Donnerstag, 13. November 2014

die verkehrte deutsche Fahne




Die deutsche Fahne
hat die Farbsymbolik
eines gedeckelten Vulkans


13. 11. 2014 ...wieder in Berlin.

25 Jahre nach dem Mauerfall. Damals war ich auch hier.  In Hohenstadt habe ich vor Glück weinend die Erde geküsst. 
Dann extra hergeflogen und die Tage der Maueröffnung in Berlin verbracht.
Ein so großes historisches Ereignis, eines von den wenigen in der Weltgeschichte ohne Gewalt mitzufeiern, nach dem Wahnsinn der zwei vorangegangenen Kriege, die von Deutschland ausgingen, was für eine Wende und Verwandlung! 

Als deutscher Künstler auf dieses erfreulich-tiefgehende nationale Geschehen mit internationaler Dimension zu reagieren war selbstverständlich.


Im April 2001 schrieb ich
an Bundespräsident, Bundeskanzler, Spiegel, Frankfurter, Süddeutsche, Stern etc.

"Ich bin als Künstler, sensibel für optische Signale und deren Hintergründe, und als deutscher Mensch mitverantwortlich für das was in diesem Land geschieht. Deshalb beschäftige ich mich mit dem Phänomen des aktuellen Schwarz-Rot-Goldenen-Selbst-Bewußtseins und möchte einen kreativen Vorschlag dazu machen.

Symbole wirken weiter und tiefer als Argumente. Sie berühren die unbewussten Schichten.

... Wir geben der Wende ein historisches Symbol und wenden die Farben der deutschen Nationalflagge einfach um. "

Keine Reaktion von niemanden. Das landete in Sekretariatspapierkörben nehme ich an. 

Nun 25 Jahre nach dem Mauerfall, nun auch teilweise in Berlin lebend, kann ich zumindest diese Info per Internet nochmals verbreiten, vor allem weil ich später zu meiner Überraschung erfuhr, dass diese Reihenfolge die ich damals vorschlug, auch die historisch die Ursprüngliche ist.
Ein Freund schickte mir den Link zum Wikipedia.








Die Farbwirkung:

Schwarz oben 
Rot in der Mitte  
Gold unten 
wie sie bei der deutschen Fahne angeordnet ist, visualisierte einen Zustand des permanenten Drucks von Oben nach unten. 
Die lichten Qualitäten der Goldgelben Farbe, die für Freiheit, Bewußtsein, Feuer, Freude und Reichtum stehen werden gedeckelt. 
Die goldgelbe Qualität kann so nicht nach oben wirken. Sie ist aber aktiv, das ist ihre Natur, und verwandelt notgedrungen die Mitte, das Rot, in eine explosive Stauzone, der die schwarze Decke zu sprengen versucht. Ein unablässige Spannung mit sich selbst ist die Folge.







Die deutsche Fahne
hat die Farbsymbolik
eines gedeckelten Vulkans

Das ist eine Farbformel für:
Unterdrückung
Stau
Lähmung

Gerhard Richter hat in seinem Kunstwerk für den neuen Reichstag die Farben der Fahne zwar immerhin in die Vertikale gebracht, aber der entscheidende Schritt steht noch aus. 

Der wäre:
Gold oben Freude
Rot mittig         Dynamik
Schwarz unten Stabilität

Das ist eine Farbformel für: Stabilität, Dynamik und schöpferische Freude.

Warum sollte sich das nicht ändern lassen?




und noch was:

Als ich an diesem Text arbeitet und Bildmaterial suchte, kam mir spontan die Idee das mit einem nach dem Symbol eines des "gefällt-mir-Daumens" zu visualisieren. Ein paar Häuser weiter, in Kreuzberg hat ein Laden eröffnet: "Body painting" 

Ich ging hin um mir Farbe zu besorgen. Der freundliche Matthias v. Muschka malte mir nicht nur mit sensiblen Händen meinen Daumen in der gewünschten Reihenfolge, (der bemalte Maler, das war ein echtes Vergnügen) sondern fotografierte das Spontaergeinis auch noch gleich in seinem professionellen Fotostudio.

