie denn selber in sich entdecken sollen.

Also warum nicht doch eine Gebrauchsanleitung schreiben? Damit das Bild dann vom der Betrachterin und ihrem Mann, dem Betrachter, auch so zusammengebaut werden kann, dass es in ihrem Rezeptionsheim funktioniert. Ich finde darauf haben sie Anspruch.

Vom Künstler selbst darf allerdings eine solche Beschreibung nicht stammen, denn sonst wirkt er kopflastig. Hat er doch aus dem Bauch zu arbeiten und als stummes Urgestein der verlogenen Verbalwelt seine wortlose Wucht vor die Sinne zu werfen. Tja.

Doch mir ist der Kopf nun mal nicht nur lastig, eine Last, sondern auch lustig, eine Lust und  auch eine Öffnung, durch die sich ins Freie steigen lässt. Eine Öffnung,  durch die im besten Falle sogar der Kopf zu einer oberen Lunge wird, mit der Inspirationsluft geatmet werden kann.

Dem Bauch gefällt das auch, der kann sich endlich mal entspannen und ist nicht unermüdlich im Verdaungseinsatz, und damit beschäftigt seine Gärprozesse nach oben schicken zu müssen.

Ohnehin ist es eine Kunst, und ziemlich viel Arbeit, wie das Malen selbst, so zu schreiben, dass die Beschreibung die Sinne und den Sinn öffnet und nicht verstellt.

Wie gut, und ob das gelingt, ob es den Betrachter und die Betrachterin erreicht, das hängt sowohl von meiner Sprachfähigkeit, als auch von deren Interesse ab. Und davon ob eine Wechselwirkung entsteht. Das habe ich tatsächlich nicht in der Hand. 


Die Beschreibung
... Dieses nun gemalte Bild geht zurück auf ein inneres Bild, eine Art Vision, die ich über Jahre mit mir hegte. Das Zentrum bildete darin ein Kind, das die Erde mit sich trug wie einen Ball. Doch nicht wie einen Spielball, sondern eher wie einen zu schützenden Keim.
Ich sah dabei die Erde in kosmischer Dimension als einen Samen, der in die unendliche Weite des Alls gesenkt wurde. Wie in einen empfangsbereiten Uterus, den Schoß der Weltenmutter. Oder vielleicht handelt es sich auch um eine Rückreise zu den Ursprüngen. Eine Reise zu jener Quelle aus der alle Zeit und alles Sein entsprang. Möglicherweise ist beides identisch? Rückreise und neue Empfängnis?

... Die inneren Bilder sind selten. Sie kümmern sich nicht um den Zeitgeist, sondern tauchen als Urbilder, als archetypische Bilder auf. Sie sind heikel und schwierig zu äußern, weil die Urbilder als Menschheitsymbole bedeutungsüberfrachtet sind.

Solche inneren Bilder sind nicht als innere Fotos vorzustellen, sondern eher als Verdichtungen bewegter Felder, die sich zu einem Bild formen, das jedoch erst im und durch den offenen Malprozess seine gültige Gestalt erlangt.

... Ich wählte eine Grundierung, die den Zeitgeist, die aktuelle Interpretation der Zeit repräsentiert, indem ich Zeitschriftenbilder zerriss und als Collage mit Tapetenkleister auf die Leinwand klebte.
Diesen Grund übermalte ich dann mit Asche und schwarzer Acrylfarbe. Ich erzeugte damit einen Flächenraum der den Charakter eine "schwere Stille" hat.
Dabei geht es um die Repräsentanz der dramatischen Widersprüchlichkeit die sich in diesen Printproduktem ausspricht.
Auf der einen Seite wird in hochedlem Design mit intelligenten Methoden und visueller Effizienz der Mensch als Endverbraucher und Konsumenten angezielt, und im Artikel daneben, die Folgen dieses Konsums in kritisch-differenzierter Weise beschrieben, etwa bei Zigaretten und Alkohol.
Wenn in einer anderen Zeit, oder aus großer Distanz diese Zeitprodukte betrachtet werden, dann wir darin eine frappierende Gespaltenheit und Schizophrenie sichtbar.
Eine Wochenzeitschrift erscheint dann als das Symbol einer industriellen Produktion von Widersprüchen und Gespaltenheiten und einer gut organisierten Erzeugung von Desorientierung und Fragmentierung.

