Montag, 19. April 2010

gesammelte Notizen

19.04.2010



gesammelte Notizen

Raimer Jochims
...Am Samstag wurde die Ausstellung von Raimer Jochims in der Gratanius-Stiftung in Reutlingen eröffnet.
Zum 75sten Geburtstag. Die Ausstellung ist auf 5 Jahre konzipiert.
Für mich ein nährender Künstler, der Kunst-Orte schafft, Oasen der Seele und der Sinne.

Eine Kraftquelle. Sehr zu empfehlen!

http://www.gratianusstiftung.de/


Science Fiction
...Gestern hörte ich: Sciene Fiction.
Man befindet sich im Jahre 47998 und reist mit millionenfacher Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxien. Doch offenbar ändert sich nur die Kulisse für eine, auch noch in dieser späten Zukunft noch immer ungebildete, gierige und unbeherrschte menschliche Natur. Noch immer gibt es Mord und Schliche, Grausamkeit, Voyeurismus und jenes Prinzip, wonach der Gute am Ende gewinnt, nachdem das Böse für gute Unterhaltung gesorgt hat.


Geplantes "Tier-KZ"
...Der Vertreter eines großen Hühnermastbetriebs, nannte in seiner Präsentation diese Art der Hühnerhaltung „konventionell“, obwohl diese Form der gezielten „Produktion von Frischfleisch“ erst seit den 60er Jahren aus Amerika importiert wurde.
39990 Hähnchen werden etwa in Monatszyklen aufgezogen und geschlachtet, wobei das Ziel - damit es sich wirtschaftlich lohnt – ca. 120000 Tiermorde im 40-Tage-Zyklus vorsieht.
Der Betrieb soll hier bei Hohenstadt installiert werden soll, als Folgeobjekt einer Biogasanlage die diesen Betrieb wegen seines Mistes aus ökonomischen Gründen „braucht“.
Wenn ich nicht schon vegetarisch leben würde, ich hätte mich nach dieser Präsentation, die selbstverständlich die Vorschriften des Tierschutzes einhält, gewiss dazu entschlossen.

Ein Beispiel für weltweiten Missbrauch. Die Natur wird nicht geachtet, sondern verzweckt, zerrr-zweckt. Das Ganze wird partiellen Interessen geopfert. Geopfert? Welchem Gott? Oder besser: welchem Götzen?

Die Geschenke der Schöpfung, ob Wasser, Pflanzen, Tiere, oder Mineralien, sind der Jagd preisgegeben und werden von Interessengruppen erbeutet und erlegt, die ihrerseits unreflektierte Marionetten der Gier sind.

Sie kennen und wollen keine Solidarität mit Natur und Menschheit als Ganzem und haben noch nicht begriffen, dass sie zu einem Körper gehören.
Sie verhalten sich so, als müsse das rechte Auge dem linken Ohr seine Nahrung stehlen, oder als müsse das rechte Bein dem linken die Blutzufuhr unterbinden, um es dann wieder, gegen Zoll- und Lizenzgebühr strömen zu lassen.
Sie meinen aus Individuen Massen machen zu können, um sie als Verbraucher, als Absatzmärkte und allesfressende Endverbraucher zu nutzen.

Ihr höchstes Ziel, Geld zu machen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wirkt, so mächtig es auch auftritt, doch jämmerlich und schrecklich hilflos zugleich.

der eine Körper Menschheit

Als wüssten wir noch immer nicht, dass die Erde EIN Planet ist und unsere Chance und Aufgabe darin besteht, endlich zu begreifen, dass wir zu einem hoch-komplexen und hoch-differenzierteren, aber eben doch zu EINEM! Körper gehören.

Das wissen zwar viele, sie leben und handeln auch danach, doch ist es schwierig, denn es beschleunigt sich zugleich und aggressiv das Gegenteil.

Konzerne, Staaten, Regionen und Systeme, Clans und Einzelne raffen, was zu raffen ist, vom Ganzen, in ihren partiellen verpanzerten home-Getto-security-Zentralen, in deren inneren Ringen sie künstliche Paradiese simulieren.

Was gibt das dann für einen Körper? Keinen!
Stattdessen: Osiris, der zerstückelte Gott, immer wieder. Immer wieder. Wo ist hier der allzeit beschworene Fortschritt zu verzeichnen? 

Alle diese "Marionetten- winner" gewinnen letztlich ihre Niederlage und besiegen den einzigen lobenswerten Gewinn: den Frieden, die Freude, die Liebe.

