Freitag, 12. Februar 2010
Mittwoch, 10. Februar 2010
KUNST KLOSTER Seminar Info
Alfred Bast "rhythmische Stille" Zweige auf Leinwand 110 x 140 cm 1999
Wochenendseminar
KUNST KLOSTER - "Zeichen der Stille"
19.02.2010 - 21.02.2010
Beginn Freitag 18:30 Uhr
Ende: Sonntag 13:30 Uhr
Ankündigungstext:
„Kunst, die nicht primär kommerziell ausgerichtet ist, bildet die inneren Vermögen heraus“, sagt Alfred Bast, der Begründer des KUNST KLOSTERS.
KUNST KLOSTER beschreibt den Raum, in dem beide zusammenkommen: Die Kunst als freie schöpferische Handlung und das Kloster als der Ort der inneren Sammlung.
Hier wird Kunst verstanden als Erkenntnisprozess und als eine innere Haltung des schöpferischen Menschen.
Das KUNST KLOSTER ist ein geschützter Raum, um die Reservate des eigenen schöpferischen Potentials durch künstlerisches Tun zu fördern.
Dabei ist nicht Neuigkeit, sondern Erneuerung das Ziel.
Im Seminar erkunden Sie Ihre inneren Räume – künstlerisch, spielerisch leicht, besinnlich.
In einer inspirierten und zugleich geschützten Atmosphäre gelingt es, sich der inneren und äußeren Natur zu öffnen, sie als Sprache zu entdecken und zum Sprechen zu bringen.
Dinge aus dem nahe gelegen Wald werden gesammelt und verdichten sich in Gestaltungsprozessen zu Zeichen und seelischen Ausdrucksformen.
Sie üben sich in der Kunst der Wahrnehmung und öffnen sich - in konzentrierter Gelassenheit – Ihrer intuitiven Intelligenz.
Veranstalter: Hohenwart Forum gGmbH
Referent: Alfred Bast
Anmeldung erforderlich: gerke@hohenwart.de
Kosten: Kursgebühr 180,00 Euro
Übernachtung, Mahlzeiten, Getränke
und Tagungspauschale 148,25 Euro
EZ 14,00 Euro
http://www.hohenwart.de/seminare/termininfo.htm?tm=921
Sonntag, 7. Februar 2010
Sonntagsnotiz
Nebel, die in wenigen Metern über dem Schnee kristallieren und sich in feinster Umhüllung um die Äste der Bäume legen - dort in filigraner Schönheit glitzernd erstarren - verwandeln die Landschaft. Jeden Moment ist sie anders. Heute am Sonntag wohnt die Stille in ihr, ein weiter Atem und ein frischer Raum. Manchmal kommt die Sonne durch, wie ein heller Vollmond. Die Landschaft träumt.
Mittwoch, 3. Februar 2010
Eingeschneit

Eingeschneit
...es ist drei Uhr morgens. Ein Sturm braust ums Haus. Hohe Schneewehen versperren die Zufahrt. Bin eingeschneit mit "Baste", dem Kater.
Bilder zu denen es weder eine Idee noch einen vorgefassten Plan gibt. Oder anders gesagt: dieser Plan und diese Idee bestehen, doch wie im Dunkel. Sie werden erst durch das Malen sichtbar.
Das Bedürfnis zu malen, die Lust bildnerisch zu tanzen, sich aus der Ruhe in Bewegung zu setzen genügt für den Beginn. Der tänzerischen Bewegung geht es nicht darum eine Strecke von A nach B zurückzulegen, sondern um einem Zustand Ausdruck und Gestalt zu verleihen.
Beim Malen (oder ist es mehr ein Zeichnen?) hinterlassen die spontanen, raschen tänzerischen Bewegung, mit den Werkzeugen - dem Filzstift, dem brennenden Holzstock, der Kreide, den farbigen Pinseln, den Walzen und Schwämmen - Spuren auf dem weißen Grund.