... Indem ich die Bilder und Seiten zerriss und sie neu zusammenstellte, wurden die strategisch kalkulierten Querverbindungen zwischen Bildern und Texten aufgehoben und in eine Art informeller Ursuppe zurückverwandelt.

... Der Rand bleibt transparent, lässt die Erinnerung und auch im dem blauen Boot ist eine Stelle ausgespart, die den Grund aufnimmt. Es ist die Stelle der Liebenden, die mit einer mumienartigen Tod-Gestalt verschmolzen sind.

Malen heißt nicht nur neue Bilder schaffen, sondern auch alte umzuwandeln und aufzulösen.

Ausschnitt

Das Blüten-Boot

... Über den mattschwarzen Zeit-Schriften-Grund entstand zunächst, mit Pastellstiften angelegt, ein mandorlaförmiger Körper, ein Art Raum- Zeitschiff, das das Kind mit der Erde trägt.
Vielleicht um den „geistigen Keim Erde“ vor der unersättlichen Gier einer schizophrenen unersättlichen Endverbrauchermaschinerie, die alle Seins-Mysterien durch einen zweckrationalen Filter quetscht, in Sicherheit zu bringen?

Ausschnitt

...Das notwendige Navigationssystem entfaltet sich als Blüte in der Mitte, als Licht und visueller Duft. Eigenschaften des universellen unsichtbaren Helfers, des Engels, der die Fahrt lenkt. Der Engel verschwand, während des Malens wieder, und wurde zur Energie, wurde lichtes Zentrum des Bootes. Er wurde und ist das Lichtauge, das das Unsichtbare sieht und selber nicht gesehen werden kann. Aus dieser Kraft des Engels bildet sich das Boot. Er ist das Boot.


Ausschnitt

... In dem Boot sind das Kind mit der Erde, und das liebende Paar manifestiert. Das Mysterium von Geburt, Liebe und Tod. Der Tod ist das Bett des Liebenden. das die Form einer Mumie hat, durch die der Untergrund, mit den collagierten Zeit-Schriften hindurch scheint. In dem Blüten-Boot, das auch eine Arche sein kann, wird, in Gestalt der Mumie "das Zeitliche gesegnet". Es hat den ihm gebührenden würdigen Raum. Allein der Dominanzanspruch des Zeitlichen über das Ewige ist aufgehoben. Doch ist das ganze Bild als eine Reise, also ein Geschehen in der Zeit. Doch eher wie eine letzte Reise, eine Reise aus der Zeit.


Die einzelnen Aspekte

Der Grund

Ausschnitt

... Der physische Malgrund ist Leinwand, über-klebt mit Zeit-Schrift-Collagen und übermalte mit Asche die in einem transparenten Acryl-schwarz gebunden ist.

... Die Grundstimmung des Bild-Themas bezieht sich auf ein Verständnis des Ewigen in der Zeit.
Das Ewige wird dabei nicht als eine zeitliche Dehnung ins Unendliche, oder eine Erfindung vergangener Epochen verstanden, sondern als ein über-zeitlicher Zustand, der sich nur in der Gegenwart ereignen kann.

... Die Spannung zwischen aktueller Beschleu-nigung in allen technischen Bereichen und der Stagnation, was die soziale, psycho-logische und seelische Entwicklung der Menschen betrifft, spiegelt sich wider in den sich weitgehend verselbständigenden Informationsmedien, die das menschliche Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsvermögen permanent spalten und über-fordern .

... Der natürliche Gegner der Informationsmaschinerie ist die lebendige Stille. Also jene Eigenschaft, die die Voraussetzung ist für Introspektion, für die schöpferische Innenwahrnehmung und für den Weg zu den eigenen inneren Kraftquellen.

Das Ziel

Ausschnitt

... Ich verwende surrealistische Bildsprachele-mente, die in traditioneller Ölfarbentechnik über den schwarzen Aschegrund gemalt sind.

... Dieser Aschegrund über den collagierten Zeit-Schriften, eröffnet einen Raum, im zweiten Bild, dessen entferntes Zentrum eine Doppelgalaxie zu sein scheint, auf die das Boot zusteuert.

Vielleicht jene Doppelgalaxie in der die beiden Gehirnhälften des Menschen, und die beiden Geschlechter in unvorstellbar friedlich-ekstatischem Tanz und kreativen Orgasmen zusammenwirken?


Die Farbe

Ausschnitt

... Rot-Gelb spannen die beiden Tafeln zusam-men.Diese Farb- und Strukturrhythmen verzahnen sie kompositionell miteinander. Sie fassen die verschiedene Bild- und Bedeu-tungsebenen ein.Oder ist das eine Blutbahn in der die Vision erscheint? Vision und Illusion haben manches gemein-sam.


Illusion
... Das Bewusstsein unterscheidet zwischen der Illusion mit Täuschungsabsicht, jener Verfüh-rung die Wünsche weckt wo keine sind, und der Illusion die notwendigerweise entsteht, wenn Vision im Spiel ist. Denn das was (noch) nicht ist muss dargestellt werden, in Erscheinung treten.
Notwendigerweise ist dies, auch bei wenig strenger Prüfung, ebenso Illusion wie jene mit Täuschungsabsicht. Doch keine die ver-führt, sondern eine die hin-führt.

Das ist eine Illusion, die sich als solche zeigt, wie die Puppe beim Puppenspiel. Eine Illusion die als Metapher auftritt und zur Poesie wird, weil sie weiß, dass sie das wovon sie kündet, nicht ist, sondern spielt, vor-spielt.


Der Bergkristall

Ausschnitt

... Die Mehrdimensionalität der Bildebenen, setzt sich fort in der Mehrdimensionalität der verwendeten Materialien, die da sind: Leinwand, Zeitschriften, Asche, natürlicher Kleister, Kunststoff in Form von Acrylfarben, Ölfarben und Bergkristallpulver, dessen reine Qualität in freien Figuren über die Asche gestreut ist.

Mistel und Profil

Ausschnitt

... Der aufgeklebte Mistelzweig der die Teilung als natürliches Wachstumsprinzip und die Heilungspotenzen gegen die Wucherung des Krebses verkörpert ist der zugleich das Auge eines großen Profils.

Ein Profil, das im rechten Bild, kaum sichtbar, dem kommende Boot entgegeblickt, wie ein Wächter.

Mit diesem Bild bin ich in der Ausstellung in Eggenfelden vertreten.

Mittwoch, 28. April 2010

Ausstellung in Eggenfelden

Bild:  Alfred Bast 1996  "Im Flutlicht ertranken die Engel"  Ausschnitt

Wanderer zwischen den Welten


Phantastische und visionäre Kunst
aus drei Jahrhunderten



Ausstellung
... 1. Mai - 28. August 2010

SchlossÖkonomie Gern // Gotischer Kasten

ausstellende Künstler:

Giovanni Battista Piranesi
Francesco Piranesi
Edgar Ende
Mac Zimmermann
Alfred Bast
Otfried Culmann
Fritz Hörauf
Claudia Knüppel
Wolfgang Maria Ohlhäuser
Tamara Ralis
Ernst Steiner
Cornelia Simon-Bach


Es gibt Künstlergruppen, bei denen ein gemeinsames Konzept, eine Theorie,
die sich auch in Manifesten ausdrücken kann, im Vordergrund steht.
Daneben finden wir Künstlerpersönlichkeiten, die schwerer einzuordnen sind.
Sie stehen im Gegensatz zu den "Ismen" ihrer Zeit, bilden in ihrer
Subjektivität so etwas wie eine Konstante des Visionären und Phantastischen
in der Europäischen Kunstgeschichte. Diese Konstante sichtbar zu machen,
ist Idee der Ausstellung. Es wird ein Raum aufgespannt, der vom 18.
Jahrhundert mit Giovanni und Francesco Piranesi über Edgar Ende bis in die
Gegenwart reicht.
Die Künstler verbinden keine formalen Analogien, vielmehr das Pionierhafte,
die Wanderschaft zwischen den Welten, die es zu entdecken, zu schauen
oder zu erschaffen gilt. 

Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag: 10-18 Uhr
Montag: geschlossen
Dienstag bis Freitag: 10-12 und 15-18 Uhr 

Vernissage:
... Freitag, 30. April 2010 // 19:00 Uhr
SchlossÖkonomie Gern // Gotischer Kasten

Begrüßung
Werner Schießl
1. Bürgermeister Stadt Eggenfelden
Einführende Worte
Roman Hocke
Labyrinthe Gesellschaft für
phantastische und visionäre Künste

Finissage
... Sonntag, 29. August 2010 // 16:00 Uhr
Schloss Ökonomie Gern // Gotischer Kasten
Lesung
Texte von Alfred Bast, Fritz Hörauf,
Tamara Ralis und Ernst Steiner


Stadt Eggenfelden
Rathausplatz 1

84307 Eggenfelden
Info: Tel. 08721 / 708-35

stadtinfo@eggenfelden.de

Mittwoch, 21. April 2010

Das Sichtbare


"Diversity"              NaturIkonen 2009-20010            Öl auf Leinwand, je 30x30 cm              

...Was für ein Glück dass es dieses simple Malen gibt.

Aus dem Haus zu treten und in die Sonnenräder der Löwenzähner zu blicken.

So schaffe ich u.a. weiter an dem völlig unspektakulären Werk der NaturIkonen, die in ihrer Summe, eine starke und doch sehr subtile Wirkung ergeben.

Diversity könnte ich es auch nennen. Verschiedenartigkeit des Gleichen.
Fundsachen, die an die Füße klopfen. Gemalt in hingebender Passivität.

Das sind für mich visuelle Gebete, die ich nicht erfinde, sondern finde und bewundere, weil sie sich so ins Bekannte und damit scheinbar Erkannte zu tarnen wissen.

"wenn man das Unsichtbare begreifen will, muss man so tief wie möglich ins Sichtbare vordringen".

Ein Gedanke aus der Kabbala, den ich täglich als wahr erlebe

     

"Arbeitsplatz"                                                                                 Foto: Vanessa Bengeser

Montag, 19. April 2010

gesammelte Notizen

19.04.2010



gesammelte Notizen

Raimer Jochims
...Am Samstag wurde die Ausstellung von Raimer Jochims in der Gratanius-Stiftung in Reutlingen eröffnet.
Zum 75sten Geburtstag. Die Ausstellung ist auf 5 Jahre konzipiert.
Für mich ein nährender Künstler, der Kunst-Orte schafft, Oasen der Seele und der Sinne.

Eine Kraftquelle. Sehr zu empfehlen!

http://www.gratianusstiftung.de/


Science Fiction
...Gestern hörte ich: Sciene Fiction.
Man befindet sich im Jahre 47998 und reist mit millionenfacher Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxien. Doch offenbar ändert sich nur die Kulisse für eine, auch noch in dieser späten Zukunft noch immer ungebildete, gierige und unbeherrschte menschliche Natur. Noch immer gibt es Mord und Schliche, Grausamkeit, Voyeurismus und jenes Prinzip, wonach der Gute am Ende gewinnt, nachdem das Böse für gute Unterhaltung gesorgt hat.


Geplantes "Tier-KZ"
...Der Vertreter eines großen Hühnermastbetriebs, nannte in seiner Präsentation diese Art der Hühnerhaltung „konventionell“, obwohl diese Form der gezielten „Produktion von Frischfleisch“ erst seit den 60er Jahren aus Amerika importiert wurde.
39990 Hähnchen werden etwa in Monatszyklen aufgezogen und geschlachtet, wobei das Ziel - damit es sich wirtschaftlich lohnt – ca. 120000 Tiermorde im 40-Tage-Zyklus vorsieht.
Der Betrieb soll hier bei Hohenstadt installiert werden soll, als Folgeobjekt einer Biogasanlage die diesen Betrieb wegen seines Mistes aus ökonomischen Gründen „braucht“.
Wenn ich nicht schon vegetarisch leben würde, ich hätte mich nach dieser Präsentation, die selbstverständlich die Vorschriften des Tierschutzes einhält, gewiss dazu entschlossen.

Ein Beispiel für weltweiten Missbrauch. Die Natur wird nicht geachtet, sondern verzweckt, zerrr-zweckt. Das Ganze wird partiellen Interessen geopfert. Geopfert? Welchem Gott? Oder besser: welchem Götzen?

Die Geschenke der Schöpfung, ob Wasser, Pflanzen, Tiere, oder Mineralien, sind der Jagd preisgegeben und werden von Interessengruppen erbeutet und erlegt, die ihrerseits unreflektierte Marionetten der Gier sind.

Sie kennen und wollen keine Solidarität mit Natur und Menschheit als Ganzem und haben noch nicht begriffen, dass sie zu einem Körper gehören.
Sie verhalten sich so, als müsse das rechte Auge dem linken Ohr seine Nahrung stehlen, oder als müsse das rechte Bein dem linken die Blutzufuhr unterbinden, um es dann wieder, gegen Zoll- und Lizenzgebühr strömen zu lassen.
Sie meinen aus Individuen Massen machen zu können, um sie als Verbraucher, als Absatzmärkte und allesfressende Endverbraucher zu nutzen.

Ihr höchstes Ziel, Geld zu machen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wirkt, so mächtig es auch auftritt, doch jämmerlich und schrecklich hilflos zugleich.

der eine Körper Menschheit

Als wüssten wir noch immer nicht, dass die Erde EIN Planet ist und unsere Chance und Aufgabe darin besteht, endlich zu begreifen, dass wir zu einem hoch-komplexen und hoch-differenzierteren, aber eben doch zu EINEM! Körper gehören.

Das wissen zwar viele, sie leben und handeln auch danach, doch ist es schwierig, denn es beschleunigt sich zugleich und aggressiv das Gegenteil.

Konzerne, Staaten, Regionen und Systeme, Clans und Einzelne raffen, was zu raffen ist, vom Ganzen, in ihren partiellen verpanzerten home-Getto-security-Zentralen, in deren inneren Ringen sie künstliche Paradiese simulieren.

Was gibt das dann für einen Körper? Keinen!
Stattdessen: Osiris, der zerstückelte Gott, immer wieder. Immer wieder. Wo ist hier der allzeit beschworene Fortschritt zu verzeichnen? 

Alle diese "Marionetten- winner" gewinnen letztlich ihre Niederlage und besiegen den einzigen lobenswerten Gewinn: den Frieden, die Freude, die Liebe.

Es sind Söldner des Verlustes. Ihr Auftrag lautet: Ver-NICHT-ung. Es sind "Loser" schon von Anfang an, denn sie kappen die Verbindung zur Quelle der Kraft des Ganzen.

Sie müssen sich abbunkern, ein- oder ausschließen. Sie leben in verdrängter Angst und veranstalten, um sich von der Tristesse abzulenken, aufwendige grellbunte und skandalöse Abwechslungswüsten.

Gewinn vedient diesen Namen nur, wenn er förderlich ist,  wenn durch den individuellen Erfolg auch der Andere, und das Ganze genährt wird. Alles andere ist Raub, Beute, das auf einem gut trainierten, und doch evolutionär hoffnungslos veraltetem System basiert.

Wenn es uns als Menschheit nicht gelingt diesen Cod des Überlebenskampfes in unseren Genen umzupolen, zugunsten einer komplexen, differenzierten und farbigen Weltgemeinschaft, zerstören wir gerade mit dem Überlebenstrieb das war dieser erhalten will, uns selbst und die Umwelt.  Eine Umpolung ist nicht nur notwendig, sondern auch möglich  und für den einzelnen höchst beglückend, da es seine höchsten kreativen Potenziale aktiviert. Doch ohne Feindziel.

Die kreativen Potenziale werden heute noch vorwiegend für die Feindbekämpfung oder die Eroberung von Märkten eingesetzt, dieser modernen Art der Missionierung.  Sie dient, partiellen Zielen, nicht dem Ganzen. Nicht dem ganzen Körper, der die Gattung Menschheit nun einmal ist. Doch die Glieder dieses wunderbar vielfarbigen Körpers schlagen in epileptischen Anfällen wild gegen sich selbst, das eine Auge hasst das Andere, die eine Gehirnhälfte ist feind der anderen, der Bauch organisiert Gefühlstruppen gegen die Ratio und die Logik, diese schlagen zurück mit Statistiken und kalten entkörperten Zahlen.

Die Menschheit gleicht einen Kranken, einem Irren, oder hoffnungsvoller: einem Körper im Schlaf, der von Alpträumen geschüttelt wird.


Das Bewusstsein leidet noch immer an diesem ansteckenden Irr-Sinn eines Überlebenskampfes den noch keiner je gewonnen hat oder je gewinnen kann.

Kunst 

Es ist wohl nur durch „Kunst“ möglich innerhalb dieser kollektiven falschen hochdynamischen Lebensweise - die offiziell sanktioniert ist - weder aggressiv noch depressiv zu werden, weder mit dem Strom zu schwimmen, noch gegen ihn, sondern die Kreativität nicht für Zielgruppen oder persönlichen Ruhm, sondern für das Ganze einzubringen.

Eine Selbstverständlichkeit übrigens, und nichts besonderes, denn ein Künstler arbeitet schon immer und notwendigerweise als ein Ganzes. Alle Aspekte seines Wesens, auch die schlimmen, spielen eine Rolle in seinen Dramen, Musiken, Tänzen, Bildern. Lediglich wirtschaftliche Abhängigkeiten und persönlicher Ehr-Geiz zwingen viele Ruhmesaffen und Marktzombies zu werden.


Krebs

Das heutige Wachstumsverständnis ruft in mir unweigerlich das Bild der Krebszellen auf, die wuchernde Metastasen bilden. Deren einziges Ziel - die wissen was sie wollen! - ihre eigene Vervielfältigung ist. Sie bilden keine Orientierung auf ein höheres Ganzes hin aus, sie dienen nicht, sondern sie triumphieren bei jeder Zelle die sie erfolgreich geknackt haben. Sie brauchen sich nicht aufzuhalten mit solch sentimentalen "Schwächen" wie Verständnis oder gar Empathie. Krebszellen sind erfolgreich oder sie sind nicht. Es sind präzise kollektive Phänomene eines vom Sinn, von der Liebe, von der Dankbarkeit abgekoppelten blinden Erfolgs- und Wachstumswahns. (Wobei diese Krankheit in allen Menschen ausbrechen kann, denn wir alle haben eine gewisse Anlage dafür).

Diese räuberischen Zellen  zerrr-zwecken und zerrr-nutzen zerr-brauchen alle Schätze der Erde, des Himmels und der Seele. Sie kennen nur sich selbst und brechen in das Gesunde mit aggressiver Wucht-Wut ein, um mit dessen Lebenskraft das eigene, in sich hohle und sinnlose Parasitendasein, durch Vermehrung zu festigen.
Jeder Erfolg wird gefeiert und generiert die Lust und Kraft zu neuem Angriff auf neue Ressourcen.
Wohlstand wird hier Missstand, und fetter Genuss wird blöd machende Gewalt, letztlich gegen sich selbst. Denn wenn der Wirt stirbt, stirbt auch der Schmarotzer. Nur: der Schmarotzer merkt das nicht im voraus, weil er ja keinerlei Wahrnehmung hat über seine blinde Vermehrungssucht hinaus. Er ist aktiv und feiert Erfolge bis zuletzt. Das macht ihn fast beneidenswert vital.


Ägyptische Legenden
Jahrtausende alt. Auch eine Art Science fiction.
Dasselbe Stück der Zerstückelung des Ganzen in anderer Zeit. Die heute zeitgemäßen Bühnenbilder der Zerstückelung, z.B.: mit Hühnermastbetrieben, legen damit eine Jahrtausende alte, hochaktive Stagnation bloß.
In der ägyptischen Geschichte wird der Gott Osiris, der für die Einheit steht, von seinem Bruder Seth getötet und zerstückelt. Isis seine Göttin-Gemahlin, sammelt seine verstreuten Teile liebevoll ein und vervollständigt ihn wieder zur Ganzheit seines umfassenden Körpers. Mit ihm zeugt sie Horus, der schließlich Seth, den neidischen Zerstückler, besiegt. Ende. Oder schon wieder der Beginn eines neuen Dramas?

So haben auch Urbilder etwas Zukünftiges in sich, da sie noch immer nicht verwirklicht sind, obwohl wir sie seit Jahrtausenden kennen und in alten Hieroglyphen und Sanskrittexten lesen.

Offenbar, ja unübersehbar, gibt es zwei voneinander unabhängige Entwicklungen.
Die des äußeren Lebens und die des inneren. Und offenbar rast die äußere raketenschnell in orientierungslose Zukünfte, während die innere kümmert, verkümmert, und wuchernd stagniert.
Das Innere des Menschen gleicht mehr und mehr einer, in der Speisekammer vergessenen verschrumpelten Kartoffel, aus der vitale Triebe wachsen, die sich im roten Verpackungsnetz verschlingen.

Der innere Baum
Was tun?

Jeder Mensch kann sich immer und überall auf den eigenen Schatz, die Lebenszeit, die Aufmerksamkeitskraft besinnen, und am inneren Arbeitsplatz die Werktage und Werknächte nutzen, das Fragmentieren, Zersplittern und Zerstückeln los-zu-lassen; sein-zu-lassen!

Jeder Mensch kann aus dem Main stream raus und ans Ufer seines Herzlands steigen. Kann lernen in ihm nur zu baden, ohne sich mitreißen zu lassen, oder gegen ihn anzukämpfen.

Dort, in seinem eigenen Körper-Land, das er Kraft Geburt hat und ist, kann er seinen Ableger vom Weltenbaum ins eigene Sein pflanzen. 
Kann diesen pflegen, schützen und wachsen lassen, bis er so groß genug ist, um auch seinen Wirt zu beherbergen, zu bergen.

Denn dieser innere Baum wächst nicht nach dem Prinzip des Schmarotzers.
Dieser Gast im Inneren ist kein fressender Götze, der sich von der Substanz seines Wirtes nährt, sondern ein Gott, der wächst.
Der Erde, in der er gedeiht, verleiht er schließlich Flügel der Freude, der Kraft und des Friedens und erhebt seinen Wirt irgendwann zu sich.
Das allerdings kann man weder kaufen, noch delegieren, noch erjagen, noch erbeuten, noch konsumieren.
Es ist Gnade und Geschenk und kann nur in vorbereitetem Grund gedeihen.
Und diesen Grund zu beackern, zu reinigen und zu durchlichten, das ist es was der Wirt zu leisten hat, täglich, stündlich, immer. Doch schon das ist Glück – und: hohe Kunst.


Zwei weiße Kraniche
...am Tag als der Himmel frei und ohne Flugzeuge war, sahen wir zwei weiße Kraniche über dem See kreisen...Spuren zeitloser Schönheit schrieben sie in ins Blau.
Sie segelten über unseren Augen und zeichneten Botschaften erhabener Freude.
Dann landeten sie auf einem hohen BaumWipfel im Hyroglyphen-Wald unserer Herzen.