Zudem fand er die Idee so gut, dass er vorschlug dass jeder der zu ihm kommt, sich einen solchen symbolischen Daumen malen lassen kann,  für 5 Euro bekommt. Also nichts wie hin! ;-)

maTusch 
Schminke Kunst Verwandlung 
Zossenerstr. 14 - 10961 Berlin 
tel 01722133312

Fotos: Matthias v. Matuschka und KunstKloster




Nachtrag:







14.11.14
Die Reaktion eines klugen Freundes, dass er die Flagge so wie sie sei, irgendwie doch in Ordnung fände, konnte ich nachvollziehen. Sein Argument: wir müssten von der dunklen Geschichte die wir nun einmal hätten, durch feurig-flammend-rote Selbsterkenntnis hinabtauchen, bis wir beim Goldgrund des reinen unverdorbenen Bewußsteins, leuchtete mir ein. 

Doch was, fragte ich ich ihn, machst Du wenn du unten angekommen bist? Dann wirst Du doch wieder hoch und das Schwarz durchdringen, wie der Löwenzahn eine Betondecke - oder? 

So machte ich ihm, der sich tiefer und gründlicher als jemand anderer den ich kenne mit der deutschen Nationalseele befasst, im Kontext mit Auroville und mit Sri Aurobindos universellem Denken, den Entwurf, der auch für mich der visionärste ist. 

Die Fahne bleibt dabei wie sie ist.

Sie ergänzt sich jedoch um zwei Felder nach oben. Das blühende Rosen-Rot der Gärten und das himmlische Gold des göttlichen Bewusstseins und der Liebe. Nun sind es fünf und das Schwarz ist in der Mitte. 

In diesem Schwarz strahlt ein goldener Stern. Der symbolisiert den einzelnen Menschen. Denn jede Nation setzt sich aus einzelnen Menschen zusammen. Jede Person kann sich damit identifizieren, sie geht nicht unter in einem Kollektiv. Jede Person kann in der Nacht, auch einer kollektiven Verzweiflung leuchten für Andere. Wie das in der früheren DDR geschehen ist und immer geschieht, wenn sich Menschen gegenseitig helfen, und damit dem Ganzen.

Das ist jetzt der Entwurf der über eine bloße Wende der Fahne hinausreicht. Ich deponiere ihn hier, ein wenig versteckt, im digitalen Gedächtnis. Meine nationale "Künstlerpflicht" ist hiermit erfüllt. Ich wende mich wieder anderen Themen und Motiven zu.

Ich werde keine Aktion daraus machen wollen, schon gar keine humorlose blinde "Aktion" bei der "meine Idee" die richtige ist und alle andern die das nicht kapieren falsch liegen... nein, solche Sachen habe ich in meiner Jugend gemacht und lag extrem falsch ... und auch meine Nation ist leider "reich" an solchen Irrtümern.

Doch getan will es sein, das ist etwas das wichtig ist: getan will es sein auch wenn nicht einer außer mit es sinnvoll findet. 

... Der Stern in diesem Entwurf ist noch eher ein Sternhaufen, doch der ist auch noch jung und gärt, er wird schon noch ordentlich strahlen ...









Dienstag, 11. November 2014

"...das LETZTE!"





Jahresprojekt Wintersonnwende 2013

30. Oktober bis 21. Dezember 2013
314ster bis 367ster Tag

Buch 6/6

kann aufgeschlagen werden!






Year project winter solstice 2013
Book 6 can be opened!








Freitag, 24. Oktober 2014

GANZ und GAR aktuell


 QUITTEN 
MAL
EN





Der letzte Eintrag in meinen Blog war am 19. September 2014



Das schrieb mir heute meine „gelbe Freundin“.  Und dazwischen ist so viel passiert, dass es einfach keine Zeit gab darüber zu berichten. Auch jetzt kann ich nicht in den Rückspiegel schauen. Es geht zu fluxs voran. 