Spuren die sich verdichten zu etwas Vertrautem und doch Unbekannten, zu Chiffren und Zeichen. Wie Fährten im Schnee.

Frische Fährten, die von unbewussten Impulsen, aus den unzugänglichen Gegenden evolutionärer tierischer Herkunft zeugen. Fährten auch, die sich aus wechselnden Gefühlsbewegungen zu Gestalten figurieren. Zu Gestalten, die bald dem kritischen Blick, dem zweifelnden, distanzierten analysierenden und bewertenden Auge, standhalten müssen.
Die Schwelle, von der Instinktsicherheit beim spontanen Malen, zum rationalen Bewusstsein, bewirkt sofort eine Stockung der Bewegung. (Was erst nach einer gewissen Zeit sinnvoll ist). So wie ein Dirigent bei den Proben den Fluss der Musik nur stoppt, um eine bestimmte Stelle bewusst zu machen, und damit einen präziseren Ausdruck zu erreichen.
Die mentale Instanz in diesem Prozess ist für den kritischen Überblick zuständig, dafür, dass nicht schon die Begeisterung beim Tun bereits mit einem nachhaltig gültigen Ergebnis gleichgesetzt wird. Solche kritische Distanz hat die Aufgabe, den spontanen Ausdruck zu präzisieren, und ihm die Kraft und Sicherheit des Überblicks einer Choreografie zu übertragen.
Die kritische Distanz ist kein Selbstzweck, keine mentale Behinderung des kreativen Strömens, auch wenn das zunächst so erscheint, sondern eine notwendige und hilfreiche Prüfungsinstanz, um den persönlichen subjektiven Ausdruck in eine überpersönliche, intersubjektive umfassendere Gültigkeit zu steigern.
Mit welchen Ziel? Wozu das Alles? Aus Langeweile, weil ich eingeschneit bin? Malen als Beschäftigungstherapie- und jetzt auch noch das darüber Schreiben? Hmm...Gewiss freut es mich, wenn jemanden etwas mit meinen Sachen und Texten anfangen kann.
"Anfangen"? ... dieses Wort bringt mich auf eine heiße Spur - wohltuend bei der Kälte - Vermutlich hat das Malen mit "fangen" zu tun. Von Fährten und Spuren habe ich ja schon geschrieben. Und ein Fährtensucher will ja was fangen. Kunden vielleicht und Ruhm und Anerkennung etc.
Gut, ich habs: bin mir auf die Spur - auf die Schliche - gekommen, und teile das freimütig und leichtsinnig mit.
Ich male die Bilder damit sie gefallen - als Fallen also.
Ich male so, dass sie nicht widerstehen können und in die Spuren des bildnerischen Tanzes eintreten, wie in einen geöffneten Raum, auf dessen Boden ästhetischer Honig fließt. Den mögen sie. Darauf reagieren sie. Schönheit ist ihr Elixier, ebenso die Freiheit. Doch Ach!, eitler Mensch!, Ach! und wieder Ach! Welche von uns gemachte und erstellte Schönheit könnte sie, diese Großen Lichten, Hohen schon reizen, wenn sie nicht unsere vergebliche Mühe mit ihrem milden Sinn als dunkelstes Licht in ihrer Helle, als ein mageres Glimmen erahnten und es berührten? So wie man trübes Wasser prüft, indem sie mit dem untersten Zehen ihrer Unermesslichkeit hineinfußen in die wasserfarbigen Spuren? Für sie ist das nichts weiter als ein chaotischer Urschlamm aus evolutionärer Schwere. Einer Schwere die sich innerlich hoch stemmt, wie einst der Vierbeiner äußerlich in die Aufrechte (...und heute über Rückenschmerzen klagt...). Sie helfen, dass sich der Mensch nach oben erinnert, nicht nur nach hinten-unten. Es gibt Engel die Erziehen. Sie haben eine Engelsgeduld, denn wir sind schwer erziehbar. Lassen uns ungern ziehen noch schieben. Das bisschen Sehnsucht das sie uns einpflanzten, verschleudern wir allzu oft billig am Kiosk der kleinen Bedürfnisse für ein Werbe-Los - meist sind´s Nieten, besonders die Gewinne. So müssen dann die geschäftigen Teufel mit ihrem Brennen schieben helfen.
Wenn also, trotz all dem, entgegen aller Wahrscheinlichkeit und - versteht sich von selbst - außerhalb rationaler Vernunft (...es gibt glücklicherweise noch eine überrationale Vernunft...) etwas von ihnen erscheint - und dieser Schein ist kein Schein, sondern echt - dann nimmt der Maler - selten genug - etwas wahr von ihrem friedvollen mächtigen Glanz, ihrer sonnenhellen farbigen Freude, ihrem klingenden Wesen, das tatsächlich unaufhörlich in immer neuer Weise das Lob Gottes singt, ohne sich je zu wiederholen.
Dann mach ich herzkopfrasch die Tür in meiner Falle zu , will sie fangen und: - weg sind sie. Sie lassen sich nicht einfangen. WEG sind sie - heiter lachend - WEG sind sie und WEISER als ich. WEGWEISER. Ich lockte sie an, sie locken mich aus meiner eingeschneiten Enge heraus. Wenn ich denke, ich spielte mit Ihnen, ist es ihr Spiel mit mir, das ich entfernt ahne. Oder ist es mein Wunsch, dass es so wäre, um mir wenigsten einbilden zu können, dass ich in ihrer Gegenwart überhaupt existiere? ...Das wissen die Götter. Und die gibt es nicht, wissen die Atheisten.
Jetzt lachen auch wir zusammen, die Atheisten und ich, und bin motiviert zu einem neuen Bild, einem neuen Fange-Spiel, einem neuen Tanz-Schritt. Nochmals: Anfangen. Immer am Anfang. Sysiphos sei ein glücklicher Mensch, schrieb Albert Camus. Den Stein hab ich heut Morgen schriftlich auf den Berg gerollt, jetzt hurgelt er den googleBerg runter. Schön anzuschauen wie er sich vernetzt. Er rollt weit, verzweigt sich und der Stein wird zum Baum. Virtuell wenigstens.
Derweil ich also mit dieser weltfremden Tätigkeit des Steinerollens und Engelfangens beschäftig bin, während ernsthafte Leute echte Kriege mit echten Toten, sogenannten "Opfern" führen, die Welt vor Feinden, Kummer und Sorgen - gegen eine geringe Gegenleistung versteht sich - beschützen, und ihre Beute zinsbringend vergraben, unterhält sich Baste, der Kater auf seine Art.
Er beobachtet aufgeregt und frustriert ein Mäuschen, das ungeniert die Körner vor seinen Augen frisst - weil ein Fensterglas dazwischen ist.
Was das wohl sagt?
Wenn wir noch länger eingeschneit sind, werden wir es vielleicht ergründen.
Vielleicht kommt, was es zu bedeuten hat, als spontane Einsicht einfach so hereingeschneit. Könnte sein, denn wenn ich aus dem Fenster schaue schweben große weiße Flocken wie Federn herab. Wenn das nicht Engelflügelfederchen sind aus Himmelbetten, die Frau Holle da ausschüttelt, dann will ich Bast heißen, fast so wie mein Kater.
Samstag, 23. Januar 2010
Nachruf
Prof. Hans-Gottfried von Stockhausen
Auf dem Weg zur Beisetzung von Hans Gottfried von Stockhausen, in seiner Heimatgemeinde in Buoch im Remstal, hörte ich in den Nachrichten, dass unzählige Menschen in Haiti, aus der verzweifelten Situation heraus, ohne Beerdigung, ohne Namen und Identifikation in Sammelgräber geschüttet würden.
Dieser zeitgleiche Zusammenhang, wie ein letzter Weg so gegensätzlicher Art sein kann, ging mir bei der würdevollen Trauerfeier des verehrten Lehrers nicht aus dem Sinn.
Deshalb nahmen wir, als ehemalige Studierende, die Idee von Angelika auf, für Haiti zu sammeln und den Betrag in seinem Namen zu überweisen.
Mit dieser, viel zu kleinen Geste, möchten wir unseren vorbildlichen, ja warum es nicht sagen: geliebten Lehrer würdigen.
Aber auch dadurch, dass wir uns, nach so vielen Jahren, neu begegnet sind.
Wir brachten sein pädagogisches Wirken an uns zu Sprache, und sagen von Glück einem so tief und positiv prägenden Menschen, Künstler und Lehrer begegnet zu sein.
Er schenkte uns sinnhafte Orientierung, über die Zeit des Studierens hinaus, die wir, jeder auf seine spezifische Weise, in unser Tun mit einbeziehen.
In dankbarer Erinnerung
Alfred Bast
Andreas N. Franz
Bernhard Herzig
Ursula Huth
Erkia Megyeri
Albrecht Pfister
Angelika Müller-Ottenbreit
Louis Schäfer
Regine Schönthaler
Sam Szembeck
Donnerstag, 14. Januar 2010
Hans-Gottfried von Stockhausen
Foto: Ada von Stockhausen-Isensee, Quelle Wikipedia
Am 8. Januar diesen Jahres ist Hans-Gottfried von Stockhausen gestorben.
Er war einer meiner wichtigsten Lehrer. Nicht nur in Sachen Kunst sondern auch als Mensch. Von 1970 bis 1975 studierte ich bei ihm an der Stuttgarter Akademie.
... Er gehörte zu jenen wenigen, auch pädagogischen Künstlern, die im Studenten sich nicht selber spiegeln und fortsetzen wollen, sondern diesen dort erreichen, wecken und ansprechen, wo er noch im Eigenen schläft.
Zu seiner derzeitigen Ausstellung in Schwäbisch Hall bin ich aus Berlin, speziell zur Eröffnung, am 4.12. 09 angereist. Und auch jetzt, an seinem Todestag, war ich wieder auf der Rückfahrt von Berlin in den Frauenhof. Das ist nicht wichtig und doch: die beiden Rückreisen sprechen eine feine Sprache. Nicht im Sinne einer bedeutungsschweren Übereinstimmung, sondern als Tatsache. Auf solche feinen Übereinstimmungen, die das Leben spricht, hatte auch er ein aufmerksames Auge.
Es war mir dringend ihn und seine Werke in Schwäbisch Hall zu sehen. Ich fuhr ohne Pause und kam ein wenig zu spät, doch noch rechtzeitig um ihn und seine Arbeiten, die mich sehr beeindruckt haben, zu erleben.
... Da ist einer der aus einer tiefen Glaubensquelle schöpft. Einer Quelle, deren Wasser noch nicht in religiös-ideologische Flaschen abgefüllt ist, sondern dem Maler frei aus der Hand sprudelt, notierte ich in mein Skizzenbuch.
Von ihm lernte ich viel, auch aus seinen Erzählungen über die verschiedenen Kulturen die er kannte. Immer montags in der Akademie. Das war für mich der wichtigste und oft einzige Termin dort . Dann fuhr ich wieder zurück nach Laubach aufs Land und malte in meinen Häuschen weiter.
Von ihm lernte ich auch Toleranz und: dass man hier nie auslernt. Er war einer jener seltenen deutschen Männer meiner Vätergeneration, die ich kennenlernen durfte, die das Dritte Reich nicht zerbrochen, nicht korrumpiert, sondern zutiefst erschüttert hat. Es gab nicht viele Männer, als magere Orientierung für die jungen aufgewühlten 68er Studenten, die stark genug waren, ihre Erschütterung nicht verbergen zu müssen. Die in der Lage waren sie glaubwürdig zur Sprache zu bringen.
Er hat mich für die Studienstiftung vorgeschlagen und in diesem Zusammenhang habe ich ein Auslandsstipendium nach Pondicherry/Auroville, in Südindien erhalten, das mich entscheidend prägte. So sei mir dieser ganz persönliche Bezug und Dank erlaubt. Ich weiß und erwähne es gerne, dass ich nur einer von vielen war, die er auf ähnliche Weise gefördert hat. Ich möchte sie hier alle mit bedenken. Er war ein großer Lehrer, aus diesem Blick nahm ich ihn primär war. In Schwäbisch Hall erstaunte ich ganz neu über den großen Künstler, den er nie in den Mittelpunkt seines Unterrichts stellte. Obwohl er präsent war. Vor allem im Zuhören, Begleiten und seiner großräumigen Fähigkeit durch Fragen, nicht durch dogmatische ästhetische Postulate, das Potenzial der Studenten zu öffnen und ihm Richtung aufzuzeigen, nicht vorzuschreiben. Es war ein Glück bei ihm, von ihm zu lernen, und wie mit der Toleranz, so hört auch ein solches Lernen nicht auf.
Wir freuten uns beide sehr, uns in der Ausstellung in Schwäbisch Hall wiederzusehen, das darf ich so schreiben. So pur wie es war. Denn in den Jahren ist eine Freundschaft gewachsen. Er saß im Rollstuhl und seine Augen waren trotz der großen Anstrengung klar. "...wie geht's Dir..." fragte er. "...immer am Anfang, immer am Anfang..." sagte ich. Und er meinte: "...das sind wir doch alle...". Ja! Immer am Anfang. Auch er. Jetzt.
... Das Licht das durch seine schönen Glasfenster- die bleiben werden- strahlt, leuchtet nun auch - in meiner Erinnerung - farbig, warm und inspirierend durch seine Person .
Wie wunderbar ist doch die Kunst und der Mensch, wenn sie transparent werden.
Er hat - in meinen Augen, die durch ihn geschult wurden - seinen Namen erfüllt und durchlichtet.
Hans-Gottfried von Stockhausen.
Die Ausstellung in Schwäbisch Hall im Hallisch-Fränkischen Museum ist höchst sehenswert, für alle die von Kunst genährt und nicht nur informiert werden wollen. Sie dauert noch bis zum 28. Februar.
www.glasbild.com www.schwaebischhall.de Hans-Gottfried von Stockhausen Licht Sinn Raum
Dienstag, 12. Januar 2010
Gesichter

Gesichter
... Wieder zurück auf der Bildschirmoberfläche. 14 Tage lang war ich außerhalb vom Netz und habe es nicht vermisst. Ging "in mich". Da ist viel los. In jedem Gehirn gibt es so viele Nervenzellen mit unzähligen Kontaktmöglichkeiten, dass diese die Zahl aller Atome im gesamten Universum übersteigt, hörte ich. Was für eine Dimension unter meinem und Deinem Dach. Sie zu eröffnen ist mein Beruf. Kunst und Yoga. Die offizielle Kunstwelt mag diese Verbindung nicht sonderlich. Esoterikverdacht. Ein Vorurteil das sich etabliert hat, und das bequem ist und flach, wie jedes Vorurteil. Als sei jeder marktschreierische Hokuspokus dasselbe wie ein echtes Gebet. Aber gut, das ist eben so. Einen gewissen Preis an Ablehnung solcher Haltung bin ich bereit zu zahlen für den Luxus relativer Unbekanntheit die nötig ist, um ungestört in diesem Feld zu arbeiten.
... An Sylvester malte ich die Nacht durch. Ein großes rhythmisches Bild.
... Jetzt also wieder bloggen...´das ist wie die sieben Stufen aus meiner Berliner KunstKlosterZelle hochgehen und auf die öffentliche Straße treten.
Da liegt ein zerkrachter Böller vor der Tür, dort fährt ein Auto und über die Straße geht ein Mann den ich nicht kenne, sowenig wie er mich. Dennoch teilen wir den selben Raum und bilden eine Begegnungskreuzung in KreuzBerg. Wir haben das Fremde gemeinsam. Und die Spanne zwischen Annäherung und Ignoranz.
... Die Schnittstelle, der Übergang zwischen Individualität und Kollektiv, ist ein körperlich erfahrbarer. Kaum trete ich aus meiner Wohnung auf die Straße, werde ich zur statistischen Wahrscheinlichkeit. Bin nicht mehr grenzenloser Innenraum, sondern ein Mann in einem bestimmten Alter, mit bestimmtem Aussehen und Auftreten.
Ich trete nach Außen und entäußere mich sofort. Das heißt: ich reduziere mich auf äußere Signale und Zeichen und reduziere andere ebenso auf solche. Das ist als würde ich in meine Kleider steigen die Kleider spazieren tragen und darin unterwegs sein wie in einem Auto. Indirekt erlauben die Kleider Rückschlüsse. Es ist befreiend in Arbeitskleidern unterwegs zu sein. Sie erklären sich selbst. Kleider kommunizieren miteinander, Marken oder eben Nichtmarken registrieren sind wie Scanner, wie laufende Videos, die aufnehmen und registrierten ohne zu halten, ohne einen Vermerk und doch bleibt eine Spur in der Erinnerung. Es kann zurückgespult werden.
In den Straßen und Kaufhäusern bleibt mein Gesicht anonym. Wie das der andern auch.Ich fühle das auf der Haut, suche Spiegel um michmeines Gesichtes zu vergewissern. Es reflektiert kein Du. Viele Gesichter sind ins Handy vergraben und beleben sich auf intime und zugleich unnahbare Weise. In den Gesichtern erkennt sich das Unbekannte und es schaut rasch weg. Fremde Gesichter sind zugleich Annäherungen an bekannte. Alle kennen sich auf einer Ebene die nicht so leicht zugänglich ist. Die Gattung Mensch hat ein eigenes gemeinsamens Auge, das durch die indieviduellen Pupillen linst.
Zwischen den Gesichtern sind Schichten von Fremdheit in denen sich die Vorstellungen voneinnader im Vorübergehen einnisten. Wenn nicht die Schutzingnoranz einen Aufnahmestop wegen Überflutung verordent hat. Ein jedes Gesicht ist eine Zeichnung, ein Zeichen. Eine Zeichnung in der der Betrachter liest und deutet. Lebendigste BildSchrift. Ägyptische Hyroglyphe.
Das Gesicht der Nofretete weckt andere Gesichter auf. Ihr Blick strahlt aus einer Ferne in eine Ferne. Sie teilt den Raum und die Zeit nicht mit uns. Sie teilt uns nur mit, dass sie auch hier ist, ohne anwesend zu sein. In voller Schönheit und Majestät. Wir glauben nicht dass sie da ist, denn wir wissen, dass sei längst nicht mehr lebt. Und doch. Ewigkeit ist keine verlängerte, ins Unendliche ausgedehnte Zeit, sondern zeitlose Präsenz. Sein ohne Zeit also? Das aber ist widersprüchlich. Das gibt es nicht in der Zeit. Da wir in der Zeit sind und leben, gibt es also keine Ewigkeit?
Nofretete sagt nichts dazu. Sie schaut aus einer Ferne in eine Ferne und ist präsent. Ich zeichne sie. Gezeichnete Gesichter prägen sich tiefer ein. Ihre Schichten und Überlagerungen werden transparenter.
Seit wenigen Tagen wieder zurück. In den großen Ateliers. Raum in der Natur. Das Gesicht der Natur wird die nächsten Wochen wieder Thema sein. Und die vertikalen Überlagerungen.