Es sind Söldner des Verlustes. Ihr Auftrag lautet: Ver-NICHT-ung. Es sind "Loser" schon von Anfang an, denn sie kappen die Verbindung zur Quelle der Kraft des Ganzen.

Sie müssen sich abbunkern, ein- oder ausschließen. Sie leben in verdrängter Angst und veranstalten, um sich von der Tristesse abzulenken, aufwendige grellbunte und skandalöse Abwechslungswüsten.

Gewinn vedient diesen Namen nur, wenn er förderlich ist,  wenn durch den individuellen Erfolg auch der Andere, und das Ganze genährt wird. Alles andere ist Raub, Beute, das auf einem gut trainierten, und doch evolutionär hoffnungslos veraltetem System basiert.

Wenn es uns als Menschheit nicht gelingt diesen Cod des Überlebenskampfes in unseren Genen umzupolen, zugunsten einer komplexen, differenzierten und farbigen Weltgemeinschaft, zerstören wir gerade mit dem Überlebenstrieb das war dieser erhalten will, uns selbst und die Umwelt.  Eine Umpolung ist nicht nur notwendig, sondern auch möglich  und für den einzelnen höchst beglückend, da es seine höchsten kreativen Potenziale aktiviert. Doch ohne Feindziel.

Die kreativen Potenziale werden heute noch vorwiegend für die Feindbekämpfung oder die Eroberung von Märkten eingesetzt, dieser modernen Art der Missionierung.  Sie dient, partiellen Zielen, nicht dem Ganzen. Nicht dem ganzen Körper, der die Gattung Menschheit nun einmal ist. Doch die Glieder dieses wunderbar vielfarbigen Körpers schlagen in epileptischen Anfällen wild gegen sich selbst, das eine Auge hasst das Andere, die eine Gehirnhälfte ist feind der anderen, der Bauch organisiert Gefühlstruppen gegen die Ratio und die Logik, diese schlagen zurück mit Statistiken und kalten entkörperten Zahlen.

Die Menschheit gleicht einen Kranken, einem Irren, oder hoffnungsvoller: einem Körper im Schlaf, der von Alpträumen geschüttelt wird.


Das Bewusstsein leidet noch immer an diesem ansteckenden Irr-Sinn eines Überlebenskampfes den noch keiner je gewonnen hat oder je gewinnen kann.

Kunst 

Es ist wohl nur durch „Kunst“ möglich innerhalb dieser kollektiven falschen hochdynamischen Lebensweise - die offiziell sanktioniert ist - weder aggressiv noch depressiv zu werden, weder mit dem Strom zu schwimmen, noch gegen ihn, sondern die Kreativität nicht für Zielgruppen oder persönlichen Ruhm, sondern für das Ganze einzubringen.

Eine Selbstverständlichkeit übrigens, und nichts besonderes, denn ein Künstler arbeitet schon immer und notwendigerweise als ein Ganzes. Alle Aspekte seines Wesens, auch die schlimmen, spielen eine Rolle in seinen Dramen, Musiken, Tänzen, Bildern. Lediglich wirtschaftliche Abhängigkeiten und persönlicher Ehr-Geiz zwingen viele Ruhmesaffen und Marktzombies zu werden.


Krebs

Das heutige Wachstumsverständnis ruft in mir unweigerlich das Bild der Krebszellen auf, die wuchernde Metastasen bilden. Deren einziges Ziel - die wissen was sie wollen! - ihre eigene Vervielfältigung ist. Sie bilden keine Orientierung auf ein höheres Ganzes hin aus, sie dienen nicht, sondern sie triumphieren bei jeder Zelle die sie erfolgreich geknackt haben. Sie brauchen sich nicht aufzuhalten mit solch sentimentalen "Schwächen" wie Verständnis oder gar Empathie. Krebszellen sind erfolgreich oder sie sind nicht. Es sind präzise kollektive Phänomene eines vom Sinn, von der Liebe, von der Dankbarkeit abgekoppelten blinden Erfolgs- und Wachstumswahns. (Wobei diese Krankheit in allen Menschen ausbrechen kann, denn wir alle haben eine gewisse Anlage dafür).