Zudem bin ich in Berlin, da musst Du wirklich aufpassen was auf Dich zukommt. 
Viele Leute eilen hier voran und die Vergangenheit rast, wie ein Schatten direkt hinterher, oder kommt schon als Zukunft entgegen. Das ist unübersehbar.

Überhaupt finde ich es spannend, wie rasch die Neuigkeit von heute sich verbraucht, und gleich darauf als "historisches Dokument" abgespeichert wird in  dunklen Servergrüften.
Das Internet ist extrem erwartungshungrig. Es will unablässig mit Infos gefüttert werden, sonst ist es „veraltet“. 

Der letzte Eintrag in meiner web-side „www.alfred-bast.de  war 2009. 
Mein Freund der das damals machte hatte einen: „ausgebrannt" einen "burn-out".
Damit wars erstmal vorbei mit der IMMERNETPRÄSENZ.

Ein andrer der sich gekümmert hat, musste sich dann doch um anderes kümmern, um das Training seiner Muskeln nämlich, (40 cm Umfang Oberam war das Ziel, er hat es inzwischen erreicht) und einen nächsten fand ich noch nicht. 
Ich suche jetzt  einen mit "burn-in" und meinetwegen 12 cm Oberarmumfang.
Doch da kann ich lange warten. 
Ja, das kann ich gut: lange warten, das habe ich gelernt.

2009 bis heute: 2014, und schon Oktober!

Ein Internetewigkeit, in der schon X Generationen an Aktualisierungen durch die Rechner stürmten, 
neue EI-fohns sich aus sich selbst gebären, obwohl die Henne eine Apple ist. 

Wunderbares geschieht auf der Welt. Neben all dem Andern.


Zum Beispiel, dass ich im Quittenrausch bin. Dass ich Quitten malte, wie jedes Jahr.


Als Künstler muss ich einfach immer was Neues bringen.
Quitten zum Beispiel.

Die gab es im letzten Jahr noch nicht! 
Das ist absolut frische Ware. 
Ja, hier kann ich wahrhaft wortspielerisch werden: das ist wahre Ware! 

Ich mache sie an mit Öl an.
Ölfarbe: 
Chromgelb, Kadmiumgelb zitron, Kadmiumgelb mittel, Neapelgelb, Medivagelb, Vanadiumgelb (tolle Namen, gell!?) und vielen andern Farben - alle ganz frisch ubgedatet.
Nur mit dem Computer sind sie nicht direkt kompatibel. 



Ich kann die schönen Ölfarben mit den poetischen Namen (verkauft sich besser, denn Künstler haben eine lyrische Ader) nicht unmittelbar auf den Tasten ausdrücken, sondern muss sie auf dem Umweg der Digitalisierung in Daten verwandeln, quasi zurück reduzieren auf 01-01-01-01, um sie auf der anderen Seite wieder hochrechnen zu lassen, damit sie dann von Innen her, schön belichtet, sauber auf Deiner Bilschirmoberfläche erscheinen, und sie nicht von Außen verschmieren.

Über diese Innerlichkeit der Computer werde ich ein andermal nachdenken. 


Jetzt muss ich schauen dass ich flott aktualisiere, 
sonst bin ich weg vom www (welt-weit-weg) Fenster 
und rutsche im Ranking des Regionalanbieters von Platz: 90094888399934 auf 90094888399935 zurück.

DOCH DIE WICHTIGSTE NEUIGKEIT, 
DASS MEINE TOCHTER IHR 4. KIND, LEANDER BENJAMIN AM 21. OKTOBER GEBOREN HAT 
DAS MUSS ICH UNBEDINGT NOCH EIN-BLOGGEN.


Freitag, 19. September 2014

19. September



...Der Morgen war frisch...
und die Nacht noch im Auge.

Meine nackten Füsse liefen über die nasse Wiese.
Ins Senkrechte erhobenen das halbträumende Ich.

Die Sonne flitzte durch den nahen Wald
und sprengte die herbstlichen Blätter mit Licht.

Meine Stimme begann zu singen.
Dann sah ich den Regenbogen - und er mich.








Mittwoch, 3. September 2014

" ... die Zeit ver_kommt immer schneller ..." Buch 5/6 Wintersonnwende


Wintersonnwende Nr. 7 

Buch 5 / 6

28. August 2013 bis 29. Oktober 2013   

 Reclam-Projekt










"...Die Zeit ver...kommt immer schneller..."

„...die Zeit ver geht immer schneller...“, so sagen wir. Dann müsste sie auch immer schneller kommen, logisch oder?  

Meine Katze kann das nicht mehr hören. Sie schläft einfach so lange bis die 
Vergangenheit vorbei ist und dann wacht sie - gegenwärtig - in eine frische Zukunft hinein auf....miaaauuuuu.....und streckt sich.

„In Wirklichkeit“ - so lehrt sie mich dann gähnend - „ist die Zeit mit sich selbst identisch wie das Wasser. Das ist zugleich gewaltiger Ozean, strömende Welle, einzelner Tropfen, Dampf, Wolke, Regen, Schnee und Eiskristall. - ... und jetzt ist eben Dein Buch vom letzten Jahr online! ... Wo ist das Problem - und vor allem: wo ist mein Futter?“

JETZT IST ES ONLINE ! ... na und?


...wer wirklich nicht lieber spazieren gehen will, oder selber malen und schreiben, oder wenigstens beten, wem es wirklich so langweilig ist. dass er, es könnte auch eine "sie" sein, nichts Wichtigeres zu tun hat als vor dem Bildschirm zu hängen, wie ich im Moment auch, um im Internet diese Seiten durchzublättern, dem kann ich nur meine bedauernde Gratulation aussprechen und ihm, es könnte auch eine "ihr" sein, zugleich meine Freude darüber eingestehen.


Viel Spaß! und viel Gruß!             Alfred Bast

Donnerstag, 17. Juli 2014

Schwäbisch Gmünd im HeimatLicht






Vor vielen vielen Jahren wurde ich einst in Schwäbisch Gmünd geboren. 
Diese Stadt war mir Nest, doch keine Heimat in der Entfaltung möglich war. 

Früh entfloh ich, denn hier wohnte ein quakender Dünkel. 
Im historischen Brunnen steckte eine dicke Kröte mit einer Krone auf dem Kopf. 
Sie war bei allen wichtigen Entscheidungen dabei und gab ihr quak...quak dazu. 

Vor ein paar Jahren wurde sie an die Wand gedonnert. Und es erschien der strahlende Prinz. 
Ein schöner Stauferprinz, der ein gewisse Ähnlichkeit mit OB Richard Arnold hat. 

Mit dieser Stadt geht eine faszinierende Verwandlung vor sich. 

Der lang geplante Tunnel wurde endlich fertig und leitet den Durchgangsverkehr unter der Erde hindurch. 
Die Landesgartenschau begann.

Sie ist ein Wunder, ist wunderbar!


Es gibt keine negativen Aussagen, außer, dass man es nicht an einem Tag „alles schafft“. 
Begeisterung rundum. Nur fragen mache gleich bedenklich: „was wird danach, wenn die Zäune weg sind?“ und: „so viele Schulden?“ ( ... krötet es schon wieder? ...)

Nebenbei: ein paar Panzer weniger, ein paar dieser Angstmaschinen, die dir auf auf großer Entfernung präzise dein Haus zerstören können, würden das locker wettmachen. Frieden ist immer vergleichsweise „billig“. 
Und mit kleiner Münze, die im Topf der Musikanten landen, wachsen Freude und Lebenssinn, nicht Hass und Vergeltung. 

Diese Rechnung scheint in der Welt noch nicht ganz klar zu sein. Oder doch? 
Mit Friede ist nicht so rasch Geld zu machen wie mit Krieg, und in Folge mit Elend und Not, weil alles mangelt. 

Es wird mit „großem Geld“ Vernichtung organisiert um einen teueren Wiederaufbau vorzubereiten und „neue Märkte zu erschießen, Pardon, erschließen“. 
Die „Sicherheitsfirmen“, spezialisiert auf "Schutz+Zerstörung" betreiben mit Tochterfirmen „Wiederaufbau“ und „Humanität“.

 „Gewinner“ sind die Agenten und treuen Vasallen der Gier. 
Verlierer sind immer die Kinder und Friedfertigen, denen der Makel angedichtet wird, sie seien „Weicheier“ und „Gutmenschen“. Wer will das schon sein? 

Kinder lernen früh die Magie der Gewalt, die vorgaukelt Problemlöser zu sein.
Der Stärkere überlebt - sei ein Naturgesetz, sagen Erwachsene und verhalten sich „natürlich“ entsprechend. 

Doch was ist das Stärkste, was überlebt? 
Ist das Stärkste was überlebt nicht die Angst. 
Frisst sie nicht Menschen und Tiere, Natur, Schönheit, Sicherheit, Hoffnung, Ideen, Begabungen und Lebenssinn? Angst nährt sich am liebsten von Liebe. Götterspeise. Angst weiß was gut ist.

Das haben wir als Kollektiv offenbar noch nicht kapiert. Oder doch? Warum bringen wir es dann noch nicht zur Wirksamkeit, und überlassen uns den ReGIERungen?

In Gmünd ist sie derzeit wie weggezaubert, die Angst. 

Größere Mächte, die erst auftauchen wenn Angst schwindet, zeigen sich. 
Vier Sterne!

- Die Natur in ihrer kontrastreichen ausbalancierten Schönheit, 

- die unmittelbare Freude, 

- die Kreativität, die befeindete Gegensätze zu ergänzenden Polen wandelt,

- und die Liebe ohne jeden Besitzanspruch, die das innere lichte Wesen freimacht und Heimat schafft wo immer sie ist.



Heitere, angstfreie und offene Menschen erleben sich miteinander. 
Zu Hunderttausenden ohne sich zur Masse zu verkleben. Jeder, jede bleibt Individuell, bleibt gelassen, entspannt. Ein wenig müde vielleicht nach vielen Eindrücken. 

Kinder spielen im Zentrum dieser Stadt am Sandstrand, wo sich vor ein paar Jahren sich noch der übliche Verkehrsknotenpunkt verknotet hatte. Ein städtisches Krebsgeschwür ist entfernt worden.

Nun gibt da stattdessen jetzt auch zwei Schwanenpärchen, ein schwarzes und ein weißes. Sie schwanen in majestätischer Schönheit mitten im Zentrum und verbreiten ihren natürlichen Zauber. 

Ich sehe sie von meinem temporären Atelier aus, in dem ich seit 5 Tagen bin. Halbzeit.










Täglich kommen wohl mehr als hundert Menschen ins temporäre Atelier. Ich zähle sich nicht. Es kommt nicht auf die Menge an. 
Doch es sind wache, aufmerksame Menschen. Kinder jeden Alters. Sie nehme alles auf.
Auch ganz junge mit Achtzig. 
Neugierig, offen. Bereit zu staunen, zu lernen. Die meisten jedenfalls. 

Für meine Biographie ist das ein Höhepunkt in diesem neuen Wahrzeichen, das von Innen noch fast im Rohbau ist, 10 Tage darin zu wirken. Außen Wahrzeichen, innen Vakuum - im Kern der Stadt. 
Eine seltene Konstellation. 
Hier kann etwas geschehen, was zuvor nicht möglich war und für mich nirgends anders möglich ist. 

Heimat. 

Damals bin ich geflohen. 
Heute fliege ich zu ihr hin. 
Offenbar flügge geworden, denn Heimat ist mir inzwischen dort wo mein Herz ist. 
Also auch in Indien, in Berlin, in Aalen, in Abtsgmünd-Hohenstadt, im Frauenhof. Doch wenn es sich verbindet mit dem Ort in dem dieses Herz zu schlagen begann, mit Schwäbisch Gmünd, dann ist das eine einmalige Übereinstimmung, ein Kreisbogenschluss nach dem ich sagen könnte: „Jetzt kannst du sterben“. 
Da das aber offenbar noch nicht angesagt passt besser: „jetzt kannst du leben“! 

Gleich am zweiten Tag kam ein älteres Ehepaar. Die Frau zieht ein kleines Bild aus der Tasche und zeigt es mir. Mein Vater hat es gemalt. 1942. Mitten im Krieg. Klar dass sei es wieder mitnehmen.



Dann kommen alte Schulfreunde die ich seit Jahrzehnten nicht mehr sah. 
Ein alter Mann stellt sich vor mich hin und fragt grinsend: „kennsch me no?“ ( ... kennst Du mich noch? ...)
Keine Ahnung?! - bis er sich als Schulkamerad zu erkennen gibt und ich durch die Mauern der Jahrzehnte einen Schimmer seines Gesichtes wiederekenne. 

Er ist ein bisschen jünger als ich und ich grinse über mich, weil ich mich selbstverständlich für jünger aussehend halte. Wie alle falle ich auch auf den Irrtum herein, wenn ich einen Gleichartigen sehe und über dessen Älterwerden erstaunt bin. 

Aus dem faltenreichen Munde entfaltet sich der Satz: „Der (die) ist aber alt geworden“.

Eine andere Schulfreundin brachte, nachdem sie begeistert war, am kommenden Tag ihren 85 jährigen Vater mit, der auch zeichnet, wie sie sagte. 

Er schaut mich an und sagt durch seine dicken Brillengläser hindurch: „was des soll der Baschd sei, des ich ja a aldr Moh““.  (...was, das soll der Bast sein den ich kenne, das ist doch ein alter Mann!... ) Aus meinem Grinsen wird ein Lachen.

Gestern stand eine Frau in meditativer Konzentration vor dem großen Bilder der Königskerze, um es mit dem ganzen Körper zu betrachten. 
Dann krachte die die Aufhängung und das großformatige Bild donnerte zu Boden. 
Rechtzeitig konnte ich es auffangen bevor es vornüber gekippt ist. Der Schreck wandelte sich rasch in Heiterkeit, weil eben die sympathische Frau mit ihrer Konzentration so stark betrachtet hat, 
 dass das Bild antworten musste. 

Später zieht eine ältere Dame eine Postkarte aus der Handtasche und zeigt sie mir.  Ich hatte 1965 für einen Freund gezeichnet. Sie bewahrt sie auf. Berührend. Kostbar. Schlicht ergreifend.





Am Abend, nach der Atelierzeit, stand ich lange noch auf einer Brücke und habe wie in ganz frühen Schulzeiten ins Wasser geschaut und der Strömung zugesehen, bis die Brücke begonnen hat zu fahren und das Wasser stillstand. 

Zwei Jungens abenteuerten dort im Wasser herum und spielten mit Steinen und Tüten voller Wasser. 

Die Schwanenpaar putzten sich und grasten und machten sich für die Nacht fertig. Neben die neuen Gebäuden wächst ursprüngliche Natur. 

Auch das freundliche Architektenehepaar das ich traf, sprach begeistert von dieser Wandlung der Stadt. 
Sie bräuchten nicht in Urlaub zu fahren, sagen sie, und warteten wie ich bis die heiter Musikgruppe ihre mittelalterlichen Weisen ohne Verstärkter in die Atmosphäre spielte und in die offen Sinne, die offenen Seelen. 
Ein Musikantin holt mich zum Tanz. 

Irisch. 
Heimat. 
Weltweit. 
Kosmisch nah im universellen Nest. 
Mitten in Schwäbisch Gmünd, meiner Mutterst

adt. 


Zwei Straßen sind hier besonders zu erwähnen.

Die Johann-Sebastian-Bach-Straße in der ich aufgewachsen bin und die Milchstraße in der wir reisen. 

Musik und Milch. 

MM. wie: Materie und Mutter.