Diese räuberischen Zellen  zerrr-zwecken und zerrr-nutzen zerr-brauchen alle Schätze der Erde, des Himmels und der Seele. Sie kennen nur sich selbst und brechen in das Gesunde mit aggressiver Wucht-Wut ein, um mit dessen Lebenskraft das eigene, in sich hohle und sinnlose Parasitendasein, durch Vermehrung zu festigen.
Jeder Erfolg wird gefeiert und generiert die Lust und Kraft zu neuem Angriff auf neue Ressourcen.
Wohlstand wird hier Missstand, und fetter Genuss wird blöd machende Gewalt, letztlich gegen sich selbst. Denn wenn der Wirt stirbt, stirbt auch der Schmarotzer. Nur: der Schmarotzer merkt das nicht im voraus, weil er ja keinerlei Wahrnehmung hat über seine blinde Vermehrungssucht hinaus. Er ist aktiv und feiert Erfolge bis zuletzt. Das macht ihn fast beneidenswert vital.


Ägyptische Legenden
Jahrtausende alt. Auch eine Art Science fiction.
Dasselbe Stück der Zerstückelung des Ganzen in anderer Zeit. Die heute zeitgemäßen Bühnenbilder der Zerstückelung, z.B.: mit Hühnermastbetrieben, legen damit eine Jahrtausende alte, hochaktive Stagnation bloß.
In der ägyptischen Geschichte wird der Gott Osiris, der für die Einheit steht, von seinem Bruder Seth getötet und zerstückelt. Isis seine Göttin-Gemahlin, sammelt seine verstreuten Teile liebevoll ein und vervollständigt ihn wieder zur Ganzheit seines umfassenden Körpers. Mit ihm zeugt sie Horus, der schließlich Seth, den neidischen Zerstückler, besiegt. Ende. Oder schon wieder der Beginn eines neuen Dramas?

So haben auch Urbilder etwas Zukünftiges in sich, da sie noch immer nicht verwirklicht sind, obwohl wir sie seit Jahrtausenden kennen und in alten Hieroglyphen und Sanskrittexten lesen.

Offenbar, ja unübersehbar, gibt es zwei voneinander unabhängige Entwicklungen.
Die des äußeren Lebens und die des inneren. Und offenbar rast die äußere raketenschnell in orientierungslose Zukünfte, während die innere kümmert, verkümmert, und wuchernd stagniert.
Das Innere des Menschen gleicht mehr und mehr einer, in der Speisekammer vergessenen verschrumpelten Kartoffel, aus der vitale Triebe wachsen, die sich im roten Verpackungsnetz verschlingen.

Der innere Baum
Was tun?

Jeder Mensch kann sich immer und überall auf den eigenen Schatz, die Lebenszeit, die Aufmerksamkeitskraft besinnen, und am inneren Arbeitsplatz die Werktage und Werknächte nutzen, das Fragmentieren, Zersplittern und Zerstückeln los-zu-lassen; sein-zu-lassen!

Jeder Mensch kann aus dem Main stream raus und ans Ufer seines Herzlands steigen. Kann lernen in ihm nur zu baden, ohne sich mitreißen zu lassen, oder gegen ihn anzukämpfen.

Dort, in seinem eigenen Körper-Land, das er Kraft Geburt hat und ist, kann er seinen Ableger vom Weltenbaum ins eigene Sein pflanzen. 
Kann diesen pflegen, schützen und wachsen lassen, bis er so groß genug ist, um auch seinen Wirt zu beherbergen, zu bergen.

Denn dieser innere Baum wächst nicht nach dem Prinzip des Schmarotzers.
Dieser Gast im Inneren ist kein fressender Götze, der sich von der Substanz seines Wirtes nährt, sondern ein Gott, der wächst.
Der Erde, in der er gedeiht, verleiht er schließlich Flügel der Freude, der Kraft und des Friedens und erhebt seinen Wirt irgendwann zu sich.
Das allerdings kann man weder kaufen, noch delegieren, noch erjagen, noch erbeuten, noch konsumieren.
Es ist Gnade und Geschenk und kann nur in vorbereitetem Grund gedeihen.
Und diesen Grund zu beackern, zu reinigen und zu durchlichten, das ist es was der Wirt zu leisten hat, täglich, stündlich, immer. Doch schon das ist Glück – und: hohe Kunst.


Zwei weiße Kraniche
...am Tag als der Himmel frei und ohne Flugzeuge war, sahen wir zwei weiße Kraniche über dem See kreisen...Spuren zeitloser Schönheit schrieben sie in ins Blau.
Sie segelten über unseren Augen und zeichneten Botschaften erhabener Freude.
Dann landeten sie auf einem hohen BaumWipfel im Hyroglyphen-Wald unserer Herzen.